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steht, reicht die Produktion -für den inländischen Bedarf nicht aus. Als Spe¬
zialitäten gelten eingemachte Tomaten, Paprika, Eierpflanzen, sogen, grüner
Kaviar (das breiige Innere der Eierpflanze mit den Samenkernen) und Kabatschki
(eine Art Kürbis), wovon die beiden ersteren auch nach Deutschland ausgeführt
werden. In konservierten Gemüsen ist der Absatz im Süden Russlafids nicht
beträchtlich, da eine Anzahl frischer Gemüsearten, aus Konstantinopel und
Alexandrien eingeführt, fast das ganze Jahr hindurch erhältlich ist. Diese, wie
die Fleischkonserven, kommen daher mehr für die Ausfuhr als für den örtlichen
Bedarf in Betracht. An Früchten liefert Südrussland besonders eingemachte und
als Marmeladen zubereitete Aprikosen, Reineclauden, Pfirsiche, Birnen und Quitten,
während Konserven aus Beerenobst, wie Himbeeren, Stachelbeeren usw., mehr
in den nördlichen Teilen des Landes erzeugt werden. Bessarabien bringt fast
nur Backobst, namentlich seine vortrefflichen Zwetschgen, in den Handel.
Auch Livland und Kurland haben eine ziemlich bedeutende Konserven¬
industrie. Der grösste Teil der Fabriken erzeugt Fischkonserven, aber auch Ge¬
müsekonserven, während die Fleischkonserven weniger in Aufnahme gekommen
sind. Der deutsche Konsul in Riga schreibt u. a. hierüber:
In Riga werden jährlich gegen 4 Millionen Dosen im Werte von etwa
1 Million Rubel hergestallt, in der Mitauer Fabrik etwa 600 000 Dosen im Werte
von gegen 150 000 Rubel. Die Fischkonserven mannigfaltiger Art sind von
guter Qualität und fehlen fast in keinem besseren Haushalt; die Fleisch¬
konserven sind weniger in Aufnahme gekommen. Russische Gemüsekonserven
stehen an Qualität den aus dem Ausland bezogenen bedeutend nach, da die
Sorgfalt in der Auslese und der Verpackung fehlt. Die einfacheren
Gemüsekonserven, wie Spinat, Karotten usw. stellen sich so billig, dass es sich
schon des Zolles wegen nicht lohnt, dieselben aus dem Ausland zu beziehen. Aus¬
ländische Früchte und Kompotts werden seltener bezogen, da die inländischen
Fabriken, beispielsweise die in Moskau, Meister aus dem Auslande haben kommen
lassen, so dass dieselben jetzt Waren liefern, die den Wettbewerb mit den aus¬
ländischen, speziell den französischen Erzeugnissen sehr wohl bestehen können.
Wie wir aus dem Berichte des Odessaer Generalkonsuls gesehen haben,
gehen russische Konserven nach der Türkei, Griechenland und den Balkanlän dern.
Ein bedeutender Abnehmer für Gemüsekonserven ist der nächste
Nachbar Palästinas — Aegypten. Die österreichisch-ungarische Handelskammer
in Alexandria berichtet über Aegyptens Einfuhr von Gemüsekonserven, wie folgt:
Die Einfuhr von Gemüsekonserven nach Aegypten stellte sich in den
Jahren 1897—1902 in
£E. = 26
Frcs. wie
folgt:
1897
1898
1899
1900
1901
1902
Herkunftsländer
£E.
£E.
£E.
£K.
£E.
£E.
. 8 817
11 300
6 446
7 230
6 310
7 437
Deutschland . . .
572
360
270
565
470
681
Oesterreich-Ungarn .
938
864
513
463
671
535
165
205
112
49
103
286
. 10 524
11 717
8 481
9 942
9 036
9 546
Griechenland . . ,
. 4 502
8 571
8 284
8 474
13 051
14 613
1 831
2 710
2 932
2 958
3 703
3 733
. 11342
9 826
9 335
11 241
9 838
6 977
196
241
255
435
482
762
Zusammen . .
. 38 887
45 794
36 628
41 357
43 664
44 570