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' cH’* beit Jammer über uns gebracht, deren Merk imjer Unglück
; und meine.jetzige Berlafsenheft war." Zu unmenschlich, hiinmel-
fchreiend war ihre'Tat. als haß'ich bei aller Frömmigkeit,
5 GotteS Willen darin hätte'erblichen füllen/ Der Allgütige und
'« Allgerechte konnte es nicht gewollt -, haben,? daß mein un-
schuldiger Bruder durch'Mördershand um» sein junges Heben
komme, daß der unheilvolle Eindruck'dessen he» zweiten aus
- deri Heimat treibe, vielleicht auf böse Wege, daß' m eine tugend¬
hafte/'engelsgute Mutter vor- Gram" vergehe, mein geliebter
Vater'der gottesfürchtigste Mann, eine Leuchte der heiligen
' Thora' seine letzten Lebensjahre m Armut,- in körperlichen Ent¬
behrungen und seelischem' Kummer dahinsieche und' vorzeitig
in den Tod gehe, daß zuletzt ich, der ich mich auch für keinen
. großen Sünder halten konnte, alle die verliere und betrauere,
’ die meinem Herzen so nabe standen Nicht Gott, der Ewige,
Mächtige und Gütige hatte seine Geschöpfe, "die ihm dienten,
ihn verehrten und nach seinen Geböten lebten, so schwer heim-
gesucht, sondern die Menschen! -
Ich fühlte, daß eine bodenlose Kluft mich pon jenen Men¬
schen, von ihrem ganzen Stamme trennt — nicht ein Abstand
wie er einst in meinen Chederjahren sich dem kindlichen Geiste
darstellte, sondern ein unüberbrückbarer Abgrund, ungefüllt- mit
Blut und Tränen. Ich war auch fest überzeugt, daß ihre
Missetat die verdiente Vergeltung finden werde.
Gott hat uns den freien Willen für Gutes und Böses ge¬
geben, aber Lohn und Strafe hat er sich Vorbehalten.
Nachdem mein teurer Vater unter dem Geleite der ganzen
Gemeinde zu Grabe getragen war und die vorgefchriebenen
sieben Trauertage vorübergegangen, verließ ich meine Geburts¬
stadt für immer. Nichts nahm ich mit als die Erinnerung an
die Lieben, die nun im Vereine mit der heiligen Lehre mein
Herz ausfüllte. ' Auch der Bruder hatte feinen Platz darin, ich
durfte nur Nicht an ihn schreiben, doch ihn zu lieben, stets
feiner zu gedenken, das hatte der Vater nicht verboten. Und
das Geschick' erleichterte mir den Gehorsam. Ich kam nie in
die Versuchung, das dem Dahingeschiedenen geleistete Gelöbnis
zu brechen, denn nie wieder drang eine Nachricht von dem
Ausgewanderten zu mir. Es konnte auch bei den damaligen
Verkehrsverhaltnisfen kaum geschehen. Ueberdies wußte er
weinen Aufenthalt nicht. Als ich nach vielen, vielen Jahren,
Hk-
Ereignis rjij- mich ans.dieser Welt der Meisherf und
,• ite* -THnnte'^-- mVtötttbfcein.Sohn"geS-ren.' >; .•*„
Frau und'Schwiegeretto'rn waten poll FroNdL. nür'mem "
Herz ' drückte 'ahnüllgsoölle Bangkgke.it/ Beim Anblick des,
winzigen Geschöpfes erstieg mir unwillkürlich die Erinnerung '
an den. vervUrteten.Toten,, an den umherirrenden Lebenden,*
-an meine ganze unglückliche Familie; mir bäuchte, die heraus-,
fordernden,'brutalen'Gestalten "der Mörder uyd Räuber üin-.'
geben^die Wiege-meines Kindes und ihre tückischen, boshaften.
Blicke schienen zü sagen: so» lange du klein bist, verhöhnen,
' schimpfen üyd' stoßen wir. dich nur, aber sobald du groß ge¬
worden, saugen mir dir das Herzblut aus. In unaussprechlicher
Angst " preßte ich den Kleinen, wie bergend und schützend an
meine Brust.. /Siehst du, dem.Mann-ist ein echter Talmud
diacham 4 , sagte stachher der Schwiegervater zu.meiner . Frau,»-
-,er freut sich mit dem Kinde stumm, ohne Worte, damit'das.
. Glück Nicht in Trauer verwandelt werde.' wie geschrieben steht.'.
Ich aber.fand keine Worte,' weil dumpfes Weh- mich folterte
und Mich lange, lange nicht-zur Rühe kommenHieß. • \ ;
Meine Schwiegereltern stammten aus einem fünfzehn
Meilen von ihrem damaligen Aufenthaltsorte entfernten
Städtchen. Sie lebten jedoch feit mehr als zwanzig Jahren
in dem Dorfe, wo ihre Kinder alle geboren wurden. Bieder
und gut, wie sie waren, kamen sie nicht nur mit den Bauern,
sondern auch mit dem .gnädigen Herrn', d. h. dem Gulseigen-
tümer. vortrefflich aus. Nur der Herr .Mandator' fand an
ihnen zu tadeln und zu mäkeln, so oft er Geld brauchte, um
in der nächsten Stadt einige lustige Tage verleben zu können.
Fünfzig polnische Gulden, ein Schock Eier, zwei Ganse, drei
Hühner und ein Topf Honig öffneten jedoch dem Gestrengen
jedesmal die Augeck Hür alle Tugenden meines Schwieger¬
vaters.
Da geschah es. etwa fünf Jahre nach meiner Verheiratung,
daß die ganze Familie'zur Hochzeit eines Verwandten in das
benachbarte Dorf fuhr.
fon fei.
In das stille Dorf, zu meinen Schwiegereltern und zu meiner
Frau zurückgekehrt, vergrub ich mich in die großen Folianten,
studierte Tag ünd Nacht und vergaß — oder besier gesagt^
lernte gar nicht kennen — die Welt in Nah und Ferne. Der
Schwiegervater war mehr fromm als gelehrt, war stolz auf
mich, auf mein großes Wißen; er verlangte nichts weiter von
mir, als daß ich fein Haus durch Thora-Studium heilige und
ehre. Arbeiten, verdienen, für meine Bedürfnisse sorgen, wollte
er ganz allein. Wenn ich mit ihm für hohe'Feiertage zu dem
berühmten Rabbi Meier reiste und dort in den Nachtisch-
Gesprächen, die selbstverständlich einzig und allein Religion
und Schrifttum zum Gegenstände hatten, meine Gelehrsamkeit
und den Scharfsinn in der Auslegung glänzen ließ, fühlte er
sich durch die Bewunderung seitens der Gäste und das Lob des
Rabbi, die seinem Eidam gatten, mehr als königlich belohnt.
Unbekümmert um des Lebens Notdurft, unbehelligt von klein¬
lichen Sorgen, lebte ich in anderen Zeiten und Welten. Ich
pflegte innigen, vertrauten Verkehr nnt den leuchtenden Ge¬
stalten unserer Ahnen, ich durchwandelte mit ihnen die Stätten,
wo ihre glorreichen Taten sich abgespielt, wo sie ihr Volk zu
Große und Ruhm geführt; aber auch die Orte der Trauer, der
Zerstörung, des jammervollen Falles. Ich wußte den kleinsten
Paragraphen aus der Gesetzgebung Mosis, samt allen Erläute¬
rungen und Anwendungen mit einer Genauigkeit, wie kein
moderner Ooetor juris den Codex seines Landes. Doch nicht
nur Gesetze des Rechtes gaben uns unsere unvergleichlichen
Meister, sie hinterließen uns Gesetze des Lebens überhaupt, und
ihre erhabenen Lehren sind gleichsam gesprochene und gedruckte
Erziehungsanstalten für Väter und Mutter, für Greife und
Kinder, Toren und Weise, für kleine und große Menschen, in
allen Lagen des Lebens. Mein ziemlich verwahrlostes Aeußere
und mehr als linkisches Benehmen ließen kaum ahnen, daß mir
die subtilsten Satzui^en der Hygiene sowohl als des feinen
Tones wohl bekannt waren/ Ich schöpfte sie aus dem Urquell
aller internen Lehrbücher dieser Art: aus Thora und Talmud.
Es war im Winter, in der Weihnachtswoche. In dem Hoch¬
zeitsjubel vergaß mein Schwiegervater dem Herrn Mandator
die üblichen Geschenke, vor allem, schöne, große Fische für die.
Feiertage zu überreichen. Schon auf der Rückreise ward er sich'
des Verjäumnisies bewußt, und tätlicher Schrecken befiel ihn
bei dem Gedanken an die möglichen Folgen.
Seine schlimmsten Befürchtungen sollten übertroffen werden!
Ohne auch nur eine Entschuldigung, oder auch nur ein Wort
der Bijte anzuhören, erließ der ergrimmte Machthaber den Be¬
fehl, daß die ganze Familie, als nicht im Dorfe gebürtig, nach
ihrer .Heimat', abgejchoben werde.
Da half kein Flehen, kein Weinen — zum Uebermaß des
Unglücks war der Gutsherr abwesend, so daß seine eventuelle
Fürsprache auch wegfiel —, wir schlossen die Wirts- und Wohn¬
stube, und eskortiert von einem stämmigen Bauer Mit strenger
Miene und wuchtigem Knüttel, mußten wir aus dem Dorfe
ziehen.
Die Weiber rangen verzweiklungsvoll die Hände, der
Schwiegervater, voll Sorge uttb Zorn, zermarterte sein Hirn
mit Gedanken der Abhilfe, mit Plänen für die allernächste Zu¬
kunft, das hieß soviel wie für den nächsten Tag. Aller not¬
wendigen Einrichtungsstücke verlustig, ohne Aussicht, im harten
Winter eine Beschäftigung oder auch nur Unterkunft für sich
und die Familie finden zu können, befaß er nur eine kleine
Barsumme, den Sparpfennig vierjähriger Arbeit. Welchem
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Schicksal ging man entgegen'
Ich verfiel in dumpfe Resignation. Ich dachte wst: bet
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Schlag kam wieder von .denen', wie gewichnlich. Warum sich
wundern oder verzweifelt tun? Müssen wir nicht jeden Tag,
jede Stunde auf derartiges gefaßt fein? Käme es von Gott,
wir könnten es abwenden durch Frönnniakeit, Wohltun, Bitten
und Beten! Uns aber verfolgen und schädigen Menschen, die
Macht und bösen Willen dazu haben. Was vermögen wir da¬
gegen? Nichts! So sollen wir denn leiden, lchne zu jammern.
Alle glaubten fest an Gottes Fügung in dem Irrten Schicksals-
fchlage, nur ich konnte es Nicht, genau wie einst am Sterbe¬
bett des Vaters. Zu tief wurzelte die lleberzeugung von
Gottes Gerechtigkeit und Güte in meinem Herzen, als daß ich
ihm willkürliche Bosheit zuzumuten vermocht hätte.
(Fortsetzung folgt.)
Vofntwortlicfaer Redakteur: Dr. Heinz Caspar!. Druck «nd. Verlag M.J
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