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Eine dritte, speziell für die Kolonisation Palästinas wichtige Institution ist
das vom „Hilfsverein der deutschen Juden" vor zwei Jahren in Jerusalem er¬
richtete Lehrerseminar. Da fast jede noch so kleine jüdische Kolonie eine eigene
Schule haben muss und auch wirklich hat, so macht sich der Lehrermangel ganz
speziell in den jüdischen Kolonien drückend fühlbar. Der Verein „Esra" hat
daher zur Unteihaltung von zwei aus den Kolonien stammenden Zöglingen des
Seminars, welche die Absicht bekundet haben, nach Vollendung ihrer Ausbildung
eine Lehrerstelle in eine der jüdischen Kolonien anzunehmen, ein Stipendium
von 600 Fr es. jährlich für drei Jahre bewilligt.
Im ganzen hat der Verein „Esra", in der Berichtsperiode für palästinen¬
sische Zwecke 38 530Mk bewilligt und zwar 3000 Frcs. für einen Kolonisten in
der Kolonie Esra, 3000 Frcs. zur Anschaffung von Vieh in Kastinje, lOOOFrcs.
für einen Kolonisten in Reehoboth, 1200 Mk. zum Bau einer Mikwah in einer
der von Prof. War bürg unterstützten kleinasiatischen Kolonien, 500 Mk. für
die Propagandakommission der Chowawe-Zion, 1800 Frcs. für Stipendien an
Zöglinge des Lehrerseminars in Jerusalem, 2000 Mk. für den Verein „Bezalel",.
10 000 Mk. für die landwirtschaftliche Versuchsstation und 16 000 Frcs. für die
Kolonie Jehudije sowie 5200 Frcs. für die Bedürfnisse von Bne Jehuda im
Jahre 1905. Von diesen Summen wird der grössere Teil erst im Laufe der
Jahre 1906/1907 zur Auszahlung gelangen. Unsere Mitglieder werden daraus
ersehen, dass der Verein „Esra" in rationeller Weise bemüht ist, den jüdischen
Auswanderern nach dem heiligen Lande zu einer selbständigen, auf eigene Arbeit
begründeten Existenz zu verhelfen. Leider sind unsere Mittel immer noch zu
gering, um Grosses leisten zu können. Wir hoffen jedoch, dass der Gedanke
der Wiederbesiedelung Palästinas mit ackerbautreibenden Juden sich immer
mehr beim jüdischen Volke Eingang verschaffen wird. Einen Blick auf unsere
eigene Vergangenheit lässt uns hoffen, dass der Verein „Esra" in nicht gar
zu ferner Zukunft über grössere Beträge verfügen und auf den Gang der
Ereignisse in Palästina massgebenden Einfluss wird gewinnen können. Der
Verein „Esra" hat
von 1884—1891 (8 Jahre) 9 077,— Mk.
„ 1892—1899 (8 Jahre) 42 230— „
„ 1900—1907 (8 Jahre) 76 631,— „
bewilligt. Ausserdem werden voraussichtlich noch 24 000 Mk. für die definitive-
Installierung der Kolonie Bne Jehudah, hoffentlich schon im Jahre 1906, zur
Auszahlung gelangen, so dass der Verein „Esra" in der dritten 8jährigen
Periode seines Bestehens 100 631 Mk. gegen 51 300 in den ersten 16 Jahren
ausgeben wird.
Der Kassenbericht pro 1905 weist in den Einnahmen 19 479,99 Mk. auf.
Ausgegeben wurden für Drucksachen und Portis 240,75 Mk., für Sekretariat und
Agitation 5692,03 Mk., für die Propaganda-Kommission der Chowawe-Zion 500 Mk.,.
Reisekosten nach der Kolonie Jehudije 82 Mk., Ankauf von Effekten 10 005,30 Mk.„
Bestand am 31. Dezember 1905 4901,30 Mk. Der Eflfektenbestand war am
31. Dezember 1905 31 900 Mk.
Verantwortlich für den redaktionellen Teil von „Altnenland" Dr. S. Soskin, Berlin.
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