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JnMlHMtffti lamlllfitMtit
No. SS
Äeifevrtefe an das ^Israelitische Familienvlatt^
D») tW(t (&it)C(llt 0 C 1 ^ 0/2 M. Dauizir-New York
Am frühen Morgen legre unser Dampfer in Gi¬
braltar an. J
Wer vermag die Schönheit dieser Felffengruppe zu be¬
schreiben, wenn sie umhüllt von morgendHeye. Nebeln an
der Seeseite sichtbar wird! Welch unvergeßlicher Ein¬
druck, wenn diese Nebel sich allmählich/ li ht,n und das
gesamte Felsennest vor uns liegt!
Der Strom der Passagiere ergießt sich in die engen
Gassen, steigt auf die Berge, — ich aber gehe auf die
Suche nach Jude n. Ich wußte sehr weni z von den
Juden Gibraltars, — wenn ich die Wahrheit sagen soll,
eigentlich gar nichts. Ich wußte überhaupt nicht einmal,
ob dort Juden wohnen. Aber wo Zollen k- ine Juden
wohnen?
So versuchte ich denn, dar. Judeyoiertel zu finden,
um mit ihnen zu sprechen. Ich kon:^^ .-n einer Kirche
vorüber, eine enge Straße fiih-t zu «irrer niederen Tür,
düstere Lichter dämmern aus de ' Ha^bdun'>l d< s Kuppel¬
raumes, religiöse Gesänge tön n hinaus n die halb¬
finstere Gaffe, Orgelklänge veri-u-!,^-' r; ' : Menschen-
stimmen. Ich entschließe inich. .-i :?<*. ‘ :-utz nann zu
fragen, krieche aus der Enge hi, miu an einen kleinen
freien Platz, wo der englische Po:zi pch e- -schon am
frühen Morgen heißen Sonne des.? einen
Ich frage ihn, wo die Juden u> 'neu.
„Juden?" meint er, ohne zu - Erstehen, w.' ich will.
Er i|t Spanier und spricht nicht gi.t engltjeb.
Ich wiederhole: „Juden."
Er versteht mich nicht. Ich s ...
zu buchstabieren: „Juden". Es ?
machen.
So suche ich nach einem andc <■
ihm zu verständigen. „Wo i
frage ich. - . .
Aha, jetzt hat er verstanden. bTMtce x:u-
über sein wohlgenährtes Gesichts er -eig! seine
großen weißen Zähne und legt » fl'and grüße
Mütze zum Zeichen, daß er jetzt wohin ich
„Ein Quader nach rechts, ein !a " 1fs
werden Sic die Synagoge finden
>'i,
v e
Ich folgte seiner Weisung, n^ck
iinu-
erklären,
ihm zu
nich mit
1 oge ?"
en zieht
esunden
an die
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s, dann
n schon
stand ich vor einein kleinen äell gest. ichenen ^ »bände.
Das Gäßchen, in dem es lieg» isi lch-.na! und ru >ig, die
Fenster der Häuser, soweit sie stach ,-e- ^traße geh n, sind
geschlossen, keine lebende Seele' ist zu je ml T- Häuser
scheinen von ihren -Bewohnern nerla ,en, , in großer
Garten am Ende der Gasse j * c|ir i sie der • brigen
Stadt. Eiserne Gitter schließenEsi ich de anderes Seite
die Außenwelt ab. Bor den Fen e-r ranken s' viele
Blumen, einige Cypressen winken e ist in den >lä!ien
Himmel.
Ich warte lange, bis jemand koi.u Endlich eucheint
ein kleiner Junge, ich halte ihn an » ne trage aus englisch^
,.I think ymi «re a jewi-ih hoy^*'
,A cs. Si r!"
Der Junge ist etwa 30 Jahre, er ■ e>n rundes, wohl¬
genährtes Gesicht, edics Aussehen, uv -tci.i nc. »uen.
funkelnde schwarze Augen, eben so ein rntst'ges jyin. nthl-
fches jüdisches Kind.
„Bist du in Gibraltar geboren?"
„Ycs, Sir!"
„Und deine Eltern,
„Ich glaube, »tein Bater kam vor' tti ^oon hi 'her,
aber ich weiß es nicht genau, hier
Mutter!"
„Und woher kannst du englisch?"
„Englisch? Nun, in der Talmnd-
wir doch englische Stunden."
Ich erkläre ihm. daß ich gern zu
und er führt mich vor den kleinen
i) ä T
"tc i"
eine
ben
hte,
icht
wesentlich von den übrigen Häusern unterscheidet. Schon
als wir nock draußen standen, hörten wir singende Kinder¬
stimmen. An der Tür erst fiel mir ein, dag es Sabbath sei.
Schon erscheint ein Mann in der Tür, streckt mir die
Hand entgegen: „Scholaum Alechem!" — „Alechem Scho-
laum!" und führt mich in die Synagoge hinein.
Es ist ein kleiner Raum, nur wenige Bänke darin,
kaum Platz für ein paar Dutzend Leute, ein Tisch, ein
Schrank der als Oraun Halaudesch dient, mit einem ganz
neuen Porauches. Die SeierThora liegt aufgerollt auf
dem Tisch, ein Knabe stehr »avor und liest den Wochen-
abschnittl Auf Bänken sitzen Kinder mit Chumesch und
Gebetbüchern und folgen aufmerksam der Vorlesung. Die
Männer, die anwesend sind, nicht einmal ein ganzes Min-
jan, gehen zwischen den Ki dern hin und her und helfen
ihnen, wenn sie nicht folgen können.
Ich stelle mich in eine Bank neben einen alten Juden
mit langem weißen Bart u, o sonnverbranntem Gesicht
und versuche, mich mit ihm zu unterhalten. Zuerst spreche
ich ihn auf hebräisch an, aber er versteht mich nicht und
antwortet mir in schlechtem Englisch, dem einige hebrä¬
ische Worte beigemengt sind. Die anderen Männer, fast
alles ältere Leute, kommen hinzu und mischen sich in das
Gespräch, die Gesichter alle dunkelbraun von der stechenden
Sonne, die hier auf sie hernieoerstrahlt, fast schwarz, die
Augen glänzend schwarz »vie Kohlen, ihre Bewegungen
sind langsam und würdevoll. Nur einer von ihnen ist jung,
ein frischer Flaumbart sproßt ihm ums Kinn, ein Mann
voll Energie und Lebhaftigl ir.
„Habt ihr eine große Gen?inde?" frage ich.
„In Gibraltar wohnen e-wa 900 Juden", antwortet
mir der junge Mann, mit Nennen Pohaman Enamias.
„Es ist eine alte Gemeind.", sagt ein anderer.
„Wie alt?" frage ich.
„Ungefähr 200 Jahre."
Nun reden sie alle durcheinander. „Alle sind wir von
Portugal, Marokko und Bagdad hierhergekommen, aschkeir-
nsische Juden gibt es hier nicht."
„Oh, die Aschkenasim haben gar kein Interesse für uns",
sagt einer, und seine Stimme tönt dabei wie von resignier¬
ter Trauer. „Zehntausende von Schiffen kommen nach
Gibraltar, und unter ihren Passagieren gibt es viele asch-
kenasische Juden —, aber niemals besucht uns einer. Sie
sind der erste seit langem, der sich nach uns umschaut.
Wieviele Juden sehen wir, die von den Schiffen kommen
und die Stadt besuchen, sie sprechen mit den Engländern,
Spaniern, Arabern —, um uns kümmern sie sich nicht.
Sie lassen viel Geld hier, aber keinen: einzigen fällt cs
ein, einmal unsere Synagogen aufzusuchen."
„Habt ihr auch eine Jeschiwoh, eine Schul?" frage ich.
„Oh ja, hier in diesem Gebäude, kommen Sie nur mit!"
Wir gehen durch die Frauenabteilung, genannt „Esras
Nosdiiim“, die durch einen Vorhang vom Hauntraum ge¬
trennt war. Einige wenige Frauen saßen.da mit Gebet¬
büchern in der Hand und beteten eifrig, auch ihre Gesichter
dunkel, fast schwarz. die Köpfe umschlungen von großen
schwarzen Tüchern, metsr aire grauer. aver amh el'-jgc
jüngere darunter.
Eine Tür führt in ein großes. Helles Zimmer, dessen
Fenster nach einem Garten gehen. An der Tür ein
Metallschild „Jesdiiwo AurThauro“. Große alle Schränke
decken die Wände. Mit Stolz öffnen sie die Türen, und
ich greife nach den alten Büchern, Drucke aus Livorno,
aber auch aus Wilna, jahrhundertalte Ausgaben von
Tenach, viel Kabbalistik, einige Sätze des babylonischen
Talmuds.
„Wer unterrichtet hier?"
„Oh, wir haben viele Chachomim", lautet die Antwort,
„einen Rabbiner haben wir aber augenblicklich nicht. Bis
vor zwei Jahren amtierte hier ein Rabbiner aus Marokko,
ein fehr gelehrter Mann, aber feit er gestorben ist, habe.,
wir nur noch einen Dajan und viele Chachomim. Die>e
Chachomim sind gleichzeitig Schochtim, denn man legt hier
noch großen Wert auf die Beobachtung der Speisegesetze."
„Wie ernähren sich hier die Juden?" frage ich.
„Viele sind Handwerker, manche kleine Handelsleute,
aber die meisten arbeiten im Hafen, beladen die Schiffe.
Im Hafen gibt es immer Arbeit. Man verdient dabei
00 bis 05 Chilenen am Tag, davon kann man leben."
Pohaman führt mich dann zu einer anderen Synagoge,
die nicht weit von dieser steht. Sie ist bedeutend größer,
die polierten Bänke tragen Messinaschilder mit den Namen
der Platzinhaber, ein prunkvoller Oraun Hakaudesch bildet
den Schmuck der Ostwand, eine große Galerie, die Frauen¬
abteilung, läuft um den Raum herum. Trotzdem im Augen¬
blick kein Gottesdienst stattfindet, sind einige Leute da,
die still auf ihren Plätzen sitzen und Tehillim sagen.
Auch den Dajan der Gemeinde treffe ich hier. Er heißt
Rabbi B e r a j i a h u und stammt aus Marokko. Pohaman
stellt mily ihm vor, und er begrüßt mich in fließendem
Hebräisch. Aber ebenso perfekt spricht er Englisch. Sein
Hauptinteresse gilt den Sephardim in New Park, ich muß
ihm alles erzählen, was ich je über sie gehört habe.
Dann lädt er mich ein, zu ihm zum Effen zu kommen
und ruht nicht eher, bis ich ihm Zusage.
„Und wie leben hier die Juden?" frage ich.
Der Rabbi streicht über seinen langen Bart, überlegt
sich lange die Antwort, als ob viel davon abhinge, und
sagt:
„Nun, Gott sei Dank, wir leben hier nicht schlecht, wir
haben sogar viele reiche Leute in der Gemeinde. Früher
freilich, als Gibraltar noch spanisch war, mar es schlimm
für uns? Draußen auf dem Wege nach dem Gebirge liegt
ein alter Friedhof, und die alten Grabsteine erzählen uns
viel Geschichten von Leiden und Verfolgungen. Aber heute,
Gott sei Dank, unter der englischen Herrschaft, ist es bester."
„Sind die Juden hier noch fromm?"
„Fromm? Nun, viele. Manche aber haben auch schon
ihre Geschäfte am Samstag geöffnet. Die Jugend geht
ihre eigenen Wege, und besonders schwer haben wir es
mit unseren Töchtern."
„Wieso?" frage ich.
„Es fehlt an Männern! Ich selbst habe zwei hübsche
Töchter, schön wie der Mond, Sie werden sie bald kennen
lernen, aber Schwiegersöhne kann ich nicht finden."
Ich verabschiedete mich, mußte ihm nochmals ver¬
sprechen, ihn in seinem Hause aufzusuchen, und ging wieder
auf die Straße. Eine ganze Menge Leute begleitete mich,
fast alle schwarz, und wollte m:ch kaum gehen lassen.
Draußen komme ich an einem kleinen Laden vorbei.
Der Strom von Touristen hatte inzwischen auch die ab¬
gelegene Gaffe gefunden, und ein kleiner, schwarzer,
schwächlicher Mann, anzusehen wie ein Araber, steht <u:
der Schwelle des Ladens und sucht die Schifsspassagiere
am Rock hereinzuziehen. Er sieht kaum aus wie ein Jude,
wenn nicht seine tief leuchtenden schwarzen Augen: gewesen
wären. '
Er bemerkte, daß ich ihn bnsah, und rief:
„oie glauben wohl nicht, oaß ich ein Jude bin?"
«chon öffnet er seinen Rock und zeigt mir seine Zizzks
mit den Arba Kanfaus, Meine Ehrengarde begleitet mich
weiter durch Straßen und Gäßchen, führt mich schließlich
nach Linia de la Conception, einem spanischen
kleinen Dörfchen an der Grenze. Es war ein Unterschied
wie Tag und Nacht gegen das englische Gibraltar. Ekel¬
hafter Schmutz lag aus den Straßen, nicht die geringsten
Zeichen von Kultur zu sehen.
Da erst erkannte ich den Unterschied zwischen dem eng¬
lischen und dem spanischen Gibraltar.
„Wir leben in England", sagten meine Begleiter stolz,
„wir sind Engländer, da sehen Sie Spanien!"
Vevftummtr Stimm» »<
Wev
Oskar H, Schmitz zum C e
Mit Oskar H Schmitz ist der letzte
guten alten Schwabiuger Boheme dab
Traditionsverbundenheit erforderte id
gesellschaftlichen Libertinismus. Litera
dieser Weltanschauung wurde der Re
Frauen erwachen. " (später „Bürger
nannt), wurde vor allem das effayjch
genehmer Reaktion. „Brevier für Wklll,
ihn mit einem Schlag berühmt machte
Die späteren Werke, über 20 Bände
Reisebiicher, politische Effaybände. die st
Krieg und Nachkrieg auseinandersetzten
Popularität erlangt. Deswegen, aber -in
Aeußerungen über Juden und Juden'
Stimmen „von: anderen Ufer her
einiges, was er über u n s sagte, hier an
*
„Was in aller Welt haben die Jude.,
tun. sie gehören nach Asien!" Der so sre
vergißt, daß es der Kaiser der Gojim wu.
stadt der Juden zerstört und ihr Land oc.
treten als ein durch unsere Schuld veiir
unsere Geschichte ein. ^
Das Ghetto ist aufgehoben. Alte Bor
völkerung können aber nicht gefehlt "»je
Sie werden erst fallen können, we . '
rvescnhaftes Sein zeigt, das über: , gl
>, .en,
; gen.
eiche
r: zens
f liche
sei
Verwandlung ist der Sinn all,
buch der jüdischen. ^
Ob der Zionismus incuschlich
eine reaktive Bewegung ,st. sieb
Jedenfalls ist er ein wirk ames
Ideale liegt nicht jo sehr in ihr
chrer Fähigkeit, den.Menschen übe
zu erheben. Dies vermag der Z
leisten. Es ist dah,, nicht einzuse
zionistischen Juden, der«..ne euro»
kcit besitzt, anders behak.oeln soll
sierten Ausländer, der -einem
dabei aber seine fremde Kittturtra
Elemente wirken nicht zcrvtzcnd, so
religiös
Ii!chäz,-,„h oder nur
’icr n in Frage.
. Wert der
.eit als in
: fl 'e/ivt. Nwean
!sm: ebenfalls zu
m, lv. i man inen
ltszugeyirig-
alsnatiirali-
taat rpilichtel hat,
tion hält -alcho
aern -ccherux Das
gilt ganz besonders von naturalisierten Eliten, wie etwa
die Hugenotten waren. Eine solche sind auch die Zionisten.
*
Es ist tatsächlich gleichgültig, zu welcher politischeil
Gruvpe man gehört, wenn man in jeder seine nationalen
Werte frei verkörpern darf. Dann haben Minderheiten
sogar die fruchtbare Aufgabe. Brücken zwischen zwei Kul¬
turen zu bilden. Ist die Kultur des Staatsvolkes an¬
ziehend genug, so werden freiwillig viele in sie eingehen,
während andere an eigner Tradition festhalten. Als
nationale Minderheit, wenn auch nicht an ein bestimmtes
Gebiet gebunden, sind mm die Juden zu betrachten.
*
Sowohl bei den gläubigen, wie bei den zionistische,:
Juden stößt man auf ein substantielles menschliches Sein,
nicht aus menschliche Zufallsprodukte, die ans Mangel an
Substanz in der „Äcenschheit" aufgehen möchten. Die Folge
davon ist, daß sie auf Nichtjuden oft so „unjüdisch" wirken.
Einen solchen Eindruck machte z. B. der große rabbinische
Denker Leo Baeck auf zwei Tagungen der „Schule der
Weisheit" in Darmstadt.
«teilte «nnftndtftcicftten
Das Carnegie-Institut in Pittsburgh eröffnete
seine 00. internationale Ausstellung von Kunstwerken unse¬
rer Zeit. Unter den von der amerikanischen Jury aus-
gewählten deutschen Werken befinden sich Bilder der jüdi¬
schen Künstlerin Charlotte Berend-Corinth.
*
In dem von Jugoslavien ausgeschriebenen Architektur-
Wettbewerb um das Jüdische Krankenhaus in Zagreb
wurde den deutsch-jüdischen Architekten Joseph e u f e I ö
und Sigismund Ochs der Preis erteilt.
*
Bei Paul Graupe. Berlin, findet die Versteigerung
der nachgelassenen Handzeiä^nungssammlung Oskar H u l d-
s ch i n f kstat! Sie' enthält u. a. die Studienblätter zum
Dresden, r „Ju >enfriedhof" von Jakob van Ruisdael.
*
Der Kunstt lon Marta (0 ü r t e l. Berlin, brachte eine
Ausstettirmg v. n Sala Schwarz, in der insbesondere
s Bi
_ Eine Reih jüdischer G"mälde mit Motiven aus dem
Osten, von dem Maler I. D. K ' r s ch e n b a u m , ist in der
Galerie Weber, Berti::, ausgest-ltt.
LttsvavlMo»
jüdische ''
jüdischen
rts, darunter das Bildnis des bekannten
ers Leo Gollanin. enthalten waren.
Die Gate• ! G » r. itt, Berlin, zeigt gegenwärtig eine'
Ausstellung d r jüdstchen Malerin Lotte L a s e r st e i n.
M. Birnbaum: Schi re S :r. Rezitatioe mtt
und ohne Begleitung für de.: israelinsiM. n Gottesdienst
(Berlin, Selbstverlag).
Seit Sulzers „Schir Zion" vor etwa 90 Jahren die
Musik des jüdischen Gottesdienstes auf ein hoh^s. Kunst-
inveau stellte, versuchte eine Flut von Nachstredcnden
dieses Niveau mit größerem oder kleinerem Erfolg zu e-
halten, das weite Gebiet je nach heimischer Art und Ze:»-
strömung noch mehr zu erweitern, dem künstlerischen Juwel
immer mehr und neue Facetten zu geben. Dennoch fehlte
es inmitten dieser reichen Literatur nicht an Werten, die
sich darauf beschränkten, das „Alte" zu fixieren, die unver¬
gängliche und unvergleichliche Schönheit der jüdischen Tra
dition der Nachwelt zu erhalten. Von Zeit zu Zeit drängt
es immer wieder einen Synagogenkompon:ften, traditio¬
nelles oder im Geiste der Tradition geprägtes „Chafonus"
der freudig aufhorchenden Fachwelt zu schenken. Um von
vielen Namen nur wenige zu nennen: Kaschtan. Baer,
Aron Friedmann.
M. B i r n b a u m. ehemals Oberkantor in Halberstadt
und Wiesbaden, stellt sich in diese Reihe mit feinem eben
erschienenen Buch „Schi re Sin: roh", das merkwüo
digerweife den gleichen Namen trägt, wie das Sammelh
werk des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbande^.^
Birnbaum, dessen Name in der Fachwelt eine Verpflich¬
tung bedeutet, schöpft aus reicher Erfahrung, aus einem
sprudelnden Quell von Kenntnissen. Phantasie und Emp¬
findung. Das Wertvolle, wirklich Wertvolle in seinem
Werke sind die für den Kantor bestimmten Rezitativei die
„Begleitungen" können strengerer kritischen Betrachtuna
nicht immer standhalten, dürften auch weniger für die
„Awoduth hukixiesdi" als für den xonzertgebrauch ge¬
dacht fein, oder als Unterstützung für häusliche Uebung
Birnbaums Spezialität ist das reiche, farbige, von El-
fiuduna und Empfindung durchflutete Rezitativ wie cs
die großen ostjüdischen Chasonim dargeboten. Wohl spricht
e-t in der Borrede von seiner Tendenz, „oft- und westjüdi-
schen Gesang zu einem gesamtjüdischen Gesang zu verein:
gen", doch in dieser Synthese überwiege der „Hauch von
ostjüdischer Urwüchsigkeit und Beweglichkeit" so sehr, daß
er oft und oft zum Stnrinc anwachsend den anderen Be»