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.Ki. 1 ^eite
Israeli Asches. . -
Igiiua« Ui27
Die'jüdische KuUusoersassung
in Frankreich.
Von Dr. M. Gilwburgee.
Als im Jahre 1905 in Frankreich die Trennung von
Kirche und- Staat durchgeführt wurde, da war es für die
französische Judenheit ein großer, Vorteil, daß sie seit fast
einem Jahrhundert bereits im Besitze einer großen Orga¬
nisation war. Denn nun brauchte das einigende
Band, wenn auch vielleicht in etwas anderer Form, nur
veidchalten .zu, werden,- wahrend die Gemeinden , ohne,
weiteres hie zu einem rechten Gedeihen unentbehrliche
Selbjtändkeit erlangten. Daher kommt es auch,
daß der Uebergang in die neuen Verhältnisse ohne Schwie-
rtgkett vo-Nftatten ging,' < .
Unter dem Konkordat,- d. h nach der Verfassung, wie
sie seit. Napoleon j. in-Gelrung gewesen.war, hatten die
Gemeinden keinerlei Rechte. -Sie waren in jeder Be¬
ziehung der Autorität derBezirtskonsistorien unterstellt»
wahreüd wiedermn mehr, oder weniger -vom Zen-
, calkonWorium abhängig waren. Darin trat nun in-
. sofern e-n; A nderung ein. daß an die Stelle der unfreien
Dciitktiidc?' mit dem. Bezirk^onfistorium als Verwaltunßs«
' neh.- 7 d>- nunmehr ein V e r band freier Gemei n -
den trut'mü einem aus der Mitte der ihnen äntzehören^
den Mrgliede. gewählten. Verwalt ungsmt. Diese Ver¬
bände he-flen A ss o c i ß t i <> n s' c a 1 t u e 1J e s, also
Km rusgernej ttschqsten. Sie können emo oder mchrere
Gemeinden., umfMen. Der Verum ttullgsMt (Oonseij- hat ..
, zs vch-MKKn. die - ZittaresfeN der
' „ ©einefnföTjaft' wahr'zunehmen> berdegflche'uttd'unbewegliche
-» Güter' zu erwerben und zu veräußern. '-Er .ernennt UM -
. enisatz! die Beamten. und^ Angestellten der Gemeinschaft,.'
' Er kann mit Zweidrittel-MehrheiCden A n^.s ch l ü>ß eines
Mitglieds vornehmen/ Däs. Gu'f a chf en des Rabbi;» 5
* ne r s- ist erforderlich für alle., Beschlüße, die sich auf reli--
.'giöfe Angelegenheiten beziehen Bei Meinungsverfchiede^-
.. ^-grU'tMch^oci.tze^ ZeumaLezdarrd der Mltußg-M-rn-
ichyfien.
Ans der Reichshauptstadt.
'Das jüdische Herz. Der bekannte jüdische Kabarett¬
leiter und Operettenkonrpontst Rudolf^Nelson, der
soeben sein LOjähriges Bühnenjubiläum feiern konnte, hat
in menschlich schöner Weise diese Feier'.zum' Anlaß genom¬
men. um zugunsten des in schwere Ledensnot geratenen
Ernst' v. Wo l zogen eigen Appell an die Oeffent-
lichkeit zu richten. Erfordert für diesen einst so Bejubel¬
ten, den eigentlichen Vater des Kabaretts, zur Samm¬
lung einer Ehrengabe auf. die er mit einer
pvrsonlichen Zei chnu ng eröffnet. — Wir
wollen zum besseren Verständnis der von uns gewählten
Spitzrnarke nur kurz erwähnen. daß Ernst v. Wvlzogen^
einst ein Liberaler Mann, sich nach 1918 stark hakenkreuz-
kerifch betätigt hat? ' -
Aus dem Weiche.
Hannover (G eneru l v e ijamra I u n g des O ft -'
j ü b i f che n V e r e.i n s.) Der O st f ü d i s ch e V e r e i n
Ha nnove r hielt kürzlich feine Generalversammlung ab.
Mit Genügtuung wurde f^tgestellt, daß in, bezug., auf
Hrm-enpfteg^ und WandKrarmeNfüfforge emo Be:s fä--
rung des BerlMltnrffes bei den^rN Fürge"kchAmenöM
Ge m e inäemjtzi ti?.iionpn -AN.verzeichnen ist,Beda ue St
aber,.daß die in"Hannover.wohnenden pom Ausländ zug'ö-
zogenen Juden noch nicht dgs allgemeine gleiche Watfi*
x ech t. innerhalb der Gemeinde genießen. . Fernerwütde
darüber geklagt,, daß die Mikwa dfr Ostjuden und die.
^almud-Thora-Schule durch pri v a t e D ei e in igun-
gen unterhalten werden muffen/ 'Nach Entlastung des
Vorstandes 'erstattete- Herr Joseph Pre iß.»Mi Wied des
Preußischen Landesverbandes jüdrstber Gemeinde'Nj,- Be
Müchestsns einmastim'Jahre MUS der'BerpaltunEt ^ 'über die Novembe,-Tqgunü in Byrttn. Eure-Vor
^ «.r,.«« •»+■<*«%&** nT * Ä " • standsueurvahl kam nicht, zustande,, weil die in Vorschlag
,Siche-
ängig
- oder guf Vorschlag von Mitgliedern, festgesetzte»Tagest
. ordnurrg. Gemäß Art. 19' des Gesetzes vom 9. Dezember
18vk> muß der Versammlung'ein Nechenlchafttzbericht vorr
gelegt werden. - . - '
Zur Wahrung der gemeinsamen' Jrrtereffen des Kul
und nm die Gründung, den Aortbestand und die
»iÄSiw 'TS: öBrsi WE Se..
d-e„e>,de„ EmrSchtimgen und Anstaltm »l crm°gl.ch°n. S lll'il
wurde ejn»- Union , 4 es Assotiatiöns- cultuelles isra^lites,
. ein Zent r äs verband der i s ra ell tifcheM
K u ltusgemei n f ch a'f t e-n gebildet. Er hat die Auf¬
gabe, für die Rekrutierung der Kul-tusbeamten zu sorgen,
. über deren: Unabhängigkeit und ^BÄrrde, zu wachen, .indem
er' ihnen angemessene (Sehälter uich Zulagen zukommon
läßt, er hat den Religioüsunterrlcht AÜ fördern,-die Ein-
- tracht, Zucht und Ordnung bei der Ausübung des Kultus
zu wahren und den Gemeinschaften beizustehen, deren
• Mittel nicht ausreichen. - ^.. )
" Die Gemeinschaften. entrichten dem Zentralverband ein
Zehntel ihrer ordentlichen
. Berwaitet iv.ir der -Zentvalverhand durch einen aus
Laienmitgliedern und Rabbinern zusammengesetzten Rah
. der die Bezeichnung „Gonslstoire zentral des/ Is.rafelites
rle Graupe" beibehielt. Die Laienmitglieder welchen von
he» Gemeinschaften auf acht Jahre gewählt. . Auf je 500
Wähler entfällt ein'Mitglied. Die Rabbiner werden von
den Laienmitgliedern aus einer von den Lehrern und frü¬
her« Schülern des Rabbinerfemittars . aufgestellten Liste
von 6 Kandidaten gewählt: In der Regel sind es drei
Rabbiner,, die dem Zentralkonststorium angehören.
Auch der Zentralverband (Union) hat alljährlich Min¬
destens. eine Generalversammlung einzuberufen. Diese
besteht aus den Delegierten der Kuttusgemelnfchaften.
Jede derselben wählt Mindestens einen Delegierten. Die¬
jenigen, die über 200 Wähler haben, können für je wei¬
tere 200 Wähler öder deren Bruchteil einen weiteren
- Delegierten wählen. Der Generalversammlung mutz
hauptsächlich ein Rechenschaftsbericht vorgelegt werden. —
Nach den Kartellwahlen vom 11. Mai 1924 wurde
der Versuch gemacht, die Trennung von Staat und Kirche
auch in dem annektierten Elsaß-Lothringen durchzüführen.
Dieser Versuch ist aber g^cheitert an dem Widerstande der
katholischen Geistlichkeit. Daß aber die Trennung früher
oder später in irgendeiner Weise dennoch kommen
wird, steht außer allem Zweifel. Deshalb wäre es
zweckmäßig, wenn die dortigen jüdischen Gemeinden schon
jetzt darauf hinwirken würden, daß eine Verbindung mit
der Union ries Association« cultuellös hergestellt werde.
Das chriMcheAmerikafür-ieOskja-e«.
Der von uns schon mitgeteilte Appelle des Generals
f -erfhing und der anderen Mitglieder des christlichen
omitees für Schaffung eines Fonds von 25 Mil¬
lionen Dollar zwecks Hilfe an die Jndenschaft
Osteuropas hat in ganz Amerikatzroßen An¬
klang gefunden. Aus allen Teilen Amerikas laufen
Spenden und Zustimmungserklärungen ein. Der Präsi-
.dent der ffeckera! Oin;rcbe« oi Chfist Dr. S. Parkes
Eadman und Richter Victor I. Dowling erklären in einer
Mitteilung an die Jüdische Telegraphen-Agentur, daß die
(von uns schon erwähnte) in der Kathedrale 5t. lobn the
Divine abgehaltene Kundgebung in ganz Amerika einen
starken Widerhall gefunden hat. Der Bewegung hat sich
auch der in den Vereinigten Staaten stark verbreitete
katholische Brüderorden „Knisirts of Columbus“
angeschlossen. Zustimmungsertlärungen liefen von vielen
anderen christlichen Organisationen und führenden kirch¬
lichen Persönlichkeiten ein. Auch W. Green, der Präsident
der American feckeration of I-adour, erklärte sich bereit,
die Kampagne mit allen Kräften zu stützen. Aus Kreisen
der Heilsarmee wird die Bewegung gefördert.
Charakteristisch ist eine Spende, die aus einem entlegenen
kanadischen Dorf eingelausen ist und die mit einer Be¬
merkung begleitet wurde: „Mein Scherflein zur Hilfe an
Inden und.,z^r Buße für die Sünden meiner Vorfahren."
Im New Porter Büro der Jüdischen Telegruphen-
Ägentur laufen unaufgefordert Spenden von christlicher
-Seite ein; so kam eine, Spende non 25 Dollar vom Bischof
Charles H. Brent, der in seinem Begleitschreiben die
besten Wünsche und die ^Ueberzeugung ausspricht, daß
Generech'Pershings Plan, 25 Millionen Dollar vom christ¬
lichen Amerika für Hilfe an Juden zu erhalten, verwirk¬
licht werden wird:
gebrachten.Hearev d(e»Annaänie ber^Wahl ..voy der Siche
rü.ng., eines. bestimmM- J^ahr'e sb'udg ef sWängik
machen,' Es witd ätzs^ diesem/Grunde in.Bälde eine zweite
,Versammlung stattfindeg. Der a.l k e P o r st a n d si ^ ^
bis dahin die Geschäfte weiter. Z ' . -
* Deksdem (Ge h e i.in. r a t, v.o n K (e m'p e r e r j. A.)
Geheimer KommerzfeNxai Generalkonsul Güstao von
.K l e mp.e r e r, der. in über.dreißigjähriger DirektioNs-
B a n k ent-
: fchlages im 75.. Lebensjahre. Welche Bedeutung dem
Schaffen dieses- bis zu letzte volkswirtschastjich. umfassend
tätig gewesenen Mannes, zukommt,'zeigte die außerordent¬
liche Beteiligung bei der Trauerfeier. - Von hervorragen¬
den Persönlichkeiten, die dem Verstorbenen die letzte Ehre
erwiesen, waren, in .der räumlich abermals, als unzu-
, reichend empfundenen Halle' des Dr'esj)ner'Kremcrtöriums..
' u.' a. erschienen: VolksbildüngsMinistsr Dr. Kaiser, Fi-
nanzminister Dr. Dchne> Kultusminister a. D. Exzellenz
Dr. D.- von Beck, die Ministerialdirektoren Dr.' Schulze,
Dr. Klietz und^Dr. Adolph, Oberbürgermeister Dr/Blüher,
Handeisfammervorstand Geheimrat Schleich. Galeriedirek-
tor Dr. P öf fe; Geheimer Bergrat Hilger, zahlreiche Mit--
glieder dös KöNsularkorps, der städtifcheri Kollegien, Per-,
tret'er hiesiger und auswärtiger Banrhäuser, des Handels,'
der WlffeNschaft und Kunst. Für die Jnduftriewelt, mit
der der Verstorbene als Vorsitzender und Mitglied des
Aufsichtsrates zahlreicher Aktiengesellschaften besonders
eng verbunden war, sprach Generaldirektor B a u s ch. Er
kennzeichnete den Verewigten als genia len Finanz-
org a rNsator^ deffen sympathische Männlichkeit auf die
erregtesten Gemüter beruhigend wirkte, dem Wahrheits¬
liebe, Pünktlichkeit, unermüdliche Schaffensfreude in b e i *
spielgebeNder 'Weise eigen waren. . Geheimrat
F r i sch von der Berliner Zentrale der Dresdner Bank,
für die zugleich Direktor G ui m a n n anwesend war, be¬
tonte in feinem Nachruf, daß es v. Klemperer verstanden
habe, der sächfischen I n d u st r i e e in F üh re r zu sein.
Einer der engsten Mitarbeiter. Direktor Konsul
R e i m e r, brachte zum Ausdruck, daß dem Dahingeschiede¬
nen Mel der Gesinnung und Lauterkeit des Handelns
jederzeit oberstes Gesetz gewesen sind. Der Verdienste, die
sich v. Klemperer um die akademische Jugend, als Ehren¬
senator, der Technischen Hochschule erworben hrt, gedachte
»ochschüldirektor Prof. Dr.-Jng. Müller. IN der
/rauerrede hob Rabbiner Dr. Wolf hervor, daß der
Entschlafene feine Tätigkeit als Dienst für die Menschen
und Pflichterfüllung gegenüber der Allgemeinheit aUfge-
saßt habe. Wohlwollen, Milde, innige Schlichtheit sei ihm
Richtschnur im Umgang mit Mitarbeitern, Angehörigen
und Freunden gewesen. Gleich hingebend habe er die
Werke der Wohltätigkeit gefördert. Dankerfüllt waren in
diesem Sinne die Worte, die von den am Sarge erschiene¬
nen Fahnenabordnungen der Vertreter des Oester¬
reich lschen Militärvereins sprach./ Einleitend
und am Schluß zeugten ein Adagio von Goldmark und
Bruchs „Kol nidrei“, von dem Meistercellisten Prof. Wille
gespielt, für die Liebe dss Verstorbenen zur Musik. .
Leipzig. (Aus dem Gemeindeleben.) Die
Ortsgruppo»Leipzig des ILdifchen Frauenbundes
und der Schwesternbund der L e i p z i g - L o g e U, O. B. B.
beabsichtigen, der planmäßigen Familienforschung
auch in Leipzig, wo sie bisher nur wenig gepflegt würde,
ein Arbeitsfeld zu sichern. Zur Vorbereitung dieser kul¬
turellen Arbeit wird am 9. Januar in der Leipzig-Loge
ein Vortragsnachmittag statffinden, auf dem Dr. A.
Ezellitzer (Berlin), Vorsitzender der Gesellschaft für
jüdische Familienforschung, über „Die Pflege .jüdischer
iamiliensorschung" sprechen wird. Die Gemeindever¬
waltung hat einen Aufruf erlassen, wonach Kolonial¬
warengeschäfte, die sich zum kommenden Pctzach erstmalig
unter R a b b i n a t s ä u f s i ch t stellen wollen, sich bis
zum 14. Januar melden müssen. — Das sächsische Arbeits¬
und Wohlfahrtsministerium hat auch die jüdischen
Or g a n i s a t i o n e n für Jugendpflege, Sport- und
Spielbetrieb aufgefordert, der rlnfall- und Haftpflichtver¬
sicherung beizutreten, die die Regierung mit den Ee-
meindeversicherungsverbänden Dresden und Leipzig ab¬
geschlossen hat.
Breslau. (Beisetzung der ältesten E i n w o h -
erin Breslaus.). Frau Berta Unger, die
älteste Einwohnerin Breslaus, die vorige Woche vefftarb,
wurde am Donnerstag nachmittag unter größerer Be- '
teilgung auf dem Israelitischen Friedhof in
Cosel beigesetzt. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr.
H e p p n e r. der ehrende Morte für die Greisin fand.
Beuthen. (A b s ch l n ß -e i ü e r v ö l t i.j ch e n He tz«
ajsäre.) ^ In -dem oberschlesischen Judustriedorf
Miechowitz wurde am-H. Juni ein republikanisch ge-"
sinnter Wachrmei/ter von einem Rationaj.
saztalisjeu, der soeben-einen arglosen Arbeiter an-
geschoffen batte und deswegen verhaftet werden sollte
- dürch Bauchschuß niedergestreckt. Der Täter eytleibte fich'.
aus der'weiteren Flucht selbst, ob mit Absicht oder infolge
eines Unglückssalles steht nicht fest. Von völkischer Seite
würde der Selbstmord und der vorhergehende-Totschlag
bestritten und.das Ganze dem Reichsbanner in die Schuhe
geschoben. Die Miechowi^r Reichsbannerleute.hätten sich
schon vorher immer den Vorwurf gefallen lassen müssen,
Judenschützer - zu sein. * Mas Wunder. . wenn die
B e u.1 h e n'e r n a t i.o n a t s o z r a l i st r s ch e O r't s-
g nippe ihre Mitglieder auffsrderte, an der Beerdigung
ihres von „jüdisch-marxistischem Reichsbannergesindel er^
mordeten Parteigenossen" teilzunehmen. Der „Völki-
fche Beobachter" berichtete- über die Ängelegenheil unter
der für jeden Wissenden vielsagenden Ueberschrift '„De t
R e i.chs b anner- Kähql an. der Ardei.ti" und
selbst eine veutschnqtionäle Zeitung in. Oberschlesien de?
stritt den Selbstmord des ookkischen.Totschlägers und be¬
hauptete, er sei vom'Reichsbanner im Verein mit den
Kommunisten ermordet worden und „a l s Opfer g e¬
mein e r jüdischer V o 1 k s v e r h e tz u n g" gefallen.
In der nunmehr erfolgten S ch w u l5g e r i ch t s -
verhandluug mußten sämtliche Reichsbannerleute
und Kommunisten f r e i g e s p r o ch e ü werden,. Der
chemische Befund der WuMränder hatte.mgch den Aus-
fWkürHeu. «ediziMchest Sach»ÄstävhHev däs
darcheiffsin Vvn PutverspUren^debeu, ZWtt^fej' d M
Annahme eines Seldstmb.rdes/moguch, ^ Mrer-, diesen Um
Wtü«n-'- konnte' .die., '..-ztvef -'dchttzrnde' BerhaNdsüng.
urätürkich auch nicht die geringste' Spür für - die ver¬
leumderische. Behauptung erbringen^ daß Judeu die
Tat angestiftet hätten. öÄr.-irgenmvie mit ihr überhaupt
in Zusümmenhäng'erbracht,^ Werden könnten.
Treysa. (I it b i l ä u m d e s" I s r u e ! i t i ? fb t* n *
F t of i {* n ve re i M.) Am 'M.-'Jänngt>kann :'mi
Israelitische Frnüen.ver^in, der sich.seit seiner Gründung
als gemeinnützige Eiurkchtung zu Wohkfahrtszw<.^n |£i-c
' iÄrge Arme undsolche-der'. nÄeren.Anhebung HMens
ewährte,--auf-'-v g \ ä hr rg k ^
.zürMbtic^n. Autz diesem Anlaß' ist- eine größere.
F e i e-r vorgesehen,"bes der Lehrer P l a-ü t in einer Fest- -
rede den Werdegang des Vereins schildern wird. -Mehre- ^
ren Damen, die f. Zt. den Verein begründen halfen und
die auch an der.Jubiläumsfeier'teilnehmen können, sind, -
besondere E h ru n g e n zugedachl -
Spangenberg. ' (A.u s b l ü h e n h e s- G e m e ind e-
l e b e n.) Nachdem die» hiesige Gemeinde einige Zeit hje
religiös-geistigs Führung "Entbehren mußte,' ist .durch die '-
Wahl des Lehrers U n-i k ow e-r aus Lauenburg. i. Pom.
einem schmerzlich empfundenen Zustand abgetzölsen wor->
den. Der Genannte hat sein Amt bereits angetreten, und
innerhalb der Gemeinde sind V e st r e b u n'g e n im
Gange,.durch vorläufige.Errichtung einer Privpt-EleMen-
tarlehrerstelle, die'mit der/zu erwarteyden^Zunahme:dcr .
Schülerzatzk in eine öffentliche ümgewandelt werden -
könnte, die Wiederherstellung dös ö f f e n t l i che n C h a -
räkters der Schute zu erreichen. Das Beispiel der
jüdischen Schüfe in Langenselbold, die ebenfalls einige
Zeit als aufgelöst galt und dann wieder ihren öffentlichen
Charakter erhielt, beweist, daß die Erwartungen; die, an
derartige Unternehmungen der Wiederherstellung früher
aufgelchter jüdischer Volksschulen geknüpft werden, Aus- .
sicht auf Verwirklichung haben können.
München. (Rabbiner Dr. Eh re nt reu ge¬
storben.) Am Sonntag nachmittag ist Rabbiner Dr.
Heinr. Ehrentreu verschieden. Der Heimgegangene
war zweiter Gemeinderabbiner der israelitischen Kultns-
tzemeinde und Wgleich Rabbiner der orthodoxen jüdischen
Gemeinde „Oher Jakob“ in München. Er war vor allem
ein ausgezeichneter Talmudgelehrter und genoß als solcher
Ruf und Autorität weit über Deutschlands Grenzen
hinaus. Seit sieben Jahren bekleidete er das Amt des
Rabbiners an der Gemeinde „Obel Jakob'V Mock vor
ungefähr zwei oder drei Jahren war än den Verstorbenen
der Ruf ergangen, als Nachfolger des berühmten Rektors
David Hoffmann die Leitung des RaWinerfemiyars in
B e'r l i n zu übernehmen. Ehrentreu lehnte jedoch wegen
feines hohen Alters — er erreichte ein Alter von fast
73 Jahren — diesen Ruf ab. — Mit Dr. E h r e n t r e ü
ist der Senior unter den deutschen Rabbinern dahin-
gegangen. Dem Eingeweihten kommt diese-Nachricht nicht
überraschend, da man schon seit einiger Zeit um sein Leben
bangte. Ein Mann von internationalem Ruf. Gelehrter
von überragender Bedeutung war Ehrentreü, eine Füyrer-
persönlichkeit. Ueber den Rahmen des Rabbinats der
Münchener Gemeinde „Obel Jakob" hinaus entfaltete
er eine segensreiche Wirksamkeit. Im r a b b i n i s ch e n
R a t der A g u d ä s J i s r o e 1 faß er zusammen mit Ober¬
rabbiner Dr. Lerner und dem jüngst verstorbenen Dr. S.
Bteuer, um die religiösen Fragen der in der Agudab
znsammengeschloffenen Orthodoxie milbeftimmend zu ent¬
scheiden. Sein Wort fand dort stets aufmerksame Be¬
achtung; denn man fcch in ihm trotz seines fest aus¬
geprägten Standpunktes das v e r f öch n e n d e E l e -
ment, erwartete mit Recht, daß es ihm gelingen werde,
die Gegensätze innerhalb der gesetzestreuen Judenheit aus-
zugleichen. Daß er Verständnis auch für abweichende
Meinungen hatte, bezeugte er bei Gründung der
A c h d u t h, bewies er durch, feine Beziehungen zum ver¬
storbenen Rabbiner der Münchener Hauptgememde Dr.
Werner und dessen Nachfolger Dr. Baerwald. Vor
allem aber ist seine wissenschaftliche Tätigkeit zu er¬
wähnen, die in den Jahrbüchern der Literari¬
schen Gesellschaft ihren Niederschlag gefunden hat.
Mit Spannung las man von Jahr zu Jahr feine „Tal¬
mud i sch e n Miszelle n", swo er sich als Meister der
halachifchen Schriftauslegung offenbarte. Umfassende Be¬
lesenheit im rabbinischen Schrifttum, peinlichste Akribie
bei der Entscheidung religionsgeschichtlicher Fragen, scharf¬
sinnige Erfassung talmudischer Probleme waren ihm zu
eigen. Daß er im Rahmen seiner Gemeinde, die ihn wie
einen Patriarchen verehrte, durch Wort und Tat wirkte,
daß er am Wähle jedes einzelnen Anteil nahm, versteht
sich bei einer Persönlichkeit wie Dr. Ehrentreu von selbst.
Man darf es ohne Uebertreibung aussprechen, daß die ge¬
samte gesetzestreue Judenheit ihn als Führer aner¬
kannte. Demut und Milde waren hervorstechende
Chavaktdreiaenschaften dieses Mannes, der wenn auch
in hohem Atter fodoch^ Mzufrüh- dahinging.- Seine.
S ö h n e. die von Jugend auf in den Jddglen des Vaters ~
heranwuchsen, haben Pch bereits auf wissenschaftlichen und
rabbinischen Gebieten mit Erfolg betätigt. Daß Dr.
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