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ALTNEULAND
MONATSSCHRIFT
für die wirtschaftliche Erschliessung Palästinas
Organ der zionistischen Kommission zur Erforschung Palästinas
HERAUSGEGEBEN VON
F. OPPENHEIMER • S. SOSKIN • O. WARBURG.
No. 12. Berlin, Dezember 1906. 3. Jahrg.
PALAESTINA-AGRIKULTUR-GESELLSCHAFT/)
Als in den 60 er Jahren des vorigen Jahrhunderts die ersten
Wiederbelebungsversuche Palästinas durch europäische Ansiedler
gemacht wurden, fanden diese das Land als fast vollständige
Einöde vor.
Die ersten Vorarbeiten zur Sesshaftmachung waren daher
mit unendlichen Schwierigkeiten verbunden.
Da hatte man den passiven Widerstand der lokalen Be¬
hörden zu besiegen, gegen die tätliche Opposition der benach¬
barten Fellahen zu kämpfen und sogar zuweilen räuberische
Ueberfälle seitens der Beduinen zurückzuweisen.
Noch viel härter war der Kampf mit den sich einstellenden
Krankheiten der subtropischen Zone, denen man erst entgehen
konnte, nachdem man gelernt hatte, seine Lebensweise der
Eigenart des neuen Klimas hinsichtlich der Ernährung und der
Wohnung anzupassen.
Die grösste Schwierigkeit setzten aber die unbekannten
wirtschaftlichen Bedingungen dem neuen Ansiedler entgegen.
Mit seinem aus der Heimat mitgebrachten kleinen Kapital hatte
*} Auf Anregung der Mitglieder der Kommission zur Erforschung Palästinas, der Herren
Prof. Dr. O. Warburg, Dr. S. Soskin, sowie der Herren Ingenieur J. Kremenzky, Fabrik¬
besitzer S. Hepner,-Kulturingenieur und Landvermesser J.Treidel, hat sich ein Komitee zur
Aufgabe gestellt, eine Palästina-Agrikultur-Ge .ellschaft m. b. H. zu begründen, deren Zweck die
Anlage von Pflanzungen in Palästina sowie der Betrieb von Ackerbau, Viehzucht, landwirtschaft¬
licher Nebengewerbe und anderer die Interessen der Gesellschaft fördernder Unternehmungen
wäre. Die Geschäftsführung der Gesellschaft soll in Berlin, die fachmännische Leitung in
Palästina ihren Sitz haben. Es wird geplant, die Höhe des Kapitales vorläufig mit 500 000 Mark
zu begrenzen, jedoch soll, um nicht eine Erateperiode zu verlieren, die Gesellschaft begründet
werden, sobald 250 000 Mark gezeichnet sind. Em Anteil beträgt 1000 Mark, 10% des Betrages
sollen gleich bei der Zeichnung eingezahlt werden.