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auftret«», und Haben sie noch so wenig Anlaß zu Kritik,
in dem Augenblicke, in dem sie als Juden erkannt wurden,
waren sie einem Scheinmerferlicht ausgefetzt, wurde jede
ihrer Handlungen mißgünstig beobachtet, und schließlich
waren sie in den Vereinen, denen sie ange-hörten, ein auf
sich selbst angewiesener Kreis, von dem fast keine Ver¬
bindung zu den anderen Mitgliedern führte.
So lagen die Dinge vielfach, als nach Kriegsende die
antisemitische Welle zu steigen begann, mit der Wirkung,
daß immer weitere Kreise vom Antisemitismus ergriffen
wurden. Als Folgeerscheinung ergab sich ein zäher Kampf
gegen jüdische Mitglieder in vwlen sozialen und gesell¬
schaftlichen Vereinigungen mit dem Ergebnis, daß ein
sehr großer Teil von Juden den Kampf freiwillig aufgab,
ein anderer Teil zu seiner Aufgabe gezwungen wurde.
Daß die Konsequenz einer solchen Entwicklung in der
Bildung von rein jüdischen Vereinen und Vereinigungen
lag, war durchaus natiirlich. Nahmen die allgemeinen
Berufsvereinigungen Juden nur widerwillig auf und er¬
schwerten sie den vorhandenen jüdischen Mitgliedern die
Zusammenarbeit, so mußten die Juden Ersatz in eigenen
Berufsvereinigungen suchen. Suchten die allgenieinen
Sportvereine ihre jüdischen Mitglieder kaltzustellcn, dann
konnte die Gründung eigener jüdischer Sportgruppen nicht
unterbleibeii.
Wenn also von jiidischer Seite der stärkere Zusammen¬
schluß von Judeil getadelt wird, so muß dieser
Tadel ge rechter weise nicht an die Adresse
der Iud e n, s o nd e r n an die der Nichtjuden
gerichtet werden. Es ist durchaus kein Beweis,
wenn zuweilen darauf hingewiesen wird, wie freundlich
und entgegenkominend manche allgemeinen Organi¬
sationen sich ihren jüdischen Mitgliedern gegenüber ver¬
halten. Das sind zumeist solche Vereine und Vereini¬
gungen, die grundsätzlich bis auf den heutigen Tag nicht
antisemitisch beeinflußt sind, und gerade in diesen Kreisen
bedarf es nicht so sehr der Vermittlung der Ueber-
zeugung, daß der Antisemitismus eine sachlich nicht be¬
rechtigte Erscheinung ist. Wicktig wäre aber, wenn jüdi¬
sche Mitglieder in solchen allgemeinen Gruppen wirken
könnten, die nicht judenfreundlich eingestellt sind. Wir
sind also der Meinung, daß die Begründung besonderer
fiidischer Vereine nicht von den Juden provoziert worden
ist, daß es vielmehr ein Akt der Zwangsläufigkeit war,
der sich vollzogen hat. Es mag sein, daß auch in der
Bildung jüdischer Vereine etwas zu viel des Guten ge¬
schehen ist und daß insbesondere z. V. in Berlin eine
weit größere Zahl solcher Organisationen besteht, als für
die Erfüllung sachlicher und gesellschaftlicher Erfordernisse
irotwendig ist.
Es gibt aber auch einen weiteren Grund, der uns den
Zusammenschluß von Juden in jüdischen Vereinen mit
anderen Augen sehen läßt. Wir wissen, daß gerade in der
Weltstadt die Gefahr der allzu weitgehenden Assimilation
in ganz besonderem Maße besteht. Wir wissen, daß die
Mischehe an den Grundlagen des Judentums rüttelt
und Austritte a u s d e m I u d e n t u nt aus ideellen
politischen Motiven nicht mehr selten sind. Wer die
statistischen Zahlen auf sich wirken läßt, sieht mit un¬
verkennbarer Deutlichkeit die Gefahr eines Zusammen¬
schrumpfens des deutschen Judentums. Seit dem Auf¬
hören der Zuwanderung, also seit etwa sechs Jahren, geht
die jüdische Bevölkerung der Großstädte dauernd zurück,
weil Mischehen, Austritte und Kinderlosigkeit die günstige
Sterblichkeitsziffer weit mehr als ausgleichen. Wenn auch
in den folgenden Jahren und Jahrzehnten die Zuwande-
" rang nach'Berlin insbesondere, ebenso wte nach ven an¬
deren Großstädten sich in den gleichen Grenzen bewegt,
kann man schon heute berechnen, daß es in etwa fünfzig
Jahren eine nennenswerte Zahl von Juden dort nicht
mehr geben wird. Wenn also auf jüdischer Seite der
Wunsch besteht, diese Entwicklung wenigstens dadurch auf¬
zuhalten, daß durch Zusammenschluß der jüdischen jungen
Bkenschen die aus den Austritten und der Mischehe ent¬
stehenden Gefahren vermindert werden, so ist das die
Regung eines Selbsterhaltungstriebes, der ein natürliches
Gefühl einer jeden Gemeinschaft ist. Auch auf evangeli¬
scher und katholischer Seite hat man viele konfessionelle
Vereine und Vereinigungen, ohne daß es den evangeli¬
schen oder katholischen Mitbürgern in diesem kon¬
fessionellen Zusammenschluß einfällt, ein Zeichen von
Ghettobildung zu sehen.
Wir glauben auch nicht, daß wenn jüdische Mitglieder
allgemeinen Vereinen wirken, dadurch dem Antisemi-
- das Wasser abgegraben werden kann. Hier werden
v Wirkung verwechselt. Denn mit dem Ab-
'mitischen Welle wird selbstverständlich
llhen Juden und Nichtjuden enger
Wege über eine Vereinszugehörig-
ken Weife. Wir Juden sollten auf¬
hören, emitische Bewegung Erklärungen
heranzuholen, .. dem Sinn dieser Bewegung nichts
zu tun haben. A». semitismus erwächst aus dem Be¬
dürfnis politischer Parteien nach bequemen Propaganda¬
mitteln. Wir gehören gewiß nicht zu denen, die gegen¬
über einer solchen Propaganda Geduld und Milde predi-
S en, oder die etwa auf eine Aufklärung der nichtjüdiscken
mwelt über das Wesen des Judentums verzichten wollen.
So wertvoll eine solche Aufklärung von Mensch zu Mensch
aber auch sein mag, in politisch erregten Zeiten ist sie
nur schwer möglich und kann meist nur einen viel zu ge¬
ringen Kreis von Volksgenossen erfaßen. Wollen wir
wirklich eine Wirkung erzielen und wenigstens den Teil
der nichtjüdischen Bevölkerung, der zu einer sachlichen
Diskussion bereit ist, aufklären, dann müssen wir zu ganz
anderen Methoden unsere Zuflucht nehmen, zu MethiKxm,
die umfassend wirken und ms Weite greifen. L. K
Aetmsmialftev u* D. €duar* Daold
und -as Judentum.
Ter eben Heimgegangene sozialdemokratische Reichs¬
tagsabgeordnete und Reichsminister a. D. Dr. Eduard
David war keineswegs jüdischer Abstammung (sein
Vater war evangelischer Pastor), trotzdem wurde er
immer wieder in der antisemitischen Presse seines jüdisch ,
klingenden Namens wegen Belästigungen ausgesetzt.
David war sogar einer der wenigen sozialdemokratischen
Abgeordneten, die nicht aus der Kirche ausgetreten sink
und im Reichstagshandbuch sich al? evangelisch pinzeicb
nete. Die Verbundenheit seines Namens mit dem Judet-
tum brachte ihn oft in die schwierigsten politischen Läget,
und auch zuletzt scheuten die Nationalsozialisten im Reichs¬
tag und während des letzten Wahlkampfes nicht dazor
zurück, ihn in antisemitischer Weise anzupöbeln, was er
stets vornehm zurückwies. Im Kampfe für die Gleich¬
berechtigung der Juden in seinem eng ren
Heimatwahlkreis Hessen stand David immer im Vorder¬
grund. und er war einer derjenigen, di- mit wnlsskmden-
heit die Abwehr gegen den landläufiger! ''innjenn .mus,
wie er seit Jahrzehnten besonders in Oberbejsi. sein
Niesen trieb, aufnahmen.
Sticft &M 0 W tut Jttfteitftaae
3*. zweiten Vaud» feiner Soinnevungen
Satte schon der erste Band er Denkwürdiaketten
des Fürsten Bernhard v. Bülow. en vorletzten Retchs-
kanzler des Kaiserreiches, Äs einer verständigen. well-
kundigett und toleranten Mann erkennen lassen, der
auch gegenüber den deutsäen Juden Toleranz zu üben
bereit war. so ergibt die Lektüre des soeben erschie¬
nenen zweiten Bandes, d-ß in diesem Punkte Rülow
konsequent seine Anschauung beibehalten hat. Eine Per¬
sönlichkeit. die wie Bülor» ohne Vorurteil die Welt
beurteilt bat uitb die bereit war. alle Meirichen nach
dem Nützlichkeitsprinzip einzuord-en, mußte naturgemäß
auch die Verdienste der deutsch. Juden einsseihen, mußte
erkennen, daß unter ihnen es nicht an solchen gefehlt
hat, die durch ihre Begabung und ihre Kenntnisse in
der Lage waren, dem Staate wertvolle Dienste zu
erweisen. Daß den zweiten Band seiner Erinnerungen
ein Porträt Albert Ballt ns ziert, beweist, daß
Bülow für die überragende Stellung des leitenden deut¬
schen Schiffsreeders, d s Präsidenten der Hapag, ein
weitgehendes Verständnis aufbrachte. und so häufig.
Bülow in seinen Erinnerungen Ballin erwähnt, ver¬
gißt er nicht, seine freundschaftlichen Beziehungen zu
diesem königlichen Kaufmann zu betonen.
Noch entscheidender vielleicht ist die Häufigkeilt.
mit der der frühere Reichskanzler den letzten deutschen
Kaiser gegen den Vcröacht antisemitischer Gesinnungen
in Schutz nimmt. Au< > im zweiten Band erklärt Bülow
wörtlich „Wilhelm II. dachte in allen konfessionkillen
Fragen groß und geroo t. Jede Abneigung gegen die katho¬
lische Kirche und de Katholiken lag chm ebenso
fern wie aller tt t i f c nt 1 1 i s in u s." Diese Ten¬
denz ergibt sich auch aus einem Brief, den der Kaiser
am 30. Dezember l'K35 on Bülow geschrieben hat, in
welchem er von der Unterredung berichtet, die er mit
dem Londoner finanzier Beit gehabt hat. Als die
Angriffe gegen den damaligen Kvlonial-Direktor, den
Prinzen Hohenlohe-Langenburg sich häufen, muß Bülow
an einen Nachfolger für dieses wichtige Amt denken.
Er berichtet zunächst eine» Ausspruch des Neichstags-
pr,äsidenten Grafen Ballestrem, der ihm einmäl
gesagt hatte, ein evangelischer Kultusminister ist uns
nicht gerade sumpathisch. einen katholischen können mir
als Minorität nicht verlangen, wie wäre es, wenn Sie
einen jüdischen K u l t u s m i n i st e r gäben ?"
Bülow erzählt weiter, daß er für das Kolonialamt
an Walter Rathenau, von dessen vielseitiger Be>-
gabung er gebort hatte, gedacht hat, sich aber schlie߬
lich für den lieeftor der Darmstädter Bank, Bern¬
hard Der n bürg, entschieden ab. Bülow erwähnt,
daß Dernbnrg. her jüdischer Abstammung war. nicht
ohne Stolz darauf hingemiesen hat, daß Pastorenblut
in seinen Adern fließe nnd übermittelt einen sehr
witzigen Ausspruch des Theaterkritikers und Theater¬
direktors Paul Lindau, der gesagt habe „Wenn ich nur
wüßte, wohei ich die verfluchte Nase habe, wo ich doch
der Enkel von einem Superintendeitten bin".
Daß Bülow die Tüchtigkeit und den Ernst vieler
Juden anerkannt hat, beweist eine Aeußernng, die
or im Qt’f/jpttiiYtt'hrttui mit . einer- Gimirnttirniilerulm des
Stautssekrefirs des AenßeFen Baron S ch'ö u gibt.
Er sagt: ,,hch weiß nicht, ob der berüchtigte. Semi-
Gotha reck' hat, wenn er behauptet, Schön sei aus
der uraltei Wormser Jndengemeinde hervorgegangen,
er gehöre sogar dem besonders geachteten jüdischen
Stamm Jaschar (Schochem) an. Das mit der Familie
Schön verwandte Haus Heyl zu Herrnsheim sei gleich¬
falls ein? durch Leder reich gewordene Wormser
Judenfamlie. Die jüdische Extraktion des Barons
o. Schön würde mich nicht gestört haben. Ich muß
aber leid r feststellen, daß ich bei ihm jene Arbeitslust
und Arstits kraft, die Klarheit und Schärfe des Ver¬
standes, die geschäftliche Tüchtigkeit und den geschäft¬
lichen Enst vermißt habe, die mir bei vielem Israe¬
liten engegengetreten sind und die ihnen auch von
ihren begnern nicht abgesprochen werden können."
Fürst s ülow, wenn er hier von geschäftlichem Ernst
und gechäftlicher Tüchtigkeit spricht, hat nicht an die
Tüchtigeit der Juden im kaufmännischen Leben ge¬
dacht, sondern an ihre Brauchbarkeit für leitendei
Stellingen in der Verwaltung. In lobender Weise
spricht Bülow auch vom gewesenen auswärtigen Mi¬
nister der Donau-Monarchie, Grafen Aehren-
th a l, von dem er sagt, daß er der Enkel des israelitischen
Getreöehändiers Lera in Prag war. Bülow erwähnt,
daß t mit Baron Aehrenthal, späteren Grasen Aehren-
thal, in Freundschaft verbunden war.
Als bfe ReiAfinanzreform, insbesondere die Erb¬
schaftssteuer der Regierung gewisse Schwierigkeiten be¬
reitete, dachte Bülow an Walter Rathenau als
einem möglichen Reichsschahsekretär. Bülow erzählt:
„Als Nachfolger dachte ich zunächst an Walter Ra-
thenaiH der viel in meinem Hause verkehrte und
mir wiederholt Beweise großer und feuriger Verehrung
für mich gegeben hatte ... Ich glaube noch heute,
daß er sich zum Reichsschatz-Sekretär wohl geeignet
haben würde, besser als später : zum Minister des
Aeußern. Bei Kaiser Wilhelm war er wohlgelitten.
Ich habe schon gelegentlich erwähnt, daß dem Kaiser
konfessionelle Voreingenommenheit und Rassenvorur¬
teile, insbesondere auch jeder Antisemitismus völlig
fernlagen. Er meinte aber, daß die Ernennung eines
Israeliten für dieses im damaligen Moment besonders
wichtige Amt des Reichsschahsekretärs die Rechte zu
sehr verstimmen würde, die ohnehin gerade in Steuer¬
fragen schwer bei der Stange zu halten war. Aus
diesem Eirunde lehnte er auch den sehr klugen Bankier
Carl Fürstenberg ab und selbst seinen Liebling
Albert Ballin."
Auch in der Beurteilung des damaligen Führers
der deutschen Sozialdemokratie, Paul Singer, er¬
weist Bülow die Toleranz seiner Gesinnung, die Fä¬
higkeit, Persönlichkeiten aus anderen Lagern gerecht
zu werden. Er unterstreicht wiederholt, in welch ma߬
voller Weise sich Singer bei verschiedenen Debatten
im Reichstag geäußert hat. und hebt sein Verständnis
für die Bedürfnisse des Deutschen Reiches und Volkes
hervor.
Im ganzen gewinnt man auch aus dem zweiten
Bande der Lebenserinnerungen des ehemaligen Reichs¬
kanzlers den Eindruck, daß er wie allen politischen Fra¬
gen so auch den deutschen Juden ohne Vor¬
urteil gegen ü berge st anden hat, daß er ihren
Wert in vollem Maße einzuschätzen in der Lage
war und durchaus bereit gewesen wäre, manche von
ihnen, für wichtige Stellungen heranzuziehen. Freilich
mußte auch Bülow mit gewissen Stimmungen rechnen,
wenn auch diese Stimmungen zu jener Zeit nur ge¬
sellschaftlich und gefühlsmäßig bedingt waren und sich
nur geltend machten, wenn es sich um die' Berufung
eines Juden in ein hohes Amt handelte. Jene glück¬
liche Zeit konnte noch nichts ahnen von der Wandlung,
die später in Deutschland eintrelen sollte. Sie wußte
noch nichts davon, daß einmal der Antisemitismus
wte eine Lawine das öffentliche Leben überschwemmen
sollte, alle Gebiete mit seiner Herrschaft erfüllen und
das Judentum mit der Verantwortung bepacken sollte
für alles Mißgeschick, von dem Deutschland betroffen
wurde.
Wenn einzelne Historiker jetzt die politische Be¬
deutung der Denkwürdigkeiten des Fürsten Bülow Her¬
absetzer wollen, indem sie ihm vorwerfen, daß er
durch sie nur den Zweck verfolge, sich selbst als
den reinen Engel darzustellen, alle seine Gegner aber
anzuschwärzen, so wird man einen solchen Vorwurf
mit. mehr oder minderem Recht wobl aHn Mo-
motrenschrewer erheben rönnen. J»/oe polrttsch han¬
delnde Persönlichkeit kann politische Vorgänge nur
aus feiner eigenen Perspektive sehen und der Berurteiler
muß das Gesamtbild sich zusammensetzen aus den
Aeußerungen der verschiedensten Richtungen. Wenn der
Professor an der Universität in Tübingen, Dr. I. Haller,
der schon zu Lebzeiten Bülows sein Gegner war, es
jetzt unternimmt, den geschichtlichen Wert der Denk¬
würdigkeiten d^s Alt-Reichskanzlers zu mindern, so ist
das eben eine Darstellung, die aus der politischen
Gegensätzlichkeit fließt. Derartige politische Gegensätze
lassen sich gegen alle historischen Veröffentlichungen
geltend machen, ohne daß der Wert dieser Veröffent¬
lichungen davon berührt wird. Bülow war eben keine
Natur, die wie Bismarck schrankenlos 'beim eigenen Urteil'
gefolgt ist, er war viel zu sehr ein europäischer Geist,
eine Persönlichkeit von umfassender Kultur, um nicht
in jeder Auffassung einen berechtigten Kern zu finden.
Seine Bildung und seine Grazie haben ihn zu einer
seltenen Erscheinung unter den deutschen Staats¬
männern der Vorkriegszeit gemacht. Wäre er bis
zum Ausbruch des Krieges im Amte geblieben, dann
stünden wir heute wahrscheinlich nicht vor den Trüm¬
mern des Bismarckschen Reiches, und auch der Anti¬
semitismus in Deutschland wäre nicht zu einer Welle
angewachsen, gegen die sich alle guten Geister bisher
vergeblich stemmen. Junius
Swol Juden erhielten den gvoften Staatspvels
- s ' " '"KH
Hans Feibasch
Bei der diesjährigen Verteilung des
großen Staatspreises der Preußischen Aka¬
demie der Künste wurden Hermann
B l u in e n t h a l und Hans Feibusch,
zwei jüdische Künstler mit den ersten Aus¬
zeichnungen bedacht. Hans Feibusch erhielt
den für Maler bestimmten Geldpreis, der
aus einem Betrag von 3300 Ml und einem
halbjährigen Stipendium für einen Auf¬
enthalt in Rom besteht, Blumenthal den
gleichen Preis für Bildhauer.
, Feibusch, der in Frankfurt lebt ist ein
Sobn des vor einigen Jahren verstorbenen
Zahnarztes Dr. Carl Feibusch, dessen Porträt
seine Künstlerhand in bewundernswerter
Feinheit schuf, steht im 33. Lebensjahr. Er
erhielt feine künstlerische Ausbildung in
München, Berlin und Paris und hält sich
nun seit fünf Jahren wieder in Frankfurt
auf. Zwar fehlen eigentliche jüdische The¬
men unter feinen Arbeiten, doch ist durch
eine Zahl recht beachtenswerter Bilder, die er
alljährlich in dem Chanukkah-Kunstmarkt der
drei Frankfurter Logen ausstellt, fein Name
auch dem jüdischen Publikum bekannt ge¬
worden.
Hermann Blumenthal
Blumenthal hat sich in seinen richtunggebenden bild¬
hauerischen Schöpfungen ebenfalls kaum mit typisch-jüdi-
scben Motiven beschäftigt. Sein Name als der eines
neue Wege suchenden uno ungcmein ^Zenll.Z,.,. Künst
lers wird jedoch von jüdischen Kunstfreunden seit langem
mit besonderem Stolz genannt, jeine Werke wurden hier
aufmerksam verfolgt und gewürdigt.
Es hat in weitesten Kreisen tiefe Befriedigung aus-
gelöst, daß junge und aufstrebende Künstler mit dieser
höchsten Auszeichnung, die das offizielle Deutschland zu
vergeben hat, geehrt worden sind.
jj- >. ifc-’.-i b r-' ä’riirfjKÜ
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