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Versöhnung.
Roman von Meta Opet-Futz.
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(Nachdruck verboten.)
Al» Adolf, der tatsächlich wegen verspäteten (£>+-
fchäftsschlusies ausgeblieben war. die Schwester ab¬
holte, erhnek er »mr zerstreute und einstldige Ant¬
worten aus seine Fragen. Es sei herrlich gewesen und
den Hamlet have, wie sie e» schon erwartet, der Herr
gegedeil. den sie kürzlich de» ihrem Hehrer kennen
gelerrrl, und der sei ein grober Künstler. Mehr war
aus chr nicht herouszubekommeii, und sie war dem
Bruder dankbar, dah er den Rest de» Weges schweb
tzend an ihrer Seite zurückkegt«. Zu voll war ihr
Herz von den Erlebnissen dieses denkwürdigen Theater>
r rds. und als sie endlich allein war und sich, bevoö
sich niederlegte, noch einmal die Szenen zu ve»>
E genwärtigen suchte, die den stärksten Eindruck aus
gemacht hatten, wich nicht von ihr dar Gefühl,
b mit Rhoden etwas Grobes und Entscheidendes
in ihr Leben getreten war, aber nicht wie ein Bote
des Glücks sah er au», der fiirstere, seltsame Mann.
Was mochte er nur damit gemeint haben, daß
er ihr eine Lektion geben wollte'? Nein, trotz seine»
groben Künstlerschaft mochte sie nichts mit chm zu tun
haben, es wurde ihr ss bang« in seiner Nähe. Wer
doch die Fähigkeit Kälte, in di« Zukunft zu schauen.'
dachte sie. ans Fenster tretend, in die Zukunft, die
dunkel und unergründlich vor chr lag wie der nächt¬
liche Himmel. Stein, sie wollte «» nicht wissen, was
für ein Schicksal ihr beschieden sein würde. Um wie
viele Hofsirungen wäre das Leben ärmer, wenn wir
im voraus wissen würden, wie wenige sich davon
erfüllen!
. Am nächsten Tage fügte es «m Zufall, dab Frau
Thalherm von dem Unterricht erfuhr, an dem ihre
Tochter bisher heimlich teilgenommen. In der Furcht,
dab sich Eva überanstrenge, die seit einiger Zeit recht
blad aussah. hatte sie sich nämlich in der Abwesenhert
des jungen Mädchens eingehend mit dessen Stunden¬
plan beschäftigt und war zu der Ueberzeugung gekom¬
men. dab es Eva bei richtiger Einteilung der häus¬
lichen Arbeiten ganz gut ermöglichen könnte, an zwei
Nachmittagen der Woche mit ihr und den kleinen
Geschwistern längere Spaziergänge zu unternehmen.
Das aber waren gerade die beiden Nachmittage, an
denen Eva in der edlen Schauspielkunst unterwiesen
wurde, und sie war daher ganz bestürzt, als ihr dis
Mutter mit freudigem Gesicht ihren Plan enthüllte.
„Das wird wohl nicht gehen?" stotterte sie, und
»LLarum soll es nicht gehen?" ertönte schon des Vaters
ungeduldige Frage, worauf Eva nur all zu viel lȊusliche
Arbeiten vorzuschützen wußte.
„Lah dich dadurch „ich! beirren", sagte Herr Thal¬
heim zu seiner Gattin, die ihn unschlüssig anblickte. „Du
darfst sie gar nicht erst fragen." Eva kam es erst all¬
mählich zum Bewubtsein. daß ihr nun nichts anderes
übrig blieb, als ihr Geheimnis preiszugeben, denn nun
durfte sie sich ja sowieso an den betreffenden Tagen
nicht mehr aus dem Hause begeben, ohne von den
Eltern beobachtet, mindestens aber ausgefragt zu wer¬
den. So kam es gleich, nachdem der Vater das
Zimmer verlassen, zu eurer längeren Aussprache unter
vier Augen zwischen Mutter und Tochter.
„3d> konnte nicht anders handeln", schloh das
Mädchen sein Geständnis und sah beklommen die
Mutter an, die bleich und geduckt vor ihr satz. wie
zusammengebrochen unter der Wucht einer niederschmet¬
ternden Nachricht. „3st es denn so schlimm?" fragte
Eva zaghaft, als Frau Thalheim noch immer nichts
sagte. „Schlimm genug", rang es sich schwer von den
Llppen der Mutter. „Nichts wird sich äkidern", tröstete
sie Eva. „Ich werde ja mein Lehrerinneneramen
machen, sodatz Ähr das Geld für mein Studium keikies-
« falls umsonst ausgegeben habt. Ob ich nun später
- meinen Unterhalt als Lehrerin verdiene oder als
Schauspielerin, das sollte Euch doch gleich sein." „Gleich
sollte es uns sein, was aus unserer Töchter wird",
rief Frau Thalheim erregt, „gleich, ob sie ihr Leben
fortsührt. so. wie es unserer Erziehung entspricht, oder
ob sie im Sumpf« endet wie . . . Sie brach plötzlich
ab. »Zch weih schoir, was du sagen wolltest", erwiderte
Eva mit einem wehmütigen Lächeln. ,,Du dachtest an
Onkel Karl, von dem Adolf mir kürzlich erzählte."
„Ja, ich dachte an ihn", gab Frau Thalheim zu.
„Kind, falls du werden solltest loie er, ich glaube,
bas überlebt« ich nicht." „Er soll leichtsinnig gewesen
sein", sagte Eva.sinnend, leichtsinnig in Euren Augen,
aber vielleicht habt Ihr alle ihn nicht verstanden,
und das könnte ihn aus dem Hause getrieben haben."
Die Mutter verstand die leise Warnung, die in den
T Worten des Mädchens lag. und sie lenkte ein. „Nun
wird alles ganz anders kommen, als wir es uns
gedacht", sagte sie traurig. „Wir halten uns deine
»Zukunft so sä>ün ausgemakt. Line gesicherte und ge¬
achtete Stellung hättest du schon in wenigen Jahren
dir errungen haben können. Diese Hoffnung, mutz
ich nun aufgeben. Vielleicht wirst du dich meiner
Worte einmal erinnern, wenn du das ewige Auf und
Rieder eines nur äußerlich glänzenden Lebens kennen
-gelernt haben wirst, datz dir niemals das Gefühl
des Geborgenseins geben kann."
„Aber das Gefühl der Befriedigung, und das
steht mir höher", warf Eva ein. „Ich glaube, ich
könnte mich in den vier Wänden eines gemütlichen
Heims, wie es dein Ideal ist. auf die Dauer nicht
wohl fühlen. Die gleichmäßige Ruhe, die du so sehr
liebst, mich könnte sie zur Verzweiflung bringen. Ich
will dich nicht kränken, Mutter, aber dennoch, einmal
allst du es von mir hören. Ich beneide dich nicht um
»ein Dasein. 2n einem tödlich langweiligen Krei»-
auf spinnen sich deine Tage ab. du besorgst die Wirt-
Last, du pflegst den Vater und dein« Kinder, und
o geht es jahraus, jahrein. Ich weih, datz die» Menschen!
chr solches Leben al» glücklich bezeichnen, glücklich des¬
halb. well dir Gott das Unglück ferngehalten hat,
sie e» in Gestalt zerrütteter Familienverhültniste. miß-
atener Kinder, Krankheit oder großer Armut über
*eden kommen kann. Ich aber, verzeche mir. wenn ich
ernen Stachel in dein Herz senke, ich wäre an deinen
Stelle nicht glücklich geworben. Das Gewaltige, das
Aufrüttelnde. das Leidenschaftliche, das begehrt meine i
t
Seele wie der Durstige einen Schluck Wasser, um
rrtcht zu verschmachten, aber ich denke, datz die Kurist,
der ich dienen will, meiner Sehnsucht Erfüllung wer
den wird."
Frau Thalheim muhte ihre ganze Setbstbeherr^
schung aufbieten. um die Tochter nicht wahrnehmen
ru lassen, wie j&t sie Evas Worte erregt hatten,
die nach ihrer Mernung denselben gefährlichen Lebens¬
drang verrieten, der einst den längst verschollenen
f rüder ln die Fremde getrieben hätte. Sie war
h wohl bewutzl, dah mrt starrem Widerstand der
. achter gegenüber nicht» auszurichten sei, und sie zwang
sich daher zu einer gefahten, ruhigen Antwort. „Als
ich in deinen Jahren war, mein lieber Kind", nahm
sie nun das Wort, „da Hab« auch ich mir meine Zukunft
nicht so prosaisch gedacht, wie sie hernach geworden
ist. und doch brn ich zufriedem weil ich nun weih,
dah es für eine Frau nichts Besseres gibt, als das
stille FamikSs,«glück, das du so verächtlich von dir
weisen willst. Gott möge dich nicht auf die Probe
stellen und es dir versagen, wenn du dich dereinst
danach lehnen solltest."
„Ich weih es wohl, dah ich mich mit solchen Reden
versündige", rief Eva mit schmerzlicher Gebärde aus/
„und es bringt mich in einen entsetzlichen Zwiespalt,
dah ich nicht dagegen ankämpfen kann. Der Mann,
mit dem ich glücklich werden könnte, wird wohl kaum
zu finden sein auf dieser Erde", fuhr sie mit resig¬
niertem Lächeln fort. „Du brauchst dir darüber kein»
Sorgen zu machen, dah ich dem häuslichen Leben
keinen Geschmack abgewinnen kann." „Es macht mir
grohe Sorge", mein Kind", sagte Frau Thalheinr
ernst, „nur. dah Du noch so jung bist, beruhigt nkich
ein wenig, „in einigen Jahren wirst du hoffentlich
vernünftiger denken."
Eva blieb stumm auf diese Bemerkung: sie war
überzeugt, dah sie auch später nicht wesentlich anders
denken würde als gegenwärtig. Was wird der Vater
sagen? fuhr es Eva plötzlich durch den Sinn, und
„Was wird der Vater sagen?" bemerkte Frau Thal¬
heim im gleichen Augenblick, als ob sie die Gedanken
der Tochter erraten hätte. „Er hat hoffentlich das
Vertrauen zu mir. dah ich ihm keine Schande machen
werde", erwidert« Eva ston. „Du kannst es chm ruhig
mitteklen." „Und mir wird er Vorwürfe machen'',
seufzte Frau Thalheim, während sie den Entschluß
fahle, die Sache noch am gleichen Abend zur Sprache
zu bringen, denn es war von jeher ihre Gewohnheit,
die unangenehmsten Dinge zuerst zu erledigen.
12. K a p i t e l.
Cs gab einen großen Auftritt, als Frau Thak-
heim ihren Mann von Evas Plänen in Kennmis
setzte. So aufgeregt balte sre ryn wahrend ihrer ganzen
Ehe noch nra-r geseyen. vor allem aber hatte sich
sein Zorn rwch Niemals gegen jie, die Gatlirr, ge¬
richtet, wie es heute ge,chay, sondern nur die Kinder
i >atle er nötigenfalls ieriren berechtigten Unwillen emp-
rnden lassen. „Das sind die Folgen deiner Erziehung",
agte er. während er düster vor sich hinstarNe. „Wie
ott habe ich dich darauf auimertiam yemacht, dah
du viel zu nachgiebig bist, aber das war t<i den Wind
gesprochen. Ja, wenn ich den ganzen Tag über zu
Hause gesessen hätte w'<e du. dann wäre etwas anderes
aus den Kindern geworden, darauf kannst du dich
verlassen'?' „Durch die>Er-^tiuttu ist must alles zu
errerä-en, wie au glaubst", erwiderte Frau Thalbeim,
sich zur Ruhe zwingend. „Es ist eine gefährliä)« Sache,
vorhandene Anlagen gewaltsam zu unterdrüaen, schlielz-
lich kommen sie doch wieoer zum Vorschein und er¬
zwingen die Beachtung, die man ihnen vorher nicht
schenken wollte." „Anlagen hin. Anlagen l>er", kam
es hohnlachend zurück. „In meirrer Jugend hat me*
mand nach Anlagen gefragt. Man hatte sich dem Wil¬
len der Ettern zu fügen, seine Pflicht zu tun, und
damit basta. Glaubst du etwa, dah ich mit Adolf
zufrieden bin? Wenn er das Zeug zu einem tüch.igen
Kaufmann in sich hätte, dann wäre er schon längst
zu mir gekommen und hätte gesagt: „Vater, lah
mich in den Abendstunden in den und jenen kauf¬
männischen Wissensckmften Unterricht nehmen, damit ich
rasch vorwärts komme. Das hätte ich an seiner Stelle
getan. Er aber denkt gar nicht daran, so etwas Nalie-
liegerrdes kommt ihm überhaupt nicht in den Sinn."
„Du muht nicht vergessen, daß ^Ädolf ein schwäch¬
licher Mensch ist. den wir auch nicht überanstrenge,»
dürfen" warf seine Frau ein. „Das ist es ja eben.'
sagte Herr Thalheim unwirsch. „Wenn ich mir dies
nicht schon längst überlegt hätte, dann hätte ich schon vor
Monaten dafür gesorgt, dah Adolf Stunden nimmt.
Wenn ein Mensch untüchtig und außerdem körperlich
schwächlich ist, so ist das ein doppeltes Unglück."
„Sprich doch unserem Jungen nicht schon jetzt alle Fähig¬
keiten ab", bat Frau Thalheim. „Ein guter Schüler lst
er immer gewesen, und wie er sich weiter entwickeln
wird, das wollen wir doch erst abwarten."
„Du hast ganz recht", spottete der Gatte, »Oines
Tages wird vielleicht au') er uns mit dem Plan über¬
raschen, Schauspieler zu werden oder Maler oder Dich¬
ter: es gibt ja genug solch brotlose Künste. Dah er
in der Schule gut gelernt hat, darauf gebe ich gar
nichts. Klara und Rosa sind vis jetzt in der Schul»
keineswesg durch hervorragende Leistungen aufgefallen,
und doch lasse ich mir nicht ausreden, dah aus meinen
Jüngsten etwas Tüchtiges werden wird, beide haben
einen offenen Kopf und werden im Leben schon ihren
Weg machen." Sein Gesicht heiterte sich ein wenig
auf. gls er der beiden Jüngsten gedachte, und Frau
Thalheim wagte es daher, noch emmal auf Eva zu¬
rückzukommen. „Du muht Evas Plan nicht gar zu
tragisch nehmen", sagte sie. „sie wird ja ihr Lehrerinnen¬
eramen trotzdem machen." Und dabei ihre Gesundheit
zu Grunde richten", ergänzte der Gatte.
Frau Thalheim schwieg auf diesen Einwand, sie
selbst hatte den gleichen Gedanken schon mit Sorgen
erwogen und nahm sich im stillen vor. sich bei Eva»
Lehrer zu erkundigen, ob die Tochter starkes künst¬
lerisches Talent habe. Sie war fest entschlossen, im'
Falle einer günstigen Auskunft ihren ganzen Einfluh
auf den Gatten in die Wagschale zu werfen, um ihn'
dahin zu bringen, dah er Eva gestatt«, die Studien'
auf dem Seminar an den Nagel zu hängen, damit sie»
sich völlig der Kunst widmen konnte. Al» sie auf-,
blickte, gewahrte sie wieder den finsteren» vergrämten
Ausdruck auf dem Antlitz ihres Mannes, und schweren
Herzens gewann sie es noch einmal über sich, ihrer
Nettesten Fürsprecher zu sein, er sollte nicht mrt ihnen
grollen, lieber wollt« sie die ganze Schuld auf sich
nehmen.
„Du darfst es die Kinder nicht entgelten lassen",
nahm sie dar Wort: „sie können nun einmak nicht.
anders, und ich glaube, dah sie stark nach mir geartet
sind." „Nach dir?" fragte er voll Staunen. ,Za". be¬
stätigte Frau Thalheim. „Auch ich bin t» meinep
Tugend ühulich gewesen wie Eva und Adolf. Ich trug
damals auch die Sehnsucht nach etwa» wrohem, Schö¬
nem, in meiner Seele, di« du, von deinem Stand¬
punkt au» mit Recht, an den Kindern tadelnswert
fnidest." „Du Liebe. Gute, da» habe ich ja gar nicht
fceumfet", sagte er, jie an sich pressend, «nd ihr mit
einem fornhenden Blicke ernst m die Augen sehend,
fügte er zögernd hinzu: „32, dann bist du wohl auch
an meiner Seite gar nicht glücklich geworden?"
Fosef". erwiderte sie mit ihrer liefen, warmen Stimm«.
„Als ich dein wurde, da war sie vorüb«, die Zetß
der unklaren Mädchensehnsr cht; ich ging auf in meint*
Pfnchten alu Hausfrau und Mutter, und Ich war un¬
endlich glücklich an deiner Seit« all die Jahre lang.
Wohl sind auch die Sorgen nicht ausgeblieben, «dev
kann denn ein wahres Glück zerstört werden durch
die Sorgen, die man gemeinsam trügt mit einem
geliebten Menschen und gemeinsam niedeywingt? Und
«wenn wir einen Streit miteinander haben, du und
ich, so wie es heute geschehen ist. ist dies wohl eky
ernstlicher Streit? Gipfeln nicht unsere Zwistigkeiten
stets in dem einen gemeinsamen Ziele, dem Wohl»
unserer Kinder? Glaube mir, Josef, zuweilen befällt
mich eine Angst. dah uns Gott zu reich bedacht habe«?
könnte auf Kosten anderer Menschen, und immer, wen»
ich von einem Unglück höre, das sich in einer anderen
Familie zugetragen hat, dann kommt mir der Gedankt
wie leicht hätte auch uns dies treffen können, und
warum sind gerade wir verschont geblieben!"
„Meine liebe Nein« Frau", sagt« Herr Thalheim,
vergeben, gegen eine Richr»« ankämpfend. die ih«
sonst fremd war. „Lah doch dies« zwecklosen Grd-
veleien, die deinen Nerven schädlich sind. Danken wir
Gott, wenn er uns gnädig ist. und kommt ein Unglück,
nun. dann muh es getragen werden, nur hoffen soll
man immer das Beste und sich durch keine schlimmen
Ahnungen beirren lassen. Aber, war du mir soeben
gesagt hast, dar beweist mir allerdings, worauf ich
die Seltsamkeiten unserer beiden Aeltesten .zurückzu¬
führen habe, denn nach mir sind sie wahrlich nicht
m dieser Beziehung. Erscheint es dir möglich, dahl
Eva ebenso leicht wie du über dieses kritstche Sta¬
dium himoegkommen nrirt»?"
Fortsetzung folgt.
C WXX IOQOOO
an
DkterarisGes
Paul Cohen-Pvrtheim. Di« Mission de»
Juden. (Erich Reih, Berlin.)
„Die Mission des Juden ist. die Herrschaft der
Gewalt durch die Herrschaft der Gerechtigkeit zu
setzen." Das ist das Gruudmotio dieser wahrhaft seist-,
reichen Betrachtung, die dem Leser der neuen Ge-
'danken und Anregungen so viele bietet. „Der Zu-
^unftstaat, in dem Gerechtigkeit herrscht, kann nur
upernational — nicht international — sein. ... und
oroohl das christliche Ideal wie das jüdische Dolf^
Mben in diesem Sinne gearbeitet." Verfasser spricht
vom christlichen Ideal, nicht vom Christentum, nsch-
'ür„t er ecugchend hak, t»ut>
seit Jahrtausenden dem chrlstlicheii Jdecll entgeMz-
a'Luiiui. Dir Jdealg-stoiten der VöMr Europas find
Kriegshelden: die der Völker Asiens Weise und Heldei»
der Gerechtigkeit! Wie Hillel dem Proselrilen muh
auch ich dem Leser zurufrii: Geh' hin und lies!
Dr. I a m p e l.
O. F. Scheuer. Heinrich Hein« als Student.
(Albert Llhn, Verlagsbuchhandlung. Bonn.)
Es handelt sich hier um ein« Bücherreihe unter
der Dammelrubrik „Aus dem Sludentenleden berühm¬
ter Aiänner".^ Das vorliegend« Buch liehe sich rwch
präziser überschreiben: Heinrich Heine mrd die Bur-
jck»enschaft. Die Aktualität dieses Themas leuchtet ein.
In einer Zeit, wo Stttdierende deutscher Universitäten
rassenreine Bänke fordern, ist es nicht unangebracht,
soaran erinnert zu werden, dah Heines Bildnis u
die Mitte des vorigen Jahrhunderts auf keiner Vu
schenkneipe fehlte. An historischer Gründlichkeit Q
das vorliegende Buch nicht» au wünschen übrig,
dem "rnappen Umfang des Buches (64 Seiten)
eine in manchen Punkten etwas summarische Där-
stellungsweise beliebt worden: so wird Heines Uever-
tritt zum Christentum (in Heiligenstadt), der -occh auch'
zur studentischen Epoche des Dichters gehört, in drei
Zeilen abgetan.
N.
/
Mnnona. Trappistenstreik. (Walter Heinrich, \
Freiburg, Baden.)
Mynona — anonym. „Gewidmet meinem treueit i
Hunde Sali Rukser." Eine Reihe Grotesken, darunter
„Der operierte Goj". „Der totschicke Heiland", „Der
neckische Biorder". Motto: „Es gehörte zu seinen
Schlohgerechtsamen auch die Veredelung von Roh-
igesÄstechlsamen". Ein Autor, der nicht immer der
Beschlagnahme zu entgehen weih. Mynona meistert \
die Kunstform brr Groteske mit starker Vorliebe für X
das Abstrakte: er ist mitunter klotzig derb, vielleicht 1
leidvoll angefachl. in einigen Stücken von geradezu
teuflisch grimmer Eeladenheit.
/
Eingegangerre
roaweoc o o oxo flooo c i
P O O O O
'«JLZl
unter dieser Rubrik »ervsfentltche» wir in prriodilchen Z«itr'u,n»n alle uni
z«aehende» «euerschetnungen der tfiunUur. <Stn« S«i»re4»ng otn,eln»r Sitch«
müssen wir uu« mrci, »uiwahi »«rd«hali»n.
Leonhard Ragaz. Judentum und Christen¬
tum. Ein Wort zur Verständigung. (Verlag Rot¬
apfel. Leipzig.)
C. Katz. Feierkläng«. Gedichte zu Chanuka und
Purim. (I. Kauffmann Verlag. Franffurt.)
D. Dr. Ernst Sellin. Moje und seine Bedeut
tung für di« lsraelltifth-jüdisch« ReligionsgeMchte.
(Ä. Deichertsche Verlagsbuchhandlung Dr. Werner
Scholl. Leipzig-Erlangen.)
O. F. Scheuer. Heinrich Hel« al» Studenh.
(Albert Ahn. Derlagsbuchhandkung. Bonn.)
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