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Nr. 1 7. Iauuirr 1932
(Gebieten luubtiger ’af;c 11 1Titi)ci Belangung jiuDen wir
(eine lutuirtien Personlittikeiien wehr Hub die wenigen,
die noch oa )tnt>, die „och in irgendeinem V^ittfel ihre
Vir beit na On- Vaterland verrichte» dürfe», werde» »ach
de»> dewubrte» Plane aujs itoru genommen, eingeschüch-
leri and verwirrt. t nun et um das deutsche 'Keift) durch
die Vlu-merzung der Puden aus der vorderste» ,>rottt aus
alle» (Kebieten seiner Betatigung eine Kette ^ von
Eriolgen pi verzeichne»'' Hat der Wirtschaftsausschuß,
der unter dein Porsiß des Reichspräsidenten tagte, weil
keine Puden i» ihm gesessen haben, die Wirtschaft besser
nnueren könne»'' Die fragen ilelle». beißt sie beanl-
morien.
Vlür wolle» h)iei m dein Vlugenblirke. in welchem die
aniiieinitische Vlgitaiio» die liorinte (Kreuze ibret Vdirksam
keil erreicht zu babe» 1 1itetnt. ein o| jenes Wort in aller
Cenentlicbfeit wagen. Viicuuinb, der Deutschland wirkIich
liebt, der da- Pate, ln»d über b"' Parieidoktrin stellt, wird
beb äugten wollen, dag die onentüttien "Angelegenheiten
besser verwaltet iverden. seitdem alle Bezirke uusete-
aiientlichen Hebens jndenrein gemacht worden sind.^ Mag
die anusemiiische Flui »»-.- überspülen, mag der (Gegner
an- noch io scharf patten, wir können die Wahrheit nicht
uiiterdrutteii, dag j ü d i s ch e Energie, \ ii b i | ch e B e -
„ a b u ,, g b e in iV a n d e a » s viel e n (K e b i e t e n
Ji ugl , tti e h u t t e lei st e n f o n n e n , und dag der
Anlisemitismu- es war und ist. der diese Leistungen un¬
möglich macht
Und notti etwa-,, ist er-, wa- wir in dieser stunde gegei'.
iin- selbst bekennen müssen. Als wir anfingen, vor dem
Gegner ,u weiche», weil wir glaubten, so seiner Propa¬
ganda am beste,, die Waise» entwinden zu können, waren
'wir alle in einem schweren Prrlum besangen. De r Geg-
rer Ii a t i i rfi u nt u nser J u r ii tt tu e i tti e n nicht
g e k ii m m ert , er bat nicht aufgebort, seine Pfeile ab-
zailbießen, and wenn er dort, wo er sie suchte, beim besten
'Hüllen feine Di den finden konnte, begann er, um sich die
Waste gebrauchsfähig zu erbalten, gilben ,zu ersinden.
Familien, die seit Pabrbunder len dem Pudentum^ nicht
angeboren, wurden nach wie vor als waschechte N uiben
plakatiert, und langte auch dieser "Portal nicht mebr, dann
stürzte man sich aus jüdisch klingende ".Kameit. ohne lange
zu überlegen, ob der '.Käme auch südisttie Menschen bettle.
Po bat und die Erfahrung gelehrt, dasz das zunächst
freiwillige und dann gezwungene Perlassen der Front den
Gegner nicht entwassnet, und selbst aber aiiszerordeiitlich
geschadet bat. VEir haben und geschadet, aber auch unserem
deutschen Paterland ist schaden erwachsen. Vluo dieser Er-
kenntni- musz. mögen die Rachteile auch noch grofz sein,
die Folgerung gezogen werden, dasz VI u d b a r r e n
Pflicht g e g e n u n d u n d P f licht g e g cn b i e
deutsch e' VI 1 1 ,q e m e i n b e i t ist. Die antisemitische
Pewegttng wird ihre .Köcher mit Pfeilen immer wieder
füllen', gleichviel, ob sie sur die Waisen Zielpunkte bat
oder nicht. Und weil eine zwolssöbrige Erfahrung uns
bewiesen bat, dasz ed io ist, müssen wir um unseretwillen
und um ded V'nnbee willen Pchluß machen mit unserer
sreiwilligen Perbannung, und wir miissen wieder alled,
wad wir können, einseßen, der Vlllgemeinbeit zu nützen,
mögen die "Motive nniered handelnd noch sehr miszdeutet
werden Leo Kreindter, Berlin
mt Jude« in dev ssutsrnsu^iruV
Georg Hermann als Redner bei der zweiten religiösen
Veranstaltung der Berliner Jüdischen Gemeinde
Für den am ö. Panuar in P e r ! i n ; n der Siinagoge
Prinzregentenstrasze abgebaltenen zweiten religiösen Por¬
trag dtesed VBinters war ed der Jüdischen Gemeinde ge¬
lungen, den Dichter Georg b e r in a n n zu gewinnen,
ccine besondere Berechtigung, über die Frage des Vlnteild
der Puden an der deutschen Stultur zu sprechen, liesz von
vornherein einen za ttreichen Besuch erwarten. Diese Er-
wartung wurde jedoch übertrossen, denn die 25>no Personen
fassende Synagoge Prinzregentenstrasze war bid auf den
letzten Platz gefüllt.
Georg Hermann zeigte in seinem Portrage, wie be¬
deutend der Vtntei! der Puden an der kulturellen Entwick¬
lung in Deutschland ist, viele bervorragende Dichter, un-
zähiige Gründer, baden die deutschen Puden dem "Bater-
lande zur Perfügung gestellt. Die Pormürfe von der
Gegenseite, dasz die Puden der eigenen Schöpfungskraft
ermangeln und nur als Wegebereiter für das Genre sich
betätigen, konnte der Portragende an zahlreichen Bei¬
spielen widerlegen. Vlber selbst das. was jüdische Geister
in bezug auf die Popularisierung hervorragender Kultur¬
träger geschaffen haben, bedeute eine Bereicherung der
Kultur. habe diesen Geistern erst die Bahn freigemacht, aus
welcher ihre rxchöpsungen der Vlllgemeinbeit zugute kom-
nten formten. Bor dem Kriege sei die Lage der Puden in
Deutschland weit weniger bedrückend gewesen aü in der
Gegen wart Vinnen ihnen auch manche üebntiible ruf den
llnineüitciten verschlossen, konnten sie auch zu den Vlemtern
des -taates und des Heeres keinen Zugang finden, so
waren sie doch immerbin in ihren kulturellen
V e i st u n g e n nicht behindert. Erst der Rachkriegs-
zeit sei e- Vorbehalten geblieben, den VUert einer Schöp¬
fung danach zu bemessen, ob ihr Perfasser blonde oder
schwarze Haare habe. Pede .Kultur sei Ürner Viatur nach
übernational, große kuliurelle Leistlingen, die Schöp¬
fungen groszer .Künstler und Schriftsteller seien Gemeingut
aller ".Kationen geworden, wiewohl sie aus dem Boden
eine* bestimmten Volke- erwachsen seien. Das Pudentum
habe der VlKüt grosze "Musiker und "Raturforscher geschenkt,
und die VBelt habe die Leistungen dieser Puden dankbar
angenommen. Vluch die Puden, die für bfe Freiheit des
"Menschengeittilechtes gekämpft haben, haben kulturelle
Heistimgen vollbrachi. Denn in VBabrbeit bleibt >uiltur
das drehen, das "Sehen eine- jeden einzelnen "Menschen
zu nericbonen und zu uereöcln, ihm den Platz, den er in der
Welt entnehme, wohnlicher zu gestalten Deshalb seien
auch Kultur und Zivilisation nichi unbedingt zu trennen.
Vluo Zivilisation werde in ihrer Portsetzung Kultur und
Kultur ohne Zivilisation sei ein leerer "Begriff. VIn der
reichbliibenden deutschen .Kultur haben die Puden mehr
nie- ihren prozentualen Vlnteil, und wer sitti denn entgegen¬
stelle, der wolle die maulen der deulschen Kultur i'ieder-
r eijzen
^ D>n VKnlrag wurde diiitti Darbietungen der Üboie- der
^onagoge Pr'.nzregentenslrasze unter Leitung de- Diri¬
genten B opi umrahmt. VI» oer Drgel wirkte der Drga-
nijt it i p e" Po,, den "Mi!glledern de- liiemeindevor-
standeö batten aus d>>r Vünstandobank der VKmsiizendo Dr.
B l i e in a n n , Herr Vlülbeltn (ü r a e !z und Herr ".Üi'oritz
P a s e n t b a l Platz genommen. Unter den Zuhörern be
merite man viel, beroo riagende Persönlichkeiten dev
Berliner jüdischen Ueben-,
mufHnt Tagungen mt Zatzveswende
MRlHM) »W »Utt99* ;W»W«
»MtnWM
Vünn VI. bi- V7. ?ezember 1931 fand i P uIda der
ix. Bttndeotag der > a ü P. Vl vereinigten gesetzeotreuen
jüdischen Vlkademiter i '! Trotz der wirtschaftlichen "Pot¬
lage batte sich ein ai sicher Kreio zusamw.engefurtden,
um die Gesaiiitsii-ati der gesetzedtreuen Vlkademiker-
schafl zu klären.
Der Bundestag chui e .urch eine offizielle Gröffnungv-
feier eingeleitet. "Bund, . > istdenl Dr. P o s e o b Ster n,
"Üerlin, führte auo, der K- >d habe gerade ir Zeiten der
"Ji'ot vitale "Aufgaben zu e tüllen. Go folgten Begrüsznngö-
aiijprachen deo Vlltei-präoemüen ".Kabbtner Dr. VB e t n-
berg, Begerroburg, de- Provin,ialrabbin.r-' Dr. V.
G a b n , Hulda, und von D e r z namens aer jüdischen
Gemeinde Hulda. Vll- Benioier der gesetze-ireuen Stu¬
denten der baltischen üändm^ entbot Heu Golop-
schiner-Viiga in bebraüchm -prache deren -riifze.
Den wissenschaftlichen -Teil tu - "Abends btld e ein Bor-
irag des Rabbiners Dr. Vlleraader Vl I t m a i n , Berlin,
über das im VRittelpunkt m religiösen Problematik
gebende Thema. ,.D a s c i in t t o b lern d ' r reli-
giösen Handlung" Un'm Zugrundelegung der
phäiiomenoiogischen Rietbode eniwickelte der "Bedner zu¬
nächst die Unterscheidung der bei. Begriffe ,,cinu“ und
„Bedeutung", und setzte sich mit de miuptnertr.’t.'in dieser
Horschungsmetbode sPiaimoiüdes, P.'buda, Haieri, Pbila.
S. R' Hirjchf auseinander und wannte sich in. Hauptteil
dem Problem des „Sinns" der re aiösen HrnUung zu.
Der folgende Tag war dem Tbc a „D a s j i d i > ch e
Bild u n g s i d e a l" gewidmet, ,,'oer das Ptudieir-
direktor Dr. ".Markus Glias-Hrair. art referieire. Ge¬
rade in Zeiten der Resignation und dm tzulturkriuk sei es
die Vlufgabe des jüdisttfen BildungSioeals. bin,! wert-
bestimmte Erfüllung mit der Üultur dn Umwelt zu Lei¬
stungen in VBelt und Heben fähig zu ina.ae,;. Sie geistige,
gesellschaftliche und politische Hage der Gogenwart rwinge
uns. auf allen Gebieten der Gultur uns zu lethtiem.
Pn einem Korreferat entwickelte Stumeinssessai Riar
H e u ch t w a n g e r - Diez a. d. Kahn du Prahl, mlage.
lliiter "Berwertung der Gestaltpsiichologie zeigte er die
Problematik der Präge, die durch die europaisqe B iltur-
krüe noch verschärft werde. "Aus der jüdischenTtte 'lichte
eine Entscheidung abzuleiten, sei nicht möglitti D.anoch
müsse, wenn auch ohne strenge Begründung, los Punzip
„Thora im Derech Erez" weiterhin der VBeg de derii!cheit
Örtbadoräe bleiben.
Der Hreitag-Vlbend versammelte die Teilehmm zu
einem balachischen Referat von "Rabbiner D. T,.vid
E a r l e b a ch - ö 1 11 . Samstagabend fand unte Heuung
von R.-Vl. Dr. Posef B l i b a n s k i - Prankfurt i "M ein
geselliger Hestabend statt. j
Der Sonntag war den geschäftlichen Beraln^en Zze-
widmet. Es wurde beschlossen, die gemesnsame wissen¬
schaftliche Vlibei 1 der "Bundesvereinigungen durch Gippen-
taguirgen zu fördern. Eine eingebeirde Erörterut fand
die Präge, in welcher "Meise die kboratreuen otubennnen
an der Vlrbeit im Bunde beteiligt werden konntei
gelangte eine Lut!chli.cszung zur A, t nä lz :t: e, - Hü e t sse 'D" ra
ziebung der Studentinnen zu den wisseichaftlichen und
geselligen Peranstaltungen in erbohtem K'aße fordert.
Die Tatsache, dasz im Vluslande sich versckedene Vlkade-
miker-Pereinigungen mit den gleichen Tendnzen gebildet
haben, gab "Beranlassung, zu der Präge Stellung zu
nehmen, in welchen Pormen sich in Zulun die Pflege
gemeinsamer geistiger Interessen vollziehen j'le.
Die "Mahlen zum Bundespräsidenten bat» folgendes
Eigebnisz Dr. Posepb Stern, Präsident, Sninardozent
Rabbiner Dr. VRoses VI u e r b a ch , Rabbine Dr. Vller-
ander VI I t m a n n ^ Rechtsanwalt Dr. VllfredVU jener.
Dr. med. H e v p , Studienrat Dr. Harrp Vl b und cancl.
phi 1. Ri. VR a tz n e r, ürmtlich in Berlin.
Tagung des ZroedmeftdeuMen
Raddlneeveedandos
Vlm 2*. und 29. Dezember fand in VB a n d o e k die
fünfte Tagung des Rordweftdeutschen Rabbiner.rbandes
statt. Die Tagung stand unter der Heilung von abbiner
B a m berget und wurde seitens des Gemeindev siandes
zugleich auch für den Perband der Gemeinden Sleswig-
Holsteiiis und der Hansestädte von Herrn "Bei t b etgriifjt.
Darauf hielt Handesrabbiner d e H a a s - Oldenlrg ein
Referat über „Puda und Tamar". Diese oft als r'stöfzig
empfundene Erzählung verstand der Redner so z inter¬
pretieren, dasz ihr wahrer Sinn klargestellt wurde tp ihre
Stellung im Plan unb in der "Anlage des ersten bora-
buches deutlich bervortral. Pn der anschlieszende Dis¬
kussion ivurde die Stellung der Tradition zu diese sza-
pitel eingehend von verschiedener Seite behandelt, rrauf
berichtete Handesrabbiner Dr. G ä r t n e r - Braun.weig
über den gegenwärtigen Stand der Septuaginta-Por>ung,
der ersten griechischen Bibeliibersetzung, und nahm der
neuen Theorie Stellung, dasz der Septuaginta ein inszrie-
chüche iimgeschriebener hebräischer Tert zugr'.iude legt
sei. Pn der "Ai'ssprache steuerten Rabbiner Dr. , 0 fef
E o b n - Hamburg, dessen grosze Beschlagenheit in der ajsi-
scheu Vlltertumswissenschaft die Diskussion immer aufseue
anregte, und Handesrabbiner Dr. S i l b e r st e i n - Riott
ivertoolle Erkenntnisse zum Thema bei.
Vlm "Abend batte der Vterband die Rlitglieder derze-
meinde in die ^pnagoge zu einem Gemeindeabend
geladen. "Bon der szanzel aus sprach Handesrabbiner>r.
"B l u m - Emden über „Püdische Hebensanschauung m
VUandel der Zeiten". Die jüdische VUeltanschauung ,,it
grosien Einslup aus die Zeiten ausgeübt, aber in ih„,
Bern bat sie selber den VBandel der Zeiten nicht geändt,
VIus der Umwelt assimilierte sich jüdische Bull»! ,r
VUesensenlsprechendes an. Psraels Gottesanschauung big
die Vlnschatiung. die Gott vom Rienschen hat, die ErfulltH
des an ihn gerichteten Gebotes. Pn glücklicher Ergäi.zii^
zu diesem Portrag standen die "Morte, die jovann l'trv
rnbbiner Dr.^P r e » n d - Hannover über die jüdische Vl^,
anschauung Samson Raphael Hirschs brachte. Durch et
zelne, glüttlich gewählte Vteispiele, insbesondere aus r,
"Behandlung der hebräischen Sprache, verstand es der Re'
ner. die Eigenart dieses groszen religiösen Piihrers aufzi
zeigen, dessen bedeutsame Gedanken weit über seine Ste.
luiig ai- Part ei mann hinausragen.
Der folgende Tag brachte zunächst einen tiesdurchdachler!
talmiidischen Porirag von Rabbiner Dr. E o b n - Ham¬
burg Sodann wurden über Spezialausgaben der Seel¬
sorge Referate gehalten Rvbbiner Dr. Postier sprach
über den Rabbiner als Pührer der Schuljugend, der
in dreifacher Beziehung ihr Pührer zu fein Habei in oer
VUissensüberinittlung, dlirch die Einwirkungen von der
Persönlichkeit aus und schließlich in den Prägen und Pflich¬
ten des großen Hebens und des jüdischen im besonderen.
"Mit den "Röten der akademischen Jugend befaßt- sich Rab¬
biner P i n k e l s ch e r e r - Göttingen, der zum Thema
,, S t u b e n t e n ( e e l \ o i g e “ sprach. Entscheidend für
die jüdische Zukunft sei es, daß der Vlkademiker bereits als
Student für das jüdische Leben gewonnen werde, damit
ihm später im Gemeindeleben ein höheres Interesse als
lediglich die Teilnahme an der Perwaltung mit der Ge¬
meinde verbinde, ".sieben Prägen der Wohnung und der
Rkensa sei es bedeutungsvoll, daß der junge Student und
ganz besonders die Studentin in den Pamilien der Ge¬
meinde ihren Perkehr finden, jedoch nur in solchen, die vom
HSchwiegersohnkompler" sich frei wüßten. Die ganze
^chivere der ".Kot der Zeit fand in den Vlusfübrungen Dr.
".K aihan - Hamburg über „Pürsorge für die e r w e r b s -
lose Jugend" ihren Vlüderhall. Bedeutungsvoll für die
Seelsorge sei, daß durch sie die für die Erwerbslosen und die
menschliche Gesellschaft drohenden Gefahren erkannt wer¬
den. Riit der Unausgefülltheit des Tages sei für den
jungen ".Menschen zugleich auch der Sinn des Hebens über¬
haupt in Präge gestellt. Daraus ergibt sich die isiotwen-
digkeit, für manuelle Betätigung zu sorgen und geistige
Betätigung, namentlich unter dem Gesichtspunkte anzu¬
regen und zu ermöglichen, daß die erlangten Benntnisse
später bei der Eingliederung in den Beruf verwertet wer¬
den könnten. Eine Schilderung der diesbezüglichen Be-
mübuiigeii in Hamburg schloß das eindrucksvolle Referat
ab._ Handesrabbiner Dr. o i 1 b e r ft e i n zeigte in seinem
Referat ,, 5i r a n k e n h a u s i e e I | o r g e “ , wie die "Mei-
jungen des jüdischen Schrifttums auf diesem Gebiete auch
heutzutage ihre Bedeutung noch nicht verloren buben.
Der 5z ranken besuch jchaffe gerade besonders innige Be¬
ziehungen zwischen dem Rabbiner und seiner Gemeinde.
Vlbschließend sprach Rabbiner Dr. Vl b e r - Bremen über
,, (h e f ä n g n i s ) e e 1 i o r g e “. Er führte aus, daß alles
darauf aitkomine, das Gute, was in jedem "Menschen schlum¬
mere, zu treffen und anzurufen.
Der Viachmittag war der Erörterung der in den Refe¬
raten gegebenen VI n r e g u n g e tt gewidmet, die ihren
".siiederschlag in entsprechenden Entschlüssen fandei>,
von denen das Ersuchen an die Gemeinden, die Kranken¬
haus- und Gefängnisseelsorge unter Pührung der zuständi¬
gen Rabbiner zu ordnen, ferner der für die Rundfunk-
g e j e I l s ch a f t e n bestimmte Hinweis, daß zur Dar¬
stellung der Hehren des Judentums die im Sendebezirk
amtierenden Rabbiner in erster Linie berufen seien, Er¬
wähnung finden möge.
ZNvvettstaguns den MdkfU-nn
JugenvoeedSnde
Der "Reichsausschuß der jüdischen Iugendverbände ver¬
anstaltete in der Zeit vom 2ä. bis 27. Dezember unter "Mit¬
wirkung der Hauptstelle für jüdische VBanderfürsorge in
H e h n i tz bei Berlin eine "Arbeitstagung. Die Per-
an^kaltnng war von etwa 60 beruflichen und ehrenamt¬
lichen Vaozialarbeitern und Vertretern van Iugendbünden
besucht. Sie stand unter dem Zeichen der Veränderung der
jüdischen Gesellschaft durch die gegenwärtige Wirtschafts¬
krise. Das einleitende Referat hielt Dr. Georg Lu-
binski, der sich mit der Lage der jüdischen Jugend be¬
schäftigte und mit ihren veränderten Lebensbedingnngen.
Die Einengung des wirtschaftlichen Lebensraumes, der po¬
litische Druck von außen drängen viele Jugendliche zttut
Vlnschluß an die kommunistische Bewegung. Dieser "An¬
schluß führt regelmäßig dazu, daß der Zusammenhang mit
der jüdischen Gesellschaft gelöst wird und der junge Mensch
dem Judentum verloren geht. Das Bekenntnis zum Kom¬
munismus fiihrt in der Prarsis zum "Abfall vom Judentum.
Der "Redner prüfte die jüdische Vlrgumentation gegenüber
dem Kommunismus, sowohl vom Standpunkt einer reli¬
giösen Konzeption des Judentums, wie auch der nationalen
Vliiffasiung, wobei die Gegeneinwände, denen eine solche
Vlrgumentation ausgeseßt ist, hervorgehoben wurden. End¬
lich wurden die Rlaßnahmen erzieherischer Art erörtert, die
dem Einzelnen einen solchen Fundus jüdischer Substanz
vermitteln sollen, daß der Abfall vom Judentum erschwert
oder unmöglich gemacht wird. Einer besonderen Tagung
soll es Vorbehalten bleiben, die VBege zu einer solchen
intensiven jüdischen Erziehung auszuzeigen.
Dr. Ludwig T i e ß beschäftigte sich in einem "Referat
init den Verhältnissen der durch die Wirtschaftskrise am
schwerslen getroffenen erwerbslosen Jugendlichen. Die
Diskussion ergänzte die diesbezüglichen Vlusführungen da¬
hin, daß heute schon schwerste Verwahrlosungsschäden,
deren Heilung vielleicht unmöglich sein wird, oder min¬
destens viele Jahre in Vlnspruch nehmen wird, bestehen.
Die Maßnahmen für erwerbslose Jugendliche wurden in
drei Stufen einaeteilt '. das Erwerbslosenheim, welches den
seelischen "Mittelpunkt für den Jugendlichen an Stelle des
Vlrbeitsplaßes bildet, Kurse und Ersaßarbeit auf Grund
des freiwilligen "-Arbeitsdienstes und im "Rahmen der Akah-
nahmen zur Förderung der Verinittlungsfähtgkeitj endlich
für die am schwersten gefährdeten Erwerbslosen Be¬
schaffung von "Arbeit, die unter Umständen auch durch be¬
sondere Vlrbeitsstätten erfolgen muß. Vluch die Berufs¬
beratung müsse sich den Bedingungen der Krise anpassen.
lieber die Pntensioierung des Vlrbeitsnachweiscs sprach
Herr "Adler- R übel, der engste Zusammenarbeit mit
oen öffentlichen VIrbeitsnachweisen empfahl.
Dke Taufe Hilft nicttt mettr!
Der österreichische "Ministerrat hat noch im Oktober v. I.
die Ernennung des berühmten Grinäkologen Professor
P o s e f Halb a n , eines getauften Puden, zum
i rdentlirhen Professor und zum Leiter der zweiten VBiener
Prauenklinik beschlossen und offiziell in der „VBiener Zei¬
tung" bekanntgegeben. Die Einführung Prof. Halbans
in seine neuen Vlemter wurde aber aus rasseanti-
semitisch e n "Motiven verzögert und steht heute über-
I aupt in Frage. Die linksstehende und die liberale Presse
üben scharfe Kritik an der Haltung der Regierung und des
akademischen Senats in der Vlngelegenheit Halban und
bezeichnen das "Borgehen gegen Halban als eine persönliche
"Beleidigung des Gelehrten, dem Bundeskanzler Buresch
seinerzeit telephonisch zur Ernennung gratuliert hat Pros
Halban ist mit der weltberühmten Kammersängerin
S e l in a Kurz verheiratet, die heute noch "Mitglied der
VlUener Psraelitischen Kultusgemeinde ist.
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