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Hiernach hat die Einfuhr von Gemüsekonserven nach Aegypten im grossen
und ganzen in den letzten Jahren nur eine geringe Zunahme erfahren; sie weist
aber eine nicht unbedeutende Verschiebung der Lieferungsverhältnisse auf. Vor
allem sind die grossen Fortschritte der griechischen Einfuhr zu erwähnen, welche
fast ausschliesslich auf Kosten des türkischen und französischen Imports- erzielt
wurden. Die griechischen Lieferungen bestehen zum weitaus grössten Teile aus
schwarzen und grünen Oliven, welche in Aegypten ein sehr beliebtes Nahrungs¬
mittel sind und an die einheimische Bevölkerung sowohl als auch an die armen
europäischen Klassen zu sehr billigen Preisen abgesetzt werden.
Auch Italien hat seinen Absatz in beträchtlicher Weise erhöht; es liefert
hauptsächlich Tomatenkonserven und verschiedene Gemüse in Essig. Dagegen
hat die Einfuhr aus Frankreich und England abgenommen, wenngleich sie auch
noch immer bedeutend ist. Frankreich importiert Gemüsekonserven in Blech¬
schachteln oder in Flaschen. Die Schachteln werden zu je 100 in einer Kiste
geliefert; die beliebteste Grösse wiegt 1 / 2 kg. Essigkonserven liefert Frankreich
in Kisten, enthaltend 12 Flaschen mit je 1 / 2 1 oder 24 Flaschen mit je l / 4 1 In¬
halt. Gurken und Piment werden in Fässern von 10 bis 25 kg geliefert.
Die aus England stammenden Gemüsekonserven sind besserer Qualität,
aber auch dementsprechend teurer als die französischen; sie werden hauptsächlich
für Zwecke der englischen Besatzungstruppen bezogen. Die englischen Essig-
und Senfkonserven erfreuen sich auch allgemeiner Beliebtheit, namentlich
Zwiebeln und Mixedpickles werden viel gekauft.
Hierzu bemerkt freilich der Bericht, dass Aegypten in der letzten Zeit
immer mehr seine eigene Produktion an Gemüse steigert und somit auf keine
Ausdehnung der Einfuhr von Gemüsekonserven gerechnet werden darf. Aber
wenn man auch nur mit den vorliegenden Zahlen rechnet, d. h. einer Einfuhr
von £E. 44570, mehr als 1 000 000 Frcs., jährlich, so muss man doch zugeben,
dass Palästina noch die Möglichkeit bleibt, schon für Aegypten allein, dank seiner
bevorzugten Lage, Bedeutendes zu leisten. Es kämen aber auch forner liegende
Länder in Betracht.
Der Zweck unserer Angaben ist, die Aufmerksamkeit jüdischer Kapitalisten
auf diese Industrie in Palästina zu lenken. Es sei hierbei bemerkt, dass grosse
Kapitalien hierfür nicht in Betracht kommen.
Die Weinernte in Italien und Spanien 1903.
Für die Beurteilung der Marktkonjunkturen für den in den jüdischen Kolonien
in Palästina erzeugten Wein ist gewiss die Kenntnis der Ernteerträge anderer
Wein produzierender Länder von Interesse.
Der deutsche Generalkonsul in Neapel berichtet über die diesjährige Wein¬
ernte in Italien wie folgt:
Die vorjährige Weinernte Italiens hat nach amtlicher Veröffentlichung nur
35,1 Mill. hl gegen 41,4 Mill. hl im Jahre 1902 und 44,1 Mill. hl im Jahre 1901
ergeben. An diesem Ausfall waren, mit Ausnahme der neapolitanischen Provinzen
und der Inseln Sardinien und Sizilien, mehr oder minder alle Landesteile be¬
teiligt. Geradezu eine Fehlernte hatte Oberitalien zu verzeichnen, das nur
6,4 Mill. hl gegen 10,0 Mill. hl und 11,8 Mill. hl in den beiden Vorjahren er¬
zielt hat; am schwersten wurden die piemontesischen Weinberge betroffen. Mittel¬
italien hat 10,7 Mill. hl gegen 13,1 Mill. hl und 15,5 Mill. hl geerntet, Süditalien