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Um den altem Glauben
Roman von Lcvy Grunwald
Autorisierte Übersetzung aus dem Holländischen von Heinz Caspari
10) Copyright 192S by J. H. Joadiimsthal, Amsterdam
)u weißt viel — dein Verstand sitzt in den Füßen!"
hatte Keile geweitert. ..Es ist weiter nichts als
die Jugend, Galanterie — was weiß ich. wie sie das
nennen. Mirjam ist zu verständig, um sich den Kopf ver¬
drehen zu lassen. Sie ist fromm und genug Jüdin, um
ihn nicht zu heiraten. Sie
denkt auch nicht im entfernte¬
sten daran. Aber soll sie sa¬
gen: ich will keine Blumen
haben — ich will keine Buketts
haben, ich will keine Ge¬
schenke — soll sie das sagen?
Dann können wir auf Holz
wie-
die
bei
läßt
O fl b o na i!
Offiziere wcg und kaufen
beißen — dann bleiben
der bei dem Schlingel.
Melles Enkel. Mirjam
sich das alles — natürlich m
allen Ebren — nur dem Ge¬
schäft zuliebe gefall m. Sie ist
so gut wie verlobt mit dem
Gemorefresser, dem jungen
Roos. Der ist verrückt nach
ihr und sie nach ihm. Wenn
der alte Roos nicht so när¬
risch gewesen wäre, den Jun¬
gen nach Frankfurt zu schik-
ken, dann hätten sie schon
Hochzeit gehabt. Nein — Mir¬
iam ist viel zu viel Iüdin.
um einen Christen zu nehmen!"
So b/ffte Keile damals zu
Japie Velleman und jedem an¬
dern gesprochen, der sie auf
die Gefahr hinwies. Keile
sah nichts. Sie liebte Mir¬
jam. Alls opferte sie ihrem
Pflegekind. Sie war das
Glück ihres Lebensabends. —
Sie war blind mit sehenden Augen
sie schaccklich^ Ende kam . .
Oer Lu die Donnerkeile
Mit einem Bauche führst,
Der Lu Les Blitzes Pfeile
Mit deinem Wind regierst,
Der du auf Wolken fahrest,
Zur flchse machst den Stern,
Den rauhen Nordwind lehrest.
3u dienen dir, dem löerrn;
Der du erschienst als §lamme
Im Dornbusch unverbrannt,
Und Moses ganzem Stamme
Errettung hast gesandt;
Der Du auf Sinais Spitze
Gesetze ihm verliehn,
flls Griffel brauchst die Blitze»
Die den Granit durchziehn;
das für
Hendrik van Salland. der steinreiche, verwöhnte Ba¬
ron, begann allmählich das Soldatenleben satt zu kriegen.
Das Exerzieren und Drillen der dummen Bauernlüm¬
mels hatte ihm schon lange zum Halse herausgehangen.
Miriam, die schöne Tochter der schönen Judith, war
für ihn eine willkommene Abwechslung. Er wußte natür¬
lich nur zu gut. daß sein Vater, der alte Baron, hoch¬
gehen würde, wenn er ihm mitteilte, daß er eine arme
Jüdin heiraten wollte. Darum hielt er seinen Plan
ängstlich verborgen, erwähnte er kein Wort davon, wenn
er ^ einige Tage auf dem jahrhundertealten Schloß zu¬
brachte. Er würde die ganze adlige Gesellschaft vor ein
fait accompli stcllen.
Er hielt auf seine Art viel von Mirjam, dachte im
Anfang nicht daran, ein gewöhnliches Liebesabenteuer
aus dieser Beziehung zu machen. „Vertrau' mir", sprach
er. „Sobald wir in Frankreich sind, werden wir hei¬
raten, Liebling!" hatte er Mirjam versprochen.
Und diese? — Mehr und mehr waren die Bande,
die Seligs Enkelin an den Alten Glauben knüpften,
schwächer geworden. Ein stiller Groll im Herzen gegen
Arthurs Vater, der sie nicht für gut genug hielt für
seinen frommen Sohn, hatte das seine getan, um die
Wagschale zugunsten des lu¬
stigen zweiten Leutnants zu
senken.
„Warum soll ich van Sal¬
land eigentlich nicht folgen?"
dachte Mirjam oft — „was
bindet mich noch an Huis-
duinen?" Arthur war für sie
verloren. Mit Widerwillen
dachte sie daran, daß sie ihr
junges Leben bei zwei alten
Leuten verbringen mußte ..
immer im selben Milieu. Folgte
sie van Salland, dann würde
das Leben ein Genuß, ein
Freudenrausch werden^ Der
adelige Ionkheev^trug
Händen. SofvM nach ^ ihrer
Flucht würden me huirat
würde eine vnrUche» echt^Zonk-
vrouw iFreifrau^fsm-bei Hofe
erscheinen — der Königin vor-
gestellt werden . . . Sie sah
sich schon als dame du palais.
Und doch begriff sie sehr
gut, was die Folge sein würde,
wenn sie mit Hendrik van
« Salland gehen würde. Ihrer
'S Familie, dem Judentum < —
allem kehrte sie den Rücken
zu. Die jetzt ihre Freunde
waren, wurden sie nach ihrem
Abfall verachten.
Aber van Salland blieb fest.
Er schwor-Dr^alle Freuden, alles Glück, alle Liebe wür¬
den ihr zuteil werden. Wenn sie erst einmal getraut
wären, könnte niemand es wagen, gegen Ionkvrouw van
Salland auch nur ein ungebührliches Wort zu sagen.
Seiner Familie würde er trotzen — aus Liebe zu ihr ..
Mehr und mehr schwankte Mirjam, fühlte sie sich
erweicht durch die glühenden Liebesbeteuerungen des
schmucken Leutnants. Was würde das Leben ihr brin¬
gen, wenn sie diese einzigartige Chance vorübergehen
ließe? Die Huisduiner Juden hatten ganz andere Vor¬
stellungen als sie. Wenn sie ihnen auf der Straße
begegnete, fühlte sie, wie ihre Blicke kritisch auf sie
gerichtet waren — wie sie ihre auffallende Kleidung
verurteilten, wie sie über sie und van Salland flüsterten
und ruddelten.
O du, des Volkes Kührei,
Du Wolkenfäule hell,
Erretter und Reglet
Des Kaufes Israel,
O komm und wolP uns führen
fln deiner starken Band,
Datz wir uns nicht verlieren
In dem ^g^pterland.
Datz wir den falschen Götzen
Dicht unser Opfer weih'n,
Datz wir von Sündennetzen
D e Seele uns befrei'n,
Datz wir nicht ganz verloren
In Wüsten untergehn.
Der einst vor Zions Loren
Durch dich gerettet stetin.
O komm zu unfern Selten,
Brich unser Lager ab,
Tühr uns zu and'ren Welten
Mit deinem §eldherrnstab!
Breit' aus die starke Rechte.
Wir harren ihrer fromm -
Errette deine Unechte.
O fldonai. komm !
ta'öräfin ÜÄtzsVBahn
ff
Blatter für Erziehung ui
richt": Siehe Seite 175» und 1760!
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