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jeder Kontrolle arg missbraucht haben. Art. XVII verleiht dem Handelsminister
das Recht der Ueberwachung der allgemeinen Operationen dieser Gesellschaften
und schafft zu diesem Zweck eine Verwaltung der Versicherungen in diesem
Departement. Die Gesellschaften werden dem Ministerium eine Kontrollgebühr
von 10 türkischen Pfunden pro Jahr bezahlen. Die Art. XIX und XX ver¬
pflichten die Versicherungsgesellschaften, bei der kaiserlichen Ottomanbank eine
Kaution von 15 000 bis 50 000 türkischen Pfunden (328 500 bis 1 296 200 K.)
in türkischen, an der Konstantinopler Börse kotierten Staatspapieren zu hinter¬
legen, die als Bürgschaft für die Vollziehung der Urteile zu dienen hat, die etwa
.gegen sie von den Gerichten zugunsten türkischer Untertanen gefällt werden.
Art. XXI legt den Versicherungsgesellschaften die Verpflichtung auf, 20% ihrer
xeinen Jahreseinnahme in der Türkei zur Bildung eines Reservefonds zu widmen.
Art. XXII setzt ihre Verpflichtung fest, alljährlich dem Ministerium eine über¬
sichtliche Darstellung ihrer Operationen in Konstantinopel und der Provinz vor¬
zulegen. Art. XXIX betrifft die reisenden Agenten der Versicherungsgesell¬
schaften, welche türkische Untertanen sein müssen. Art. XXX untersagt den
Versicherungsgesellschaften, bei der Löschung von Bränden mit eigenem Per¬
sonale zu intervenieren. Im ganzen enthält das neue Gesetz neben einigen Be¬
schränkungen, deren Notwendigkeit sich manchmal fühlbar machte, Bestimmungen,
•welche jedenfalls eine ähnliche Frage hervorrufen werden wie das Berggesetz,
und die Mächte zur Forderung von Aenderungen veranlassen werden.
Zur Akaba-Frage.
In unserer vorigen Nummer berichteten wir über die äusserste Spannung,
•die zwischen England und der Türkei in der Frage der Grenzregelung zwischen
Aegypten und Syrien Platz griff. Inzwischen ist eine friedliche Lösung der
Streitfrage dadurch erzielt worden, dass die Türkei nachgegeben hatte. Die
ägyptisch-syrische Grenze wird keine Aenderung erfahren. Wir möchten aber
noch unseren Lesern eine Schilderung der Angelegenheit nicht vorenthalten, wie
sie die Wiener „Politische Korrespondenz" von beachtenswerter türkischer Seite
erhält. Der „Politischen Korrespondenz" wird aus Konstantinopel geschrieben:
Man muss sich vor Augen halten, dass die Sinaihalbinsel keinen Teil
Aegyptens im wahren Sinne des Wortes bildet und mit letzterem bis zum
8. April 1892 überhaupt durch einen offiziellen Akt nicht verbunden war. Die
Pilgerstrasse mit ihren Umgebungen, die ausserhalb der die offizielle Grenze
Aegyptens bildenden Linie Arisch-Suez in die Nachbarschaft von Medina führt,
wurde vor Jahren unter die provi:orische Verwaltung der ägyptischen Gouver¬
neure gestellt. Nachdem man jedoch begonnen hatte, den Pilgerzug zur See zu
senden und infolgedessen die Notwendigkeit, den Landweg unter ägyptischer
Verwaltung zu erhalten, nicht mehr bestand, wurden ihr Al-Wedsch, dann Tabah,
Muweila und Dependenzen wieder abgenommen und vor ungefähr 17 Jahren dem
Wilajet Hedschas angefügt. In einer vom 8. April 1902 datierten Depesche
notifizierte der Grosswesier demKhedive, dass unter Aufrechterhaltung des Status
<pio in bezug auf die ägyptische Sinaihalbinsel Akaba und das zugehörige Gebiet
an Hedschas zurückfallen. In dieser Depesche wurde die Verwaltung der Halb¬
insel durch die nähere Präzisierung eingeschränkt, „dass sie von dem Khediviat
in derselben Weise verwaltet werden wird, wie von Ihrem Grossvater und Vater
Ismail und Tewfik Pascha", womit betont werden sollte, dass das Recht der
Pforte, diese Gebiete der erwähnten Verwaltung wieder abzunehmen, unverändert
geblieben ist.