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12. 4uut 1924.
Seite 3. Nr. 24.
Uioutiy voiii 29. 4. 24 betr. Vienbeiituy der Friedhofs^
ortmmtg >j 95 u gilt tünftig als integrierender Teil der
Friedhossordnung: ihre Abänderung kann künftig nur
durch Gemeindebeschlnß erfolgen. Der Vorstand hatte
nämlich beschlossen, jenes besondere Feld auf dem Fried¬
hose in W e i ß e n s e e (von dein in früheren Sitzungen
mehrfach die Rede war), aus dem nur Juden be¬
erdigt und JAschenreste nicht beigesetzt werden dürfen,
anzulegen. Sachlich war damit ein lange schwebender
Streitpunkt erledigt. Da aber der Vorstand den Stand¬
punkt vertritt, das; er allein zu der bezüglichen Ab¬
änderung der Friedhofsordnung berechtigt sei, so be¬
stand die Befürchtung, daß der Vorstand gegebenen¬
falls auch von seinem Rechte in einer Wiederaufhebung
Gebrauch machen könne, und deshalb, so führte Dr.
N e u m a n n aus, müsse das Ganze zum Gemeinde-
b e f ch l u f; tVorstand und Repräsentantenversammlung
gemeinsam) erhoben werden. Der Vorsitzende des Vor¬
standes, Kammergerichtsrat Wolff, verteidigte den
Standpunkt des Vorstandes. Prof. Loewe erklärte,
wenn die Gebühren in der Friedhofsordnung jeweils
durch Gemeindebeschlnß (d. h. nicht einseitig vom Vor¬
stande) festgelegt würden, also eine materielle An¬
gelegenheit, so müsse man das bei prinzipiellen Dingen
um so mehr verlangen. Nach langem Hin und Her
wurde schließlich der konservative Antrag angenom-
n» e n, zumal in der Sache alle Fraktionen einig
waren und hier nur die Repräsentantenversammlung
in einer formalen Frage gegen den Vorstand operierte.
— Die von der letzten Sitzung bekannte Position
„Krematorium" (Kasualgebühren für Rabbiner,
die an Leichenverbrennung Mitwirken) kam ebenfalls
zur A n n a h m e. — Eine Debatte entspann sich auch
bei der Besprechung der Herabsetzung der Subvention
für die Freie jüdische V o l k s h o ch s ch u le . Dabei
wurde von einigen die Ansicht vertreten, daß dieses
Unternehmen vielfach nicht richtig geleitet sei und bei
richtiger Organisation. Propaganda usw. viel größeren
Einfluß in weiten Volkskreisen haben müßte.
Keine Religionsstatistik der Studenten. Die studen¬
tische Vertretung der Berliner Universität hatte,
wie vor einiger Zeit mitgeteilt, beim Kultusministe¬
rium den Antrag gestellt, die religiösen Verhältnisse
der Studierenden dadurch statistisch zu erfahren, daß
ihnen die Verpflichtung auferlegt wird, ihre Zu¬
gehörigkeit zu einer Religionsgesellschaft anzugeben. Den
„Berliner Hochschulnachrichten" zufolge hat das Mini¬
sterium jetzt erwidert, der Antrag der Studentenschaft
sei mit dem Artikel 136 der Reichsverfassung nicht
vereinbar, da nach Absatz 3 jenes Artikels der¬
artige statistische Erhebungen nur dann zulässig sind,
wenn von der Zugehörigkeit zu einer Religionsgesell-
schaft Rechte und Pflichten abhängen oder diese Fest¬
stellung von einer gesetzlich angeordneten statistischen
Erhebung g/fordert wird. Da beide Voraussetzungen
im Vorliegenden nicht zutreffen, könne dem Anträge
der Studentenschaft aus verfassungsrechtlichen Grün¬
den nicht entsprochen werden. — Was die lieben Leut¬
chen nicht hindern wird, ihre Numerus clausus-Schmer-
zen bei der nächsten unpassenden Gelegenheit der ge¬
spannt aufhorchenden Mitwelt zu offenbaren. Bis dahin:
heil! — Mit welchen Mitteln die Hetze gegen die jüdischen
Studenten betrieben wird, zeigt folgendes Zitat aus der
„Deutschen Tages-Zeitung", die sich vermutlich zu der
„vornehmen" Hälfte der Deutschnationalen rechnet:
„D i e B e r;.. b u u „ bet deutsche n Hochs ch u -
len." Der ausgeplünderte deutsche Mittelstand kann
nicht mehr die Mittel aufbringen, seine Söhne studieren
zu lassen. An ihre Stelle tritt der Nachwuchs der
jüdischen Neu-Reichen. Im Winterhalbjahr 1922-23
arbeiteren an einem Institute der Berliner Universität
235 Juden, im Winter 1923-24 waren es 172 Deutsche
und 176 Juden. Diese nüchternen Zahlen lehren mit
erschreckender Deutlichkeit, daß der zahlenmäßige Rück¬
gang der deutschen Studenten so gewaltig ist, daß
die Juden, obwohl auch ihre Zahl zurückgegangen ist,
trotzdem noch die Mehrheit erlangt haben." — Also
sollen wohl die Juden gezwungen werden, wie ihre
ungarischen Glaubensgenossen, im Auslande zu stu¬
dieren?
Das satanische Hauptquartier. In der „Deut¬
schen Z e i t u n g" macht Herr Erich Schlaikjer
bemerkenswerte Enthüllungen. Er schreibt einen Auf¬
satz „Jud' Reinhardt" und behauptet, daß Reinhardt
Bewegungen an. Sie ließen alle Muskeln spielen und
tanzten mit Schultern. Brust und Bauch. Die Atmo¬
sphäre war unbeschreiblich. Eine glühende Sonnenhitze
brannte auf unsere Köpfe nieder, unermüdlich und wild
und wilder wurde der Tanz und die monotone Melodie
der Flöte prägte sich in unsere Gehirne ein. Die Füße
der Tänzer wirbelten den weißen Sand auf, es schien
als ob sie keine Ermüdung kennen, nicht Sonnenglut,
nicht Staub, nicht starker Schweiß konnte sie tanz¬
unfähig machen. Wir alle, selbst von der Sonnenglut
und dem stundenlangen Zuschauen erschöpft, standen
wie unter einem Bann und sahen mit ästhetischer
Freude, die muskulösen Glieder und Körper in gra¬
ziösen. harmonischen Bewegungen schwelgen. Und
schließlich endete auch dieser Tanz.
Gern begaben wir uns nun in den kühlen, abge¬
dunkelten Festraum zurück um jetzt das inzwischen voll¬
endete Friedensmahl einzunehmen. Der von den Pe-
tach Tikwaher Juden mitgenommene Schochet hatte
bald nach unserer Ankunft, das von den Arabern bereit
gestellte Kalb geschlachtet und das Fleisch war auf offe¬
nem Feuer geröstet worden. Wir hatten wieder unsere
Plätze eingenommen, ein Araber kam mit einer großen
Schüssel zu uns, ein anderer goß uns Wasser über
die Hände, ein dritter brachte uns Seife und Handtuch.
Inzwischen war der Raum von den Ueberresten unserer
ersten Bewirtung gesäubert morden. Zunächst wurden
hart gekochte Eier mit Salz gereicht, dann wurde eine
riesengroße Zinnschüssel mit dem gerösteten und in
ziemlich große Stücke geschnittenen Fleisch vor uns
hmaestellt. Wir hockten uns rings um die Schüssel und
es begann ein echt orientalisches Essen, ohne Messer und
Gabel und Teller. Jeder faßte in die Schüssel und
suchte sich ein ordentliches Stück Fleisch heraus. Dazu
gab es arabische Fladen, in Form von Mazzoth, die
von den Gastgebem vor jedem am Mahl Teilnehmenden
auf den Boden geworfen wurde. Seltsam, wie schnell
und leicht man sich an orientalische Sitten gewöhnt.
Es schmeckte vorzüglich trotz des Mangels westeuropäi¬
scher Sauberkeit.
Leider fehlte aus Kaschruth-Gründen der bei der¬
artigen Festen übliche Reisbrei, der ja bekanntlich auch
mit der Hand aus der gemeinsamen Schüssel genommen
wird. Nach Beendigung des Mahles wurde gebenscht,
und es war wohltuend zu sehen, mit welch andächtigem
Israelitisches Familieublatt.
den Theaterbetrieb zu Börsenmanöoern erniedrige. Er
spricht von dem „englischen Juden Shaw", von dem
„Halbjuden Wedekind" und von dem „Juden Rein¬
hard Goering". VIbolf Bartels wird vor Neid er¬
blassen: selbst er ist als Blut- und Rassenforscher
nicht so kühn und erfolgreich gewesen, "Aber Herr
Schlaikjer erzählt noch mehr: der Kampf zwischen
Brahm und Reinhardt war nur Maskerade. Beide
bezogen willenlos ihre Richtlinien aus dem „j ü d i-
schen Hauptguartie r". und auf dessen Befehl
wurde auch Shaw aufgeführt, „um die kriegerische
Widerstandsfähigkeit der deutschen Seele zu zerrütten".
Und warum ließ das Hauptquartier Wedekind spielen?
„Hier vor allem wurde die planmäßige Zersetzung
der deutschen Kraft betrieben, die wir rückblickend als
die wohlüberlegte jüdische Einleitung zum Weltkrieg
erkennen können." — Bleibt noch übrig, zu diesen
sensationellen Ausführungen zu bemerken, daß besagter
Herr Schlaikjer, der früher einmal an der „Welt am
Montag" tätig war, noch vor wenigen Jahren bei
„Judenbiättern" — wie er sie jetzt wohl nennt —
um Aufnahme seiner Artikel bettelte. Ein deutsch-
nationales Blatt in Berlin — nicht etwa der
„Miesbacher Anzeiger" — ist heute also so tief ge¬
sunken. daß es in seinen Spalten einen bedauerns¬
werten Gambrinussklaven „weiße Mäuse" suchen läßt!
Wir beglückwünschen den Großadmiral a. D. und
Reichskanzlerkandidaten in spe Tirpitz zu dieser herz¬
erquickenden Umgebung: „Deutsche Zeitung", deutsche
Kraft — nur mit etwas viel Spiritus geschwängert.
(Vorsicht bei Bruderküssen!)
Zum Tode von Ulla Wolff. Am 1. Juni starb
in Berlin im Alter von 74 Jahren Frau Ulla
Wolff, die unter ihrem Schriftstellernamen Frank
eine große Anzahl vielgelesener Momane und No¬
vellen veröffentlicht hat und in früheren Jahren auch
als I o u r n a l i st i n tätig war. Sie vertrat die „New
Dorker Staatszeitung" und den „Hamburgischen Corre¬
spondenten" in Berlin und war eigentlich die e r st e
Frau in Deutschland, die sich dem Journalisten-
beruf zuwandte. In dem gesellschaftlichen Leben Berlins
spielte die Verstorbene eine bedeutende Rolle. Frau
Ulla Wolff war eine Urenkelin des berühmten Posener
rabbinischen Gelehrten Rabbi Akiba Eiger. Ihr Vater
war Rabbiner in Gleiwitz: sie war in erster Ehe mit
dem Rabbiner von Bielitz, Frankfurter, vermählt. Ihr
ältester Sohn ist der Führer der Deutschen demokrati¬
schen Partei, Rechtsanwalt Dr. Richard Frank¬
furter.
Aus dem Reiche.
Tagung der Synagogengemeinden Ostpreußens. Am
29. Mai land, wie von uns schon angekündigt, in
Tilsit die Hauptversammlung des Verbandes
unter reger Beteiligung statt. Der erfolgte A n -
schluß der we st preußischen Gemeinden hat
dem Verband einen bedeutenden Zuwachs gebracht.
Hauptgegenstand der Verhandlungen war die Schaffung
eines obligatorischen Schiedsgerichts, durch
das der Frieden in den Gemeinden gefördert und die
Ausführung der Beschlüsse des Verbandes gesichert
werden soll. Die Schiedsgerichtsvorlage, über die
das Ausschußmitglied Arthur E o h n -Königsberg refe¬
rierte, wurde mit großer Mehrheit angeno m m e n.
— Rabbiner Dr. Röfel - Tilsit sprach über die Be¬
deutung des Verbandes für die Synagogengemeinden.
— Direktor Peritz - Königsberg referierte über die
inneren Verhältnisse der Gemeinden und zeigte an
reichem Material die Notwendigkeiten für die Ver¬
besserung des religiösen Lebens der Gemeinden und für
eine befriedigende Lage der Beamten. Er empfahl
die Bildung von Bezirksverbänden kleiner Ge¬
meinden und forderte die Besoldung der Beamten nach
der Reichsbesoldungsordnung. Zum Ver¬
bandsvorsteher wurde Iustizrat Holz-Königsberg wie¬
dergewählt.
Alfred Levys 70. Geburtstag. Alfred L e v y,
der Vorsitzende des Vorstandes der Deutsch-Israeliti¬
schen Gemeinde in Hamburg, vollendete am 25. Mai
Interesse die Araber das Gebet begleiteten. Als ihnen
Jemand aus unserem Kreise sagt, wir hätten für unser
und zugleich für ihr Wohl gebetet, erscholl lautes und
fröhliches Händeklatschen. Jetzt wurden wir aufgefordert
das Dort zu besichtigen. Wir verließen den Festraum,
kletterten die gefährliche stiege herunter und gingen
durch das arabische Dorf, gefolgt von den Eingeborenen,
die alle eine unverhohlene Freude über das wohlge¬
lungene Festmahl an den Tag legten. Wir kamen zu
einem freien Platz am Ende des Dorfes. Dort steht
ein alter Gedenkstein über dem Grabe, worin nach
arabischer Tradition ein Prophet aus dem Stamme
Juda begraben liegt. Das Dorf führt nach ihm den
Namen Iehudie. (Es liegt in der Nähe des aus der
Haggadah bekanntm Ortes B'ne B'rak). Der Weg
führte uns an der neuen Schule vorbei, einem gut aus¬
geführten Steinbau. der sehr günstig abstach gegen
die Lehmhütten, aus denen die arabisckzen Dörfer im all¬
gemeinen bestehen. Ein Zeichen der neuen Zeit, des Ein¬
flusses jüdischer Kultur und englischer Verwaltung.
Auf dem Platz erwartete uns der Lehrer umgeben
von seinen Schülern und begrüßte uns in einer arabi¬
schen Rede, worin er seiner Freude über die wieder ber-
gestellten Beziehungen zwischen Juden und ''Arabern
Ausdruck gab und versicherte, daß die neu erwachte
Freundschaft nie wider, weder aus äußeren noch inneren
Anlässen gestört werden dürfte. Ihm erwiederte hebrä¬
isch ein angesehener Bürger aus Petach Tikwah, der
seinerseits auf das Bestreben der Juden itmwrres,' mit
ihren Nachbarn in Frieden und Freundschaft zu leben.
Sämtliche Reden wurden gleich ln hebräisch und arabisch
verdolmetscht, Nach ihm trat ein etwa . 14jährigef
Schüler, ein bildschöner, sehr klug ausseljcnder ara¬
bischer Knabe in den Kreis und hielt in ausdrucksvoller
Meise, mit lebhaften sprechenden Gesten eine Ansprache.
„Wir wohnen im Osten. Ihr im Westen, aber mir
sind Söhne eines Vaters! Wir haben nicht dieselbe
Religion, aber wir sind Söhne eines Gottes." Und in
blumenreichen Gleichnissen feierte er noch den wieder
besiegelten Freundschaftsbund. Damit schloß die Ein¬
drucksvolle Feier. , . .
Ein örtliches Ereignis nur, und doch ein Ereignis
von großer Bedeutung. Denn wenn eines nötig in
zuin gedeihlichen Aufbau Palästinas, dann ist es ein ver
ständnisvolles friedliches Zusammenarbeiten von Jude
sein 70. Lebensjahr. In einer Feier i m G e meinbe«
Haus e, die in ihrer schlichten Würde auf alle Teil¬
nehmer einen tiefen Eindruck iiiachte, kam die allseitige
Verehrung, die dem Jubilar entgegengebracht wiro.
zum Ausdruck. Die Sihnngsiäle des Vorstandes und
des Repräsentantenkollegiums der (Gemeinde, in denen
sonst über ihr Wohl und "Wehe beraten wird, trugen
reichen Pslanzenschmuck und waren von einer seitlich
gestimmten Menge erfüllt: Vertreter der Portugielisch
Jüdischen Gemeinde, der Altonaer und der Wands¬
beker Gemeinde, der Kultusverbände und der Logen,
sowie anderer Körperschaften, die Rabbiner der Kultus
verbände und viele in Ehrenämtern der Gemeinde tätige
Damen und Herren nahmen an der Feier teil. Von!
Mitgliedern des Vorstandes der Gemeinde unter Har¬
moniumklängen an seinen Ehrensitz geleitet, wurde der
Jubilar von Herrn Heinrich L e v y, dem stellvertre¬
tenden Vorsitzenden des Gemeindeoorstandes, begrüßt.
Der Redner schilderte das Wirken und Schaffen Alfred
Levys, für das es nur einen Dank geben könne,
das Gebet, in welchem allsabbatlich der Segen des
Himmels auf das Haupt derjenigen herabgefleht werde,
die sich den Aufgaben der Gesanltheit beemunoh, in
Treue und mit Hingabe ihrer ganen Per'on, widmen
— und nur einen Wunsch, daß der Jubilar sich und
den Seinen und der Gemeinde noch lange zum Glücke,
zum Leben und zum Frieden erhalten bleiben möge.
Der Redner verlas zum Schlüsse eine von den Ge¬
meindebehörden, den Kulttisverbänden und den Logen,
sowie von den der Gemeinde nahestehenden Anstalten
und Vereinen gemeinsam an Herrn Alfred Levy ge¬
richtete, von Eduard Joel kunstvoll ausgeführte
Adresse, welche den „nie erlahmendenEifer. die
stete Arbeitsfreudigkeit und die liebende Hingebung"
des Jubilars für alle seine Aenrter rühmt. Nach Heinr.
Levy sprach der Vorsitzende des Repräsentantenkollegi¬
ums der Gemeinde, Herr Alfred L i s s e r. der das
Wirken des Jubilars als deutsch und jüdisch zugleich
kennzeichnete, weil jenes eine Sache um ihrer selbst
willen, dieses aber eine Sache um Gottes willen tun
bedeute, und mitteilte, daß zu Ehren des Jubilars eine
Sammlung veranstaltet worden sei, deren Zweck¬
bestimmung ihm überlassen bleibe. Nach Herrn Lisser
sprach der Jubilar selbst. Er dankte in herzlichen
Worten und übertrug den ihm gespendeten Dank auf
seine Mitarbeiter, niit denen zusammenzuwirken ihm
allezeit eine Freude gewesen sei und auch fernerhin
fein werde. Dann trugen einige Schülerinnen der Is¬
raelitischen Töchterschule, welcher der Jubilar so lange
Jahre seine Kräfte gewidmet bat, ein für diesen Tag
besonders verfaßtes Gedicht in Form eines Dialogs vor.
welches in einem dem kindlichen Verständnis und Emp¬
finden angepaßten Tone dem Wirken Alfred Levys ge¬
recht wird. Von dem Jüdischen Ehorverein unter
der Leitung Oberkantors Kornitzer ausgeführte Ge¬
sänge umrahmten die Feier.
Unsere Heiratsanzeigen vor dem Reichstag. Aba.
Kunze, genannt „Knüvpel-Kunze" oder auch „Held
von Gardelegen", hat noch schnell vor Toresschluß im
Reichstage als „wirtschaftlicher Sachverständiger" ge¬
sprochen, und dabei auch, mit einem Hinweis auf das
„viele Geld" in jüdischen Händen, die Heiratsan¬
zeigen im „Israelitischen Familienblatt" einer un¬
gnädigen Kritik unterzogen. Knüppel-Kunze als volks¬
wirtschaftlicher Sachverständiger ist ein Knpitel fürZich,
das zu betrachten unserer nächsten Purim-Nummer Vorbe¬
halten bleiben soll: uns mit ihm auseinanderzusetzen ent¬
spricht nicht der Würde unseres Blattes. Nur, daß Herr
Kunze die Heiratsanzeigen quasi als ein Spezifikum der
jüdischen Presse hinstellen ivill. verdient niedriger gehängt
zu werden! Schon längst vor der Gründung unseres Blattes,
dem Herr Kunze die Ehre von ihin gerügt zu weiden, an¬
gedeihen ließ, war es an der Tagesordnung, daß Grafen und
Barone in der „Kreuz-Ztg." und in weniger feudalen Organen
nach einer geeigneten nicht immer arischen Partie Umschau hielten.
- Mancher Leser wird es aber vielleicht begrüßen, bei dieser
Gelegenheit einiges über das Wesen derartiger Anzeigen und
die Beweggründe, die zur Bestellung derselben führen, zu
erfahren: Die eigenartige soziale Schichtung bzw. Umschichtung
und die zunehmende Landflucht der deutschen Juden, die meiner
mehr oder minder großen Vereinsamung der verhältnismäßig
wenigen aus dem Lande und in den Kleinstädten verbleibenden
jüdischen Familien geführt hat, lassen die Heiratsanzeigen
zu einer ivillkommenen Mög'ichkeit werden, mit jüdischen
und Araber. Für den guten Willen der Zusammenarbeit
war das Friedensfest von Iehudie ein guter, ein segens¬
reicher Auftakt.
COuUU P U ÜOCOOOOOOOQCD
^leinesFeuilleton
or der Eröffnung des Palästina-Theaters in Berlin.
Das in Berlin unter der Leitung des Mit¬
gründers der Moskauer „Habimah" Gnesin aus¬
bildete P a 1 ü st i n a - T h e a t e r wird am 14. Juni
it der Uraufführung des Dramas „Belsazar"
ine Tätigkeit beginnen. Dieser Abend wird zugleich
rch als die Feier der Eröffnung, des Palüstina-
heaters gelten. Zu der letzten geschlossenen Probe
ix Truppe erschienen einige der hervorragenditei^Bn-
eter der Berliner Künstierwelt, unter ilnuaMf ^ e ß-
ndant des Staats-SchrnlspielhaliseZ, Leistlingen der
er , der sich mit Begeisterung ubrr unter decken .out-
ruppe aussprach. M. UhÄ^chebräischeBühneinprache
irkung sich die Trup'^Zerlin eingetroften und wno
ckchaffen bahnst beiwohnen.
" ^ n Kayserlinq über den Internationalismus,
o „ n f c t I i it g g „Philosophie als Kunst" fin-
t 7-i die Frage warum die Juden in lern at 1 o-
SMnb Kayserling sucht die Frage kurz zu..klaren,
vm e''sagt: Internationalismus als Volksgel Innung
> < Vl, tmtq. Juden frommt sie insofern, als deren
starke völkische Sonderart dank dem Paraiiten-
n;u dem das Schicksal sie gebildet, die.Negation
^übrigen Voltsgrenzen verlangt. — Es nt anffal-
daß ein so feingeistiger Schriftiteller wie .xaicker-
g'das Judentum herabwürdigt.
Lublin.
Cin also überschriebener Artikel im Israelit" bc-
mt mit folgendem Satze: „Der Name L u b t u
tte schon in trüberen Jahrhunderten erneu bezam
rnden Klang in Deutschland " — „Bezaubernd nt
ckleicht doch etwas zu viel getagt.
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