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tüchtiger . Mann, er. ist auch ein trefflicher ..Ll^rakter.
Treuherzig, offen, schlicht, fröhlich und so voll schöüer.
gewinnender Mannehkraft . . ." ' . ' .. .
- ,7Aber er ist ein. Christ." stöhnte der tief'erschütterte
Mann. . ' ' . ' M ....
..Merkwürdig.- mir ist er nie wie ein Fremdlings er
. schienen. Ich bekenne eL offen, düst auch, ich über 'dieses
Gefühl leider noch nicht ganz hinausgewachsen bin. Io-
bald ich mit Andersgläubigen ^usgmmenkomMe, hast es
mich ihnen gegenüber oft wie scheu, und Zurückhaltung
befallt. Martin hat mir - nie solche Empfindungen ein-
geflöht. Er ist mir wie. ein längst Vertrauter, ein teurer
Freuüd.»dem ich rückhaltlos mich geben kann, und was
Uns den anderen gegenüber stoch zu kluge? ünd^befcheidener '-
Reserve zwingt, dast wir noch - nicht lange vltz' gleich¬
berechtigt Gunter ihnen, sehen, fällt hier fort, Niartin er-
-schei'nt mir' wie einer der Unstkgen." . s ' . .
„Was hhb' ich'von .erscheinen' er i st's doch nichts'
lämmerte der alte Mann, „und ich will's ckuch nicht den
ken, dast-,mein Kind, m/in einzig.Kind
'.Di; Verzweiflung des ftl&öepben ging ^'thm nahe,
aber.er hielt es .für richtiger, diese Zweifel mit einem
Mal zu lösen'und zu beseifrgen, und'.sagte deshalb: ' ,
' „Sie-. sprachen vorhin von der Li.tzbe im. Indem
haüs, wie es früher. war. Sie fragten .mich ob mein
- Väter und meine' Wuttsr sich nicht geliebt haben? Sie-
ahnten nicht, welche. Wstnde meines Herzens . Sie damit .
rauh berührt hatten. Sk« kennen die Geschichte Mblner'
Emanzipation
..Ehe.'gab.. 'So känsttck auch ich
dah ich kern .unrecht tue-, wenn' ich ' fnr Ihnen. .
kräftige ........ ... .
.der .Staat das. tat, was .Sie -heule tun. wollen/ dje
Einwilligung. vrrfagep, ..so. gab « ^ . Ver.irl.uug .und
Sünde im. fromnien. ehrbaren -Hause. meines' Großvaters.
Al- - dieser- * davon - erfuhr;' brach- .' er ^ zusaMfnem - Seim
Hochtek. vertiest. die ' Heimat -und güb dvühest .ich der
FreMde'.einem 'Knaben das Leben». Da's/Ktttd/ beo'efäer'.
Mischen Hebamme-'geboten',, die sich m^ solchen.- in jener .
Zeit der Knechtung- menschlichen Willens und'.menschlicher '
Triebe, nicht seltenen Fallen', beftlstte,* wurde" ' am ' achten'
„Das waren dio .Rätsel meiner Jugend und ihre
Schmerzen fügrv er mit leiser Stimme - hinzu. '
. „Meine Mutter hat sik erst'gelöst, als ich )u ihr kam,
ein gereifter Mann,'der die Wahrheit erfahren konnte,
der die Wahrheit verstand!" ‘ « *■ -‘
* ...Und von dein astdern?^ - / - :. '/•/•’
* „Haf man nie- etwas erfahren. Er ist -gewist elend
zugrunde gegangen an Heib und Seele, Darum hat Meine
Mutter nU wieder gefaM, und mein Vgter ist vor der
Zeit /ölt - geworden.".' *• ' . • * * ■
Mühselig hatte' Berger sich von seinem,Stuhl'erhöben.
. ' . .Das. war die Folge des unnatürlichen Gesetzes. Nur.
- der Staat - war schuld an dem Unglück. Eure .Mutter
.war gewih brav, und^dah Eüe^- Batex. ein . ordentlicher
Mann ist7 das sieht man cm dem Söhn/! suchte er ihm
freundliche Worte zu geben/ „aber sie waren jung ."
„Und'die ändern s i n d jung. Herr Berger, heut' ."-
Seine- Stimme Hütte sich erhoben. Warrnnd sind be¬
schwörend klang sein 'Ausruf.. Erschüttert stand Jakob.
Berger vor ihm,' .Zitternd und -bebend, - ass hätte ekn-
Weckruf ihn aüfgerütlelt^alls dumpfem-Schlummer, ,als-
wäre" ein chrelles Laicht. IW das* Dunkel seiner Borurteila
gefallen. . ' '''
„Aber. was . soll 'gesckrehen?" stöhnte er. - '- .
' - „Das läßt sich rm- AugenhUck nicht bestimmen?"
. . * „Soll meine Recha-, mein einzig'. Kind, sich. . taufen?"
Ein Schauer überlief seinen. Körper bei dem Gedanken» .
'dast.feine.Tochter- getauft, werden könnte.. ■ ; -
ad* ’ -Mgr«fen. in-".dis- "He-rzenscknäeltzgenheit ..Ihrer - Töchter.
.:?/*;. Lassen -(^ie. der; Sabbath-irj Ruhe und..ff-rleden aus diesem '
Hause ziehen..- heut, wie .-immer, . damit- er in, Oreilden-
wiederkehre." ' / . '. .
'Berger winfte-zlsttimmknd" Mit der-Hand) Er '-ver¬
mochte' kein Wort , hervorzubriügen-und. machte nur' noch
- eine verckbschiedenve.'Gebärde. -. - '
7 Als'hierau.f der Fürsprecher-seines Kindes ihn wer?
lassen' hakte, stand er. lange unbeweglich auf einem Flecke
-ünh 'blickt'.^nachdenklich'/ or sich' Hrn7 kuonch üspelie er
hälblyut. wn'. aus wirrem Ideennang sich' zur 'Wirklichkeit.
zucückftndehd: .'. . - .7 ' ' *-
wird/bald Zeit sein, Mmcha ^u. beten.".
*■*
*
die Schulweisheit unserer Talmudgelehrten sich- trän
m-en .ließ.". - ' .
', /. - Ein feines. Lächeln. zuckte' durch seine' Augen', ältz er
Hamlets Worfö auf die.Iud'en.der Gaffe anwestdete. '.
.'- „Lea kehrte' dann, nach Häufe zurüch siech- und- g.e--
trochen. Dem Büter .aber waren alle Ereignisse, die vor
einer Erkrankung/lagen,' völlig ' entschwunden-.' er' wär
chwachsinnig - geworden/ Und als. dann, endlich , kurz, vor
einem -Tode Kobele Stern und Lea sich heiraten dursten/
M ging dies vbnt jede Einwirkung an ihm., vorüber.
Kobele Stetn und Lea träten in ihre Ehe —. ein ver-,
bittertes, .gramaebeugtes Paar, mit herben- Selbstklägen
sich auälend. --Körperlich welk, . müde, .reizlos das früh
verblühts/Weib . krüftlös, gebrochen, .abgearbeitet, un¬
froh der MaNn.' Ich - bin. die . Frucht- dieser Ehe.. Und
wenn-ich trotz meiner Gebrechlichkeit ihnen auch Freude
hätte bereiten - können.sie gönnten es sich -Nicht, sie
wagten 'es nicht,' 'ihres Kmhes-sich- zu"-freuen, destn sie'
gedachten stets- des-. anderen' - des mt Elend / ver¬
lassenen!". . ; '» - '
Jakob. Berget fast da, die Hände auf den Tisch'ge¬
stützt und lauscht; in - atemloser Spannung.. -Nur hie -
und-da gab er in leisem AufstöMen sin. "Lebenszeichen
von -sich.» Und -dann, -ohne' ein Wart zu. sagen, ergriff
er. die Rechte des Erzählenden ynd drückte sie teilnahms-^
voll. - Däs weckte' diesen äus augenblicklicher - Versunken/
heit.. - Die - Erinnermgem seiner - Kmdheit .hatten ihn doch
ühermäyNt: .
r -Wie richtig Frau' Marjam Recha beurlellt hattet
zeigte. sich, sn dem, .was zwischen ihnen /sich abfpielte^
nachdem. S.tern.die.'Veranda verlassen, hatte,. ^ ,
* . Liebevoll" hatte - die treue Freustdm das junge. Ge¬
schöpf'. ast. sich-' gezogen-. und les. -zu .beruhigen gesucht. ' Sle
sprach kein-Wort dabei, ^aber. sie. ließ das erregte Mädchen
sich °an'ihrem Hälse .auswemeN, hielt sie<sanft umschlun¬
gen und streichelte" nur-feffe*ihr weiches Haar.» .Allmählich
'oesKnftigte sich sw Rechas -'Aufregung,. > .si 7'.
Das Schluchzen'liest nach,- und wie in'Erschöpfung
nach dem heftigen Ansturm ihrer .Gefühle liest sie sich
niedergleiten aus einen niedrigen . Schemel..zu - Marjams
Füsten und harg den Kopf in ihrem Schoh.
. ^Rechä. .mein. Liebling!" kläng es.' gütig an ihr: L)hr.-
Sie verharrte.in stummem Schmerz..
„Willst du dich mir . anverträusn?. Mir,- deiner besten,
treuesten/Freundinr- Du weißt, Vast ich dich- liebe wie
eine Mutter ihr Kind .... /"' . . - 7 - '. . . - ,
Sie hob eig' wenig den Kopf empor, aber noch hielt
sie das Gesicht geneigt wie -in Scheu und Hual. als ver¬
möchte-. sie nicht; sie änzublicken. . . . . /
„Und.wenn es. dir schwer fällt zu reden.- darf. ich
das erste Wort an dich richten? . Melseicht' befreit es
deine Seele, und löst deine Zunge." 7 .
- Bejahend. nickte Äecha- mit- dem 'Köpf, :aber zaghaft
und. schüchtern; als- fürchte sie, - ihr Geheimnis .preis¬
gegeben zu .sehen. Marjam sah nachdenklich' auf W hin¬
ab,' dann, -wie.ist- raschem Entschlüsse, - sagte sie:. „Du
siebst,' Recha? Du liebst-Martin Krummbacher!"
Sie "fuhr : zusammen'in -jähem Erschrecken- Als wche
e- etwas Neues, llnerwckrtetes, ..was vor - sie ' hintrat^
und was sie im engen. Herzensschrejn bisher gehütet hatte