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in den Verba
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abgelehnt worden, jo daß nur noch geprüfte Lehrer
bandsvorstand gewählt werden konnten. Auch an
der Besprechung, dem Lehrer Sitz und Stimme im Schulvorstand
(Gott behüte, nicht im Gemeinoevorstand) zu gewähren, habe
der Referent teilgenommen und sich seiner Ueberzeugung nach
dagegen ausgesprochen. Er erwähnt ferner, Idaß der Antrag;
betr. Begründung einer periodisch erscheinenden Zeitschrift
lungen des Verbai^stages seine Anerkennung nicht ver¬
sagen könne.
1901 in Schlawe geht endliH der Vorsitz an den Koll. Saul,
Schivelbein, über. Der Verein blüht auf, und nun ist auch
das eigenmächtige Walten des Vorsitzenden mit einem Male
der Arbeit in ben bisher unbekannten Vorstandssitzungen ge¬
wichen. Auch die Selbstbesinnung stellt sich ein, man höre: Wenn
unsere Gemeinden sehen werden, daß wir nicht nur durch treue
gewissenhafte Arbeit, sondern auch durch festes Zusammen¬
halten ein Faktor werden, mit -dem sie rechnen müssen, dann
werden wir dahin kommen, daß unsere soziale Stellung in
unfern Wirkungskreisen eine bessere und würdigere werden
wird. Dann, aber auch nur dann werden und können wir in
Ruhe und Frieden unseres Amtes walten zum Wahle unserer
Gemeinden und zum Heile des Judentums. Im Jahre 1903
treten unser jetziger Verbands-Vorsitzender, Koll. Stern, und
unser jetziger Vereinsvorsitzender. Koll. Varonowitz (beide da¬
mals in Repzin tätig) als Mitglieder den Verein Lei. In den
folgenden Jahren trrtt, als der Kampf um die Inspektion des
Religionsunterricht einsetzte, ein Gegensatz zwischen Rabbiner
und Lehrer schroff hervor und erreicht in 'den Versammlungen
in Kolberg und Polzin, zu welch letzterer Koll. Feiner vom
Verbandsvorstand anwesend war, seinen Höhepunkt. In Kol¬
berg sagt der Koll. Bauer: Wir Lehrer fürchten keine Inspek¬
tion unserer Schulen, stehen derselben vielmehr sympathisch
gegenüber, fordern jedoch, daß diese auf gesunder pädagogischer
Grundlage beruhe, dah an Stelle der Inspektion nicht eine
öffentliche Prüfung trete und die Inspektion dadurch zu einem
Schaustück sich gestalte. Und in Polzin berichtete Koll. Saul,
der als Vertreter der Lehrer auf der Tagung des Provinzial-
Verbandstages der Synagogen-Gemeinden Pommerns sich
ebenfalls gegen die das Ansehen der Lehrer schädigende Form
der Inspektion wandte, daß man seine bezüglichen Forderungen
schroff zurückgowiesen habe. In der Debatte, in der immer
wieder das Verlangen nach fachmännischer Inspektion zum
Ausdruck gebracht wurde, betonte Dr. Goldschmidt, daß es ein
altes Recht der „K i r ch e" sei, über den Religionsunterricht zu
wachen, und daß die Befürchtung, die Rabbiner hätten die Ab¬
sicht, durch die Inspektion die Stellung des Lehrers zu unter¬
graben, von außerhalb des Vereins (sollte heißen vom Lehrer¬
verband) in 'diesen hineingetragen worden sei. In energischster
Weise trat Koll. Feiner diesen Ausführungen entgegen, und
nun hörte auch das Verbeugen vor dem Provinzial-Verband auf.
Man sprach in einer Resolution nicht mehr eine Bitte,
sondern den Wunsch gegenüber dem Provinzial-Verband
aus, daß der Verband eine Regelung der Inspektionsfrags unter
Hinzuziehung zweier sominarrstisch gebildeter Mitglieder des
Vereins vornehmen und bei dieser Neuregelung auch die Er¬
nennung seminaristisch gebildeter Lehrer zu Inspektoren vor¬
sehen möge. 1906/07 erreicht der Verein seinen. höchsten Mit¬
gliederstand mit rund 40. Nun folgen Jahre stiller aber
emsiger Arbeit.
Verschiedentlich werden Ansätze gemacht, nur seminaristisch
oder akademisch gebildete Lehrer als Mitglieder aufzunehmen,
sie scheitern nicht nur, sondern im Jahre 1910 kommt es in
Stettrn, als ein Nichtseminariker an Stelle des Koll. Saul zum
Vereinsvorsitzenden gewählt wurde, zu -einer kleinen Revolution.
Koll. Saul tritt aus, Koll. Varonowitz legt sein Amt als Schrift¬
führer nieder. Nun wurde der Koll. Lion Wolff-Tempelburg,
unser jetziger Ehrenvorsitzender, - Vorsitzender, der das Amt bis
1914 inne hatte. Damals fand auch die erste und einzigste Fort¬
bildungskonferenz statt. Das Amt des Vorsitzenden ging dann
auf Koll. Kahn-Köslin über, der aber nicht in Funktion trat,
der ausbrechende Krieg hob jede Vereinstätiakeit auf.
Am 9. September 1919 trafen die Koll. Wolff-TempelLurg,
Simon-Stettin, Wieser-Pyritz und ich uns M^erner "Vorstands¬
sitzung auf dem Bahnhof Ruynow, um über Mittel und Wege zu
beraten, wie der Verein neu belebt und deV^Keigehden Notlage
der Kollegen entgegengewirkt werden tonne,
gab leider, daß infolge Mangels jeglicher
und der drückenden Teuerungsverhältnisse von der Abhaltung
einer Mitgliederversammlung Abstand genommen werden mußte.
Und dann kam endlich doch der Tag, an dem wir uns wieder
in Belgard zusammenfanden. Leider nicht alle. Von lieben
- fehl' * ' - - ^ ^ - "
Gesichtern fehlten viele: die Kollegen W i d m a n n - Stargard,
und Brandes- Rummelsburg, waren auf den Schlachtfeldern
geblieben, der erste und zweite Vorsitzende Kahn-Köslin und
Dr. Worms-Stettin gestorben, und erne Anzahl anderer Mit¬
glieder verzogen. 18 waren wir damals, als wir den schwierigen
Wiederaufbau begannen. Im Vordergründe mußten notgedrun¬
gen Existenzfragen stehen, sie haben lange Jahre einen erheb¬
lichen Teil unserer Beratungen bilden müssen. Denn wahrend
die Gemeinden als solche in den Jahren der Inflation völlig
verarmten, der Reichtum der einzelnen Gemeindemitglieder
scheinbar ins Ungemessene stieg, steigerte die Notlage der Be¬
amten sich grauenhaft.
Kollege Baronowitz übernahm damals den Vorsitz und seinem
tatkräftigen, energischen Wirken hat der Verein es hauptsächlich
zu verdanken, daß er in den unheilvollen Jahren der Inflation
lebenskräftig blieb. Als dann die Stabilisierung der Geldver¬
hältnisse eintrat und der Scheinreichtum der einzelnen Mit¬
glieder der jüdischen Gemeinden in ein Nichts zusammen¬
schrumpfte, setzte der Zerfall der Gemeinden ein. Geradezu
verheerend hat er sich in Pommern ausgewirkt, wir sehen es
am deutlichsten an der Mitgliederzahl unseres Vereins. Den¬
noch haben wir nicht aufgehört und werden nicht aufhören zu
arbeiten und zu wirken auf dem Gebiete, das uns der Kollege
Bauer auf der Gründungsversammlung als unser Ureigenstes
zuwies: Der Lehrer hat seine Ideale in seinem
Berufe zu suchen, im eigenen Streben liegt un¬
sere Zukunft, durch Selbsthilfe müssen wir uns
heben.
Und so wollen wir es weiter halten, wollen allen
widrigen Verhältnissen und allen uns offen und heimlich feind¬
lichen Gewalten zuin Trotz an dem Ausbau unserer Selbsthilfe
eifrig und unentwegt werter arbeiten. Gottlob, der einzelne
steht nichts mehr schutzlos und allein jeglicher Willkür preis¬
gegeben, Verein und Verband sind Faktoren, mit denen man
heute innerhalb der jüdischen Gemeinden, wenn auch nicht immer
mit Begeisterung, rechnen muß. Im Zusammenschluß lag unsere
Kraft und in treuem Zusammenhalten ist sie für alle Zukunft
verbürgt. Ich habe keinen bessern Wunsch für unfern Verein
beim Eintritt in das zweite Lustrum seines Bestehens als den
altjüdischen Zuruf: Chasak, chasak w’nischascak.
Bccltfff übcc Dte Tagung des Veverns tseaettt.
Letfver A-ekuLan-s und Westfalens (Äastevezrev.
BezirAskonferenz am 13. Juli in Dortmund.
Koll. Weyer, Lünen, hielt einen Vortrag über „Die Pflege
der deutschen Sprache in Synagoge, Schule, und Presse". Er
führte Klage darüber, daß so wenig auf dre deutsche Sprache
geachtet werde. Das „Zeitungsdeutsch" sei ein schlechtes Vor¬
bild. Die Stilwidrigkeiten in Presseäußerungen entstehen durch
Nachlässigkeiten im Arbeiten und aus der Absicht, möglichst lange
Berichte zu bringen. Schule, Synagoge und Presse wirken
auf die Spracherziehung mit ein. Bei der Auswahl von jüdi¬
schen Iugendschriften, die der jüdische Iugendschriftenausschuß
herausgegeben habe, sei dieser Gesichtspunkt überhaupt mcht
berücksichtigt worden. Deshalb sei das Verzeichnis der jüdischen
Iugendschriften nicht einwandfrei im Gegensatz zu den Ver¬
zeichnissen der „Vereinigten deutschen Prüfungsausschüsse", die
kein Buch empfehlen, das nicht auch in sprachlicher Hinsicht aut
sei. Das üble Kaufmannsdeutsch, das besonders in jüdischen
Familien gebräuchlich ist, müsse bekämpft werden. In vielen
Familien sind Zeitungen der einzige Lesestoff. Uebersetzungen
hebräischer Gebete sollten besser unterbleiben, wenn sie nicht in
gutem Deutsch zum Ausdruck kommen. Die Andachtsbücher für
Frauen halten einer sprachlichen Kritik nicht stand, ebenfalls
nicht manche Predigten. Redner erläuterte seine Ausführungen
an zahlreichen Beispielen. Wie bewahren wir uns vor solchen
sprachlichen Verfehlungen? Durch Bilden an guten Mustern,
durch Beschränkung des Zeitungslesens. Man biwe sein Sprach¬
gefühl an den Meistern der deutschen Sprachkunst, an den Klassi¬
kern Lessing, Goethe, Hebbel. Empfehlenswert ist die „Zeit¬
schrift des deutschen Sprachvereins" und Engel: „Deutsche Stil¬
kunst". — An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache.
Es wurde gewünscht, daß der Vortrag in der „Jüdischen Schul¬
zeitung" zum Abdruck gelange.
Frank, Duisburg. Oppenheim, Wattenscheid.
GsteMattge Mlneer
Vor einigen Wochen sandte ich Euch ein Rundschreiben
mit Antwortka te. Wer das Schreiben noch nicht» beant¬
wortet hat. tue oas bitte sofort, damit unsere Listen und
unser Bundesbuch vervollständigt werden. Wer Stellenwechsel
oder Umzug hatte, den bitte ich um Angabe der neuen
Anschrift. Allen freundlichen Gruß. Euer
Apt, Hannover, Brrkenstraße 21.
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