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Im Laufe des Januar d. J. unternahm jedoch die ägyptische Behörde die-
Errichtung von Militärbauten zwischen Arisch 'und Akaba, welches sie im Wider¬
spruche mit dem Grundsatze des Status quo als Grenzlinie betrachtete. Die Ent¬
sendung türkischer Truppen nach Tabah zur Verhinderung dieser Bauten erfolgte
dann lediglich im Interesse der Aufrechthaltung des status quo, und nicht in der
Absicht, der Verwaltung dieser Ortschaft eine grössere Ausdehnung zu geben.-
Die Tatsache, dass Akaba jüngst zum Endpunkte der Hedschasbahn am Roten
Meere gemacht und dass es gleichzeitig zum Hauptorte des Mutessariflik gewählt
wurde,, entsprach deren Standpunkte betreffend den Rückfall der beiden Ufer des¬
Golfs von Akaba unter die türkische Verwaltung in Gemässheit des dargelegten
Rückfallsrechtes. Die Sinaihalbinsel entbehrt seit j.eher bestimmter Grenzen, und
ihre Verwaltung war Aegypten auf der Basis der Aufrechterhaltung des Status,
quo übertragen. Jeder Versuch einer Grenzberichtigung oder der Herstellung
von Militärbauten ohne vorhergängige Ermächtigung seitens der Pforte wären
aber unvereinbar mit dem Prinzipe des Status quo, und derartige Unternehmungen
seitens der ägyptischen Regierung könnten in der Zukunft natürlich nicht zuge¬
lassen werden.
Von der Mekkabahn.
Die „Kölnische Zeitung" vom 25. Mai 1906 schreibt: Die Nachrichten von
der Mekka- oder Hedschasbahn lauten jetzt weniger günstig. Trotz der Auffindung
mancher kleiner neuer Geldquellen, z. B. einer Passsteuer zugunsten des Bahn¬
baues, scheint es an Geld zu fehlen, obwohl der Bedarf an Bargeld immer nur
gering ist. Soldaten arbeiten und werden vom Kriegsministerium bezahlt, die-
Bevölkerung leistet wertvolle Dienste, Material wird zum Teil kostenlos geliefert
und herangebracht. So bleiben nur die fremden Lieferer und die Beamten des
Baues und des Betriebes zu bezahlen, was natürlich nicht von dem dürftigen Be¬
triebe der Bahn aufgebracht werden kann. Zwischen Haifa und Deraa verkehren
selten durchgehende Züge, Störungen gehören nicht zu den Ausnahmen, und der
Betriebsdirektor Godin hat viel zu tun, um dem Verfall zu steuern. Trotz dieser
Zustände, einer Folge des noch sehr geringen Verkehrs auf der Bahn, also trotz
der unbedeutenden Betriebseinnahmen, scheint man sich hier rosige Zukunits-
bilder zu machen. Das Iradeh, nach dem in diesem Jahre Medina erreicht
werden soll, ist noch in Kraft, und soeben ist der Befehl für eine sehr bedeutende
Vermehrung der Eisenbahntiuppen erlassen worden. Dies wird nun zur Folge
haben, dass die jetzt bei einer Zahl von rund 3000 Soldaten als Arbeitern schon
nicht leicht zu überwindenden Schwierigkeiten der Versorgung mit Wasser und
Lebensmitteln sich so steigern, dass man sie nicht mehr zwingen kann. Der
Bau von Wassersammelbecken ist noch weit zurück, es wird nötig sein, den Ar¬
beitern das Wasser auf den Schienen heranzufahren. Ebenso muss es mit den
Lebensmitteln geschehen. Ob die türkische Verwaltung solchen Anforderungen
gewachsen sein wird, ist sehr fraglich. Es wäre überall nicht leicht, 15 000 Mann,
in der Wüste zu verpflegen.
Aus Palästina.
Den „Mitteilungen und Nachrichten des Deutschen Palästina-Vereins"
No. 2, 1906 entnehmen wir folgende Angaben:
Das Ergebnis der Getreideernte für 1905 in Judäa und Samaria
ist ein durchaus befriedigendes, vielfach sogar sehr gutes, dank den sehr guter*
Witterungsverhältnissen, unter denen das Getreide heranreifen konnte. Der