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Art, Büsten, Photographien, Zeichnungen, Kunstgemälde miteinander um den Vor¬
rang wetteifern. Hier ist auch die Statue des Herrn Glitzenstein, die wir noch
von dem Kongress her kennen, untergebracht. Nach einer talmudischen Er¬
zählung gearbeitet, stellt das Werk den Propheten Elijahu, mit dem Schofar
in der Rechten, dar.
Die obere Etage ist zur Wohnung des Direktors, wo zugleich Kanzlei und
Sekretariat sich befinden, eingerichtet. Das Ganze stellt ein einheitliches Bild dar,
es bildet eine Welt im kleinen. Bei aller Vermeidung von Eleganz und Aufwand
ist doch alles, das Geringste wie das Wichtigste, so schon und praktisch aus¬
geführt, dass man sich darüber des Ausdrucks der Bewunderung nicht er¬
wehren kann.
Der „Bezalel" beschäftigt bis heute 80 Personen. Da sie sich verschiedener
Sprachen im Umgang bedienen, so wird Gewicht darauf gelegt, dass das
Hebräische Umgangssprache werde. Zu diesem Zwecke ist ein Abendkursus ein¬
geführt, an dem nicht weniger als 20 erwachsene Männer teilnehmen. Der „Bezalel"
hofft aber, mit der Zeit Hunderten Arbeit geben zu können. Er plant ver¬
schiedene Industrieartikel einzuführen, die deren Erzeuger reichlich ernähren
werden. Da die Arbeitslöhne hierzulande ungleich niedriger sind, scheint er
in seiner Zuversicht nicht fehlzugehen. Prof. Schatz, ein Mann von Routine,
reich an Erfahrung und praktisch genug, um zu wissen, was er hoffen darf und
was nicht, gibt sich so leicht keiner Illusion hin. An Arbeitskraft wird es
ihm nicht fehlen. Ueber 400 Bewerberinnen haben sich für die Teppichknüpferei
allein gemeldet. Mit diesem Artikel, als dem leichtesten Fach von all den Industrie¬
zweigen, die er einzuführen gedenkt, sollen sich nämlich ausschliesslich Frauens¬
personen beschäftigen, während der Männer schwerere Arbeiten harren.
Also über 400 Personen für einen einzigen Beruf. Natürlich gibt es in
dem gemieteten Lokale keinen genügenden Raum zu deren Unterbringung. Es
musste, damit die eine sich nicht zurückgesetzt sehen soll vor der anderen, unter
den Angemeldeten ausgelost werden. Jubel und lautes Schluchzen durchzitterte den
Saal, als das Resultat des Loses den zwischen Hoffnung und Furcht Harrenden
bekannt gegeben wurde. Der Schmerz der Enttäuschten war ebenso gross wie
die Freude der Glücklichen. Denn glücklich, wer in der hl. Stadt Arbeit findet,
wer das tägliche Brot lür sich und die Seinigen auf redliche Weise zu ver¬
dienen vermag.
Wird „Bezalel" aber imstande sein, seine weitgehenden Pläne ins Werk zu
setzen? Wird keine bittere Enttäuschung auf die süsse Hoffnung folgen, in
welcher die armen Jerusalemer sich wiegen, die des Almosenbrotes, nicht genug
zum Leben, zu viel aber, um zu sterben, längst ubersatt sind? Werden endlich
weitere Kreise es einsehen, was Jerusalem nottut? Wird endlich die Stimme
derer gehört werden, die von Anfang an laut verkündete, dass das Heil Jerusalems
in nichts anderem als in der Arbeit liegt? Das wird die Zukunft lehren. Wie
immer aber auch die Antwort ausfallen möge, soviel ist doch zumindest schon
heute gewiss, dass die Urheber des „Bezalel" nicht ermüden werden, auf dem
einmal betretenen Wege fortzuschreiten. Der Erfolg kann nicht und wird nicht
ausbleiben!
Türkische Zollreform.
In unserer vorigen Nummer haben wir die Frage der türkischen Zoll¬
reform in ihrer Entstehung dargestellt. In der Londoner „Finanz-Chronik" lesen