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sei auf Borodianskis Einleitung zum
XVI. Band der Gesaratausgabe ver¬
wiesen. Am Schlüsse ist ein Pro-
memoria Mendelssohns über ein
Schiedsgericht, dem er selbst ange¬
hörte, angefügt. Ein Brief Mendels¬
sohns an Naphtali Herz in Dessau,
den Vater des Leipziger Kaufmanns
Herz Elkan, dessen Sammlung von
Mendelssohnbriefen mitverwertet wur¬
de, ist reproduziert.
Die „Jiddischen Briefe der Familie
Lassalle", (p. 347—374), die von dem
bekannten Lassalleforscher Gustav
Mayer im Nachlasse des Arbeiter¬
führers entdeckt wurden, unterrichten
in hochinteressanter Weise über die
Herkunft des großen Sozialisten. Die
Einleitung stammt von E. Tscheri-
k o w e r ; Gustav Mayer schrieb da¬
zu eine Notiz über Lassalles Ab¬
stammung. Wir werden dabei mit nä¬
heren Einzelheiten, insbesondere über
Lassalles Großvater Feitel Wolfsohn
aus Benin (Oberschlesien; daher auch
Feitel Braun oder Benin), einen ge¬
lehrten Getreidehändler und Pächter
bekannt gemacht, dessen Frau der Fa¬
milie Oppenheim entstammt, ferner
über Lassalles Vater Chajim Hey¬
mann aus Loslau, der neben tradi¬
tioneller Erziehung auch weltliche
Bildung genossen hatte. Während der
Großvater einem noch unverfälschten
ostjüdischen Milieu entstammt, schreibt
der Sohn bereits deutsch mit jiddi¬
schen Lettern. Die Briefe bestätigen
und ergänzen die von Brann in der
Monatsschrift für Geschichte und
Wissenschaft des Judentums (1918,
S. 270—274) ausgesprochene Ansicht
über Lassalles Herkunft. Mehrere
Briefproben und der Ehevertrag der
Großeltern Lassalles sind faksimiliert.
Auf amtlichen preußischen Ma¬
terialien, nämlich den Mitteilungen der
Konsistorien an das Preußische sta¬
tistische Büro über Täuflinge vom
Jahre 1817 an, fußt A. Menes Ab¬
handlung über „Die Taufbewegung in
Preußen in der ersten Hälfte des 19.
Jahrhunderts" (Sp. 375—404). In den
Jahren 1812—1821 betrug die Zahl der
Taufen in Preußen 763, 1822—1831:
1274, 1832—1841: 1153 und 1842—1846:
581, insgesamt also 3771. Die jüdische
Bevölkerung zählte 1816: 123 823,1821:
141562 Seelen. Fast die Hälfte jener
Täuflinge stammte aus Brandenburg,
davon der größte Teil aus Berlin. Am
250
geringsten war die Beteiligung der
Provinz Posen. Sehr aufschlußreich
sind die Angaben über die soziale
Schichtung der Täuflinge, die durchaus,
nicht allein den höheren, sondern viel¬
fach auch den proletarischen Schichten,
entstammen, während der Mittelstand
nur gering vertreten ist. In den Gro߬
städten nahmen meist Angehörige der
Intellektuellenschicht die Taufe an. Be¬
sonders häufig ist die Taufe von
Kindern jüdischer Eltern gleich bei
der Geburt festzustellen. Da vomi
Jahre 1836 an die Motive der Taufe,
sonst auch Personalien und Familien¬
verhältnisse meist angegeben werden,
gestattet das Material einen guten,
wenn auch nicht erschöpfenden kul¬
turhistorischen Einblick in einen Teil,
der jüdischen Bevölkerung Preußens.
Aus der Sammlung der Dokumente
gehören in unser Gebiet Wach¬
steins „Schewua chamura al Bar¬
don" (Sp. 703—706), der bei der
Zahlung der Konsumsteuer Pardon
(Bardon) abzulegende Eid. Die von
dem Verfasser vorgeschlagene Ab¬
leitung des Wortes Pardon vom mittel¬
lateinischen pardona = Steuer ist von
allen bisherigen Vermutungen die
wahrscheinlichste.
Saul Chajes veröffentlichte das.
erste Protokoll der Wiener jüdischen.
Gemeinde aus dem Jahre 1784, (Sp.
707—716), das sich mit verschiedenen
Gemeindefragen (Friedhof, Mazzoth,.
Koscherfleischpachtung) befaßt.
Von den in deutscher Sprache ab¬
gefaßten Dokumenten nennen wir noch
die aus dem Jahre 1848 stammende
„Adresse der galizischen Juden an
die hohe Reichsversammlung inWien" :
(veröffentlicht von M. Balaban,
Sp. 741—746); ferner „Eine Thräne
am Grabe des verewigten Rabbiners
Abraham Kohn", der auf Anstiften
orthodoxer Fanatiker im Jahre 1848-
in Lemberg vergiftet wurde, (Gedicht-
von Josef Blumenfeld, ebenfalls von.
Balaban veröffentlicht, Sp. 748—750);
ein „Lob- und Danklied der Juden¬
gemeinde in Mohilew beim Einzüge-
Ihrer Kaiserlichen Majestät Käthe--
rina IL, Selbstherrscherin aller Reußen,
im Jahre 1780" (auch hebräisch, ver¬
öffentlicht von P. Kohn, Wilna, Sp.
757—760) und endlich ein von dem.
Wiener Hause Rothschild für den
Kaiser Nikolaus I. bestimmtes „Me-.
morandum über den Zustand der Is-