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kann. Literaturstudium und Erkundigungen, die Verf. bei einigen in Betracht
kommenden Personen angestellt hatte, das sind die Quellen für diese streDg
wissenschaftliche, der praktischen Kenntnis des Landes gewidmete Unter¬
suchung.
Im 1. Kapitel behandelt Verf. die physikalischen Grundzüge Galiläas:
Begrenzung und Gliederung des Untersuchungsgebietes, die geologische Beschaffen¬
heit des Landes, die Erscheinungsformen des Flüssigen und Festen, die Frucht¬
barkeit und Vegetation. Bei der Schilderung der geologischen Verhältnisse des
Gebietes fällt es auf, dass Blanckenhorn's Arbeiten, der sich doch Lartet in der
Richtigkeit der Auffassung des geologischen Aufbaues des ganzen Landes am
meisten nähert, keine Erwähnung fanden. Im 2. Kapitel beschäftigt sich Verf.
mit den Wirtschafts- imd Bevölkerungsverhältnissen Galiläas. Aus diesem Kapitel
erfahren wir über die „geographische Bedingtheit der Gemischtheit der Bevölkerung".
Der Ueberblick über die Geschichte der Besiedlung und über die Zusammen¬
setzung der heutigen Bevölkerung ist leider bei weitem nicht vollkommen, was
sich daraus erklärt, dass die speziell wirtschaftlichen Fragen moderner Zeit, wozu
auch die Siedlungsfrage gehört, in der dem Verf. zugänglich gewesenen Literatur
sehr wenig berücksichtigt wird. So weiss Verf. von den in neuester Zeit errichteten
jüdischen Ackerbaukolonien nur „Jesud ha-ma c ale" amHule-See zu nennen, während
die bedeutenderen Rosch-Pinah, Metulle und die um den Tabor liegenden Mes'ha,
Yemma etc. nicht genannt werden. Wenn auch die Nichterwähnung dieser
Kolonien nichts an den Schlussfolgerungen des Verf. ändert, da die Kolonien
sich doch grösstenteils an den Orten früherer arabischer und drusischer Dörfer
aufbauten, so wäre ihm doch die genauere Kenntnis dieses gerade in Galiläa in
der letzten Zeit bedeutend zunehmenden Bevölkerungselements für seine allge¬
meinen Voraussetzungen über die Zukunft des Landes sehr nützlich.
Die wechselvollen Verschiebungen der Wirtschaftslage des Landes während
seiner vielhundertjährigen Geschichte werden im Laufe dieses Kapitels geschildert
und die heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse: Ackerbau, Gartenkultur, Weide¬
wirtschaft auseinandergesetzt. Mit Recht macht Verf. auf die grössere Bedeutung
der Gartenkultur in diesem Gebiete aufmerksam, was speziell bei den bedeutenderen
Niederlassungen, die von grossen Olivenhainen umgeben sind, wie z. B. er-Räme,
besonders zutrifft. Sollte es nicht ein Fingerzeig für unsere neuen Ansiedlungen
in Galiläa sein, die sich vorläufig ausschliesslich auf den Ackerbau verlegen? —
Die Bevölkerungsverhältnisse Galiläas in seiner Blütezeit beurteilt Verf. sehr
günstig. Er nimmt an, dass es 120 Einwohner auf 1 qkm hatte, während es
jetzt etwa ein Viertel davon besitzt. Dabei ist nicht zu vergessen, dass Galiläa
der am besten bevölkerte Teil Palästinas ist.
Es würde uns zu weit führen, wollten wir hier im einzelnen den überaus
reichen Inhalt dieses fleissigen Werkes, wenn auch nur in wenigen Hinweisen,
angeben. Wir müssen uns auf die Inhaltsangabe der Kapitel allein beschränken.
Das 3. Kapitel behandelt die Verkehrswege (Verkehr zu Wasser, zu Lande, die
einzelnen Strassenzüge: Karawanenstrassen, die Wege des Lokal- und Binnen¬
verkehrs, die Fahr- und Schienenwege).
Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit den Ansiedlungen : Ueberblick über die
Siedlungen, Entstehung der Siedlungen, Einfluss der physikalischen Bedingungen
auf das Siedlungswesen im einzelnen usw. Wir wollen nur noch zum Schluss folgende
höchst interessante Aeusserungen des Verf. anführen: „Nach dem Urteil aller Sach¬
verständigen kann das Land aber wieder werden, was es einst war, ein Garten Gottes,