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Miszellen
Zur Moses Mendelssohn-Bibliographie.
Zu Zeitschr. I, S. 288 f., verweist uns
Dr. Hermann Meyer, Berlin, darauf,
daß nach Gustav Partey: Die Mitarbeiter
an Friedrich Nicolais Allgemeiner
Deutschen Bibliothek, Berlin 1842, S. 18,
Mendelssohn nur unter folgenden
Chiffren schrieb: © (in Bd. 1—6,
1765—176S), Q (in Bd. 7—12,1768—1770)
und Am (in Bd. 13—18, 1770—1772),
während das Signum 33* (das. S. 4,34)
dem Rector Crome in Lüneburg ange¬
hört, dessen Rezensionsgebiet orienta¬
lische Literatur war. Wenn auch Par-
teys Angaben nicht immer ganz zu¬
verlässig seien, so verdienten sie in
diesem Falle Beachtung, da Mendels¬
sohn niemals über orientalische Lite¬
ratur, dem Hauptinteressengebiet der
„Bützowischen Nebenstunden", in der
ADB. geschrieben hat. Diese Re¬
zension ist auch in die von G. B.
Mendelssohn herausgegebenen „Ge¬
sammelten Schriften" Moses Mendels¬
sohns, Leipzig 1843—45, nicht mitauf¬
genommen worden (vgl. Bd. 4, Abt. 2,
S. 461—564). Irgendein Beweis dafür,
daß die betr. Rezension tatsächlich, wie
Tychsen vermutet, von Mendelssohn
stammt, sei somit aus dem gedruckt
vorliegenden Material nicht zu er¬
bringen.
Ausländische Juden im Kirchenstaat
während der Revolution 1848/49.
Wenn ich an dieser Stelle auf das
Kapitel „Ebrei esteri" meiner Ab¬
handlung „Gli israeliti dello Stato
Pontificio e la loro evoluzione po-
litico sociale nel periodo del Risorgi-
mento Italiano fino al 1849", er¬
schienen in der Rassegna Storica del
Risorgimento Italiano, Fase. 4°, 1929,
hinweise, so geschieht es in der Hoff¬
nung, daß von kompetenter Stelle wei¬
tere Notizen über einige der dort er¬
wähnten Persönlichkeiten gesammelt
werden.
Wohl um den Fremdenverkehr, auf
den der Kirchenstaat seit Jahrhunderten
als eine seiner Haupterwerbsquellen
angewiesen war, nicht zu schädigen,
war den außeritalienischen und selbst
den aus anderen Orten des Kirchen¬
staats sowie aus anderen Staaten Ita¬
liens stammenden Juden nicht vorge¬
schrieben, im Ghetto von Rom, auf
welches die daselbst geborenen Juden
beschränkt waren, zu wohnen. Uebri-
gens ward von den Behörden des
Königreichs Neapel, wo nach den Ge¬
setzen kein einziger Jude Wohnsitz
nehmen durfte, den auf der Durch¬
reise begriffenen gegenüber, wohl aus
dem angegebenen Grunde, mit gleicher
Liberalität verfahren.
War dagegen ein ausländischer Jude
politisch verdächtig, so suchten
natürlich beide Regierungen seinen Ein¬
tritt in den betreffenden Staat zu hin¬
dern, oder ihn, falls bereits erfolgt,
zur Ausweisung zu schreiten.
Um seinem Eintritt in den Kirchen¬
staat vorzubeugen, wurde im Oktober
1838 der Name des Juden Isidor Schle¬
singer vom Gouverneur Roms seinen
Untergebenen mitgeteilt. Als seine
Heimat wird Frankreich angegeben,
aus welchem Lande er wegen politi¬
scher Vergehen verbannt wäre. Sein
Name läßt"vermuten, daß der Träger
ein deutscher, etwa elsässischer Jude
war. Ebenfalls seinem Namen nach
stammte aus Deutschland, wenn auch
vielleicht in Schweden, und zwar
Stockholm geboren, der als Stuck¬
arbeiter bezeichnete Carl Lamm.
Während des Feldzuges von 1848 im
Venetianischen gegen Oesterreich ge¬
hörte er mit dem Ehrengrad eines Ma¬
jors zum Generalstabe des piemon-
tesischen Generals Durando und war
eng mit dem dort kommandierenden
Herzog Filippo Lante befreundet, in
dessen Palast zu Rom in Via della
Croce No. 85 er noch bis 1851 wohnte
und an republikanischen Zusammen¬
künften, zu welchen auch ein Jude
aus Pesaro namens Foliquo gehörte,
teilnahm.
Als nach Ermordung des päpstlichen
Premierministers Pellegrino Rossi am
16. November 1848 von der römischen
Bürgerwehr und den Soldaten, welche
am Feldzug gegen Oesterreich teil¬
genommen, die Kanonen auf die päpst¬
liche Residenz im Quirinalpalast ge¬
richtet wurden, hatte auch Carl Lamm
sich unter den gefährlichen Demon¬
stranten befunden. Dieser Umstand,
welcher ihn, ebenso wie die anderen,
politisch genügend kompromittierte,
führte dann im Februar 1851 zu seiner
Ausweisung aus Rom. Was sein Vor-
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