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Monatsschrift der im Kartell-Convent vereinigten Korporationen
Die Zeitschrift erscheint jeden Monat.
Bezugspreis halbjährl. 25 M. Einzelnummer 5 M.
Bestellungen übernehmen der Verlag und
die Kassenverwaltung.
Jnseratcnannahme durch den Verlag.
Bei gröberen Aufträgen und Wiederholungen
wird eine Ermäßigung deS Preises bewilligt.
„Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden deutschvaterländischcr Gesinnung. Sie haben zum Zweck den
Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu
selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und Rechts-
gemeinschast mit dem deutschen Vaterland unlöslich vcrbuudenen BolkSteil bilden, jederzeit bereit und imstande
sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten.
Zu politischen und religiösen Sonderbestrcbungen innerhalb de« Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1
nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen im K. C. keine Stellung.
Der K. C. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judensrage außerhalb Deutschlands ab."
12. lakrgang
luUNugust-September 1922
7., 8. u. 9. Sekt
Nachdruck unserer Aufsätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützte»,
unter Quellenangabe gestattet.
Inhalt: Rathenau. S. 57. — Nachruf für Paul Wiesbaden S 59. — Der» Andenken I)r MaxStrlnbeiyS! S. 59. — DaS
25- Stiftungsfest der Ghibrllinia. S. 59. — Saxo-Bavaria. S6I. — Einheit, EiicheNssronl, Zusammenschluß. S 92. — Eln unent¬
behrliches Buch. S. 65. — ,Die Judenstat>stik des preußischen Kr'egSininisteriums". S. 67. — Kameraden. S. 69. — Korporation
und Werkstudent. S. 69. — Büchersbau. S. 69. — BerbandSnachrichien. S. 73. — Spendentlste. S 76. — Jnsera'e.
Für -das in Leipzig abgesagte Sportfest findet am 22. Oktober 1922 früh 9 Uhr in
Berlin, Hochschulsportplatz, Bahnverbindung Stadtbahn bis Station „Grunewald"
das II. K. C,-Sportfest
statt. Wegen der Unterkunft wird ersucht, sich an das K. C.-Heim, Berlin, Englischestr. 27,
zn wenden. (Im übrigen wird auf die Anlage verwiesen.)
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aOIOIOIOIOIOXOIOIOlOIOIOIOIOIOJinCOXOKOXOIOIOXOIOIOXOIOIOXOIOirOIOIOXOia
Rathenau.
Von Harry Salinger (Spreoiae).
Langsam verebben die Wellen der Erregung,
die, durch jene Unglückstat im stillen Grunewald
hervorgerufen, das innere Gleichgewicht Deutsch¬
lands aufs schwerste erschütterten. Wenn der
erste Schmerz tiefgefühlte Worte des Dankes
und der Freundschaft fand, die voller Anerkennung
und Bewunderung aus berufenem Munde den
unersetzlichen Diensten des plötzlich aus vollstem
Wirken gerissenen Mannes galten, so wird es
doch erst ruhiger späterer Betrachtung möglich
sein, die bleibenden Werte, die Rathenau durch
sein geistiges Schaffen seinem Baterlande und
der ganzen Welt schenkte, voll zu würdigen.
Für uns deutsche Juden ist Rat Henaus Per¬
sönlichkeit noch in einer ganz bejonderen Be¬
ziehung bedeutungsvoll: Wir sehen in ihm einen
aufrechten Vertreter des deutschen Judentums,
der gerade das Verhältnis zwischen Deutschtum
und Judentum häufig genug in den Kreis seiner
Betrachtungen gezogen hat und der mit scharf¬
sinniger Klarheit die Beziehungen des deutschen
Jude» zu seiner Umwelt zu durchleuchten wußte.
Ralhenau war tief innerlichst eine religiöse
Natur; denn Religiosität besteht in Wahrheit,
nicht im Glauben an bestimmte Dogmen — das
ist Kirchlichkeit — sondern in der Ueberzeugung,
daß alles Geschehen nach bestimmten Gesetzen
sich regelt, die sich aufbauen auf den Geboten
geläuterter Sittlichkeit. Der religiöse Mensch