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Jahresbericht.
1853 .
-^ie cm Freund in der Noch erkannt wird, so die Wohlthätigkeit in bedrängten Zeiten. Wir haben
dies, zu unserer Freude, und zum Tröste derer, welchen unsere Wirksamkeit gilt, inr vergangenen Jahre wieder
erfahren. Das Herz der Armen ist in Nothjahren ein See voll bittcrn Wassers, doch süßes Wasser ist der Dank,
welcher geläutert aus demselben zum Himmel emporsteigt. Wir führen ihn als eine Quelle der reinsten Freude
edlen Gebern und Geberinnen zu, daß er auf's Neue das gesegnete Land der Wohlthätigkeit befruchte.
Es war uns vergönnt, im vergangenen Jahre, in regelmäßigen und außerordentlichen Unterstützungen, die
Summe von fl. 3092 . 23 kr., also fl. 1031 . 43 kr. mehr als im vorhergehenden, und fl. 2738 . mehr als im
zweitvorhergehendcn Jahre zu verausgaben.
Außerdem hat uns ein Menschenfreund, dessen Bescheidenheit uns verbietet, seinen Namen zu nennen, in
den Stand gesetzt, vier Monate hindurch wöchentlich achtzig dreipfündige Laib Brod zum Preise von
7'z kr. mittelst Brod karten verabreichen zu können, eine Handlung, die uns zu innigem Danke verpflichtet.
Ebenso hat das löbliche Comitv, welches sich die Anschaffung verschiedener Lebensmittel zum Ziele
gesetzt, um solche an hier wohnende Israeliten, welche sich an dasselbe wenden, zur Hälfte des kostenden
Preises abzugeben, auf Antrag unserer Pfleger, welche Mitglieder desselben sind, beschlossen, von der ihm durch
den bewährten Wohlthätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen anvertrauten Summe von fl. 2343 ., nachdem der
Bedarf von Kartoffeln und Hülsenfrüchten angeschafft ist, zunächst eine Summe von fl. 400 . für Brodkarten »
7 Vr kr. per dreipfündigen Laib zu bestimmen, und die Vertheilung durch unsere, mit den Armuthsverhält-
nissen vertraute Pfleger geschehen zu lassen. Wir fühlen uns lebhaft gedrungen jenem Comitö sowohl, als na¬
mentlich den edlen Gebern, welche dasselbe so reichlich unterstützten, und dadurch uns die Wohlthat vermittelten,
die Kräfte unserer jungen Anstalt in diesem Nothjahre mehr, als sonst möglich gewesen wäre, schonen zu können,
hiermit unseren tiefgefühlten Dank öffentlich auszusprechen.
Unser Capitalfonds hat in diesem Jahre die Summe von fl. 16 , 483 . 26 kr. erreicht — ansehnlich,
beim Hinblick auf die kurze Zeit des Bestehens unserer Anstalt (1845), doch in der That noch sehr unbedeutend,
im Verhältnisse zu unserer Gemeinde, und beim Gedanken an die Zukunft, auf welche, bei Anstalten wie die
unsere, immer vorzüglich Bedacht genommen werden muß. Möge daher Allen, welche in menschenfreundlicher Ge¬
sinnung nicht bloß die Gegenwart zu gütiger Fürsorge, sondern auch die Zukunft zu weiser Vorsorge im Auge
behalten, unser Fonds, insbesondere bei Stiftungen und Vermächtnissen, angelegentlichst empfohlen sein. — Wir
danken Allen aus Herzensgrund, welche uns auch in vergangenem Jahre zu diesem Zwecke Legate oder Geschenke
zugewiesen, und freuen uns, auch in diesem Berichte wieder ein größeres Geschenk von Eintausend Gulden,
welches wir von unserem edlen Mitbürger Herm B. H. Goldschmidt empfangen, und dem Capitalfonds
zugewendet haben, verzeichnen zu können. —
Unser Augenmerk ist unablässig dahin gerichtet, die Wirksamkeit unserer Anstalt zu heben, wovon unsere
revidirten Statuten, deren Hinausgabe durch verschiedene Hindernisse bis jetzt unterbleiben mußte, Zeugniß
ablegen sollen. Möge daher unsere Anstalt mehr und mehr als der Sammelpunkt der Kräfte, als Mittelpunkt
der Wohlthätigkeit in der Gemeinde betrachtet >verden! Unsere Pfleger sind stets bemüht, den Würdigen in
würdiger Weise beizustehen, und das Ehrgefühl, diese edle Wurzelfaser zu künftiger Sclbsterhebung, möglichst zu
schonen. Da jedoch dieses Ehrgefühl oft ein so unnahbares Jnsichzurückziehen einer gedrückten Seele bewirkt, daß
ehrenhafte Familienväter in schweren Lagen lieber das Schrecklichste erdulden, ehe sie ein Geschenk annehmen,