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Monatsschrift der im Kartell-Eonvent vereinigten Korporationen-
Die Zeitschrift erscheint jeden Monat.
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wird eine Ermäßigung des Preises bewilligt.
„Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den
ilampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu
selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und RechtS-
zemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande
sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten.
Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1
nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen im K. C. keine Stellung.
Der K. C. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judenfrage außerhalb Deutschlands ab."
12. Jahrgang
Oktober-November-vezemder 1922
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Nachdruck unserer Aufsätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützten,
unter Quellenangabe gestattet.
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Unter der Not der gesamten deutschen Presse leiden naturgemäß die K. C.-Blätter, das Organ eines Ver¬
bandes von geistigen Arbeiter«, mit am allerschwersten. Nur unter großen Opfern konnte die vorliegende Nummer
erscheinen, freilich stark gekürzt und mit erheblicher Verspätung. Bedauerlicherweise mußte so mancher Beitrag, der
eine Veröffentlichung verdient hätte, zurückgestellt werden, und in den Berichten der Verbände mußte viel, oft viel¬
leicht nicht unwichtiges Material gestrichen werden. Die Redaktion macht anch an dieser Stelle darauf auf¬
merksam, daß dieses letzte Heft des Jahrgangs vielleicht das letzte Heft der K. C.-Blatter überhaupt gewesen
sein wird, wenn nicht eine entschlossene Hilfsbereitschaft und großzügige Opferwilligkeit aller Berbands-
brüder ganz erhebliche Mittel anfbringt.
Sturmzeichen.
^Bon vr. Felix Gold mann (Thur., Saxo-Bav.).
Noch niemals war die Notwendigkeit des K. C. so
unbestritten wie in unseren Tagen! Noch niemals
waren aber auch die Schwierigkeiten fernes Kampfes so
groß wie gerade jetzt!
Die anormalen Zeitverhältnisse, unter denen wir
leben, üben gewiß gewaltigen Einfluß auf das Kor¬
porationsleben überhaupt aus. Beim K. C. wirken
sie doppelt, weil zu den allgemeinen Momenten noch
solche kommen, die für das Judentum besonders
charakteristisch sind. An die Kraft des K. C.ers und
an fern Berantwortlichkeitsgefühl werden darum An¬
sprüche gestellt, denen nur ganz charakterfeste und
ganz begeisterte Menschen zu genügen imstande sind.
Alles leidet unter der Teuerung, dem Mangel
an Mitteln! Der Wunsch, schnell zur Selbständig¬
keit und zum Verdienst zu kommen, das Unvermögen
des Mittelstandes, die Kosten des Studiums zu tragen,
treibt Tausende von Jünglingen, die für akademische
Berufe geeignet wären, dem Handelsstande zu. Immer
kleiner wird der Kreis, dem der K. C. seine Mitglieder
entnehmen kann. Bon den wenigen aber, die da
studieren, kämpft die Mehrzahl einen verzweifelten
! Kampf um das tägliche Brot. Tagsüber sitzen die
Werkstudenten in Kontor und Werkstatt, und
erst wenn sie ermüdet von der Last des Berufs nach
Hause eilen,- beginnt am Abend das ernste Studium
des Faches. Verschwunden ist der alte Durchschnitts-
thpus des lebenslustigen Musensohns, der Zeit und
damit Interesse hatte für die Probleme des aka¬
demischen Lebens, der sich einer idealen Aufgabe mit
aller Kraft zu widmen bereit war. Auch der jüdische
Durchschnittsstudent von heute ist von seinen per¬
sönlichen Sorgen so erfüllt, daß er die Leiden seiner
Gemeinschaft nicht in ihrem vollen Druck verspürt.
So leidet auch das Verbindungsleben nicht nur
äußerlich unter der Teuerung. Daß Couleur und
Kneipe schier unerschwingliche Summen verschlingen,
daß der Schlägerfechtbetrieb in seiner heutigen Form
mit seinen kostspieligen Reisen sich kaum mehr auf¬
recht erhalten läßt, ist weniger schlimm, als daß die
Verbindungsstudenten nicht mehr die erforderliche
Opferfreudigkeit und unbedingte Hingabe an die Sache
zu entwickeln in der Lage sind. Die Verbindung muß
den jungen Menschen ganz erfassen, ihr Leben muß
ihm Herzenssache, ihr Kreis ihm Heimat, ihre Idee
ihm Ideal sein, für das er die ganze Persönlichkeit
selbstlos einsetzt. Das liegt im Wesen der Verbindung,
ebenso wie die freiwillige Unterordnung, die den
Jüngling freudig jede Aufgabe erfüllen läßt, sobald das
Wohl des Bundes sie ihm zur Lösung anvertraut.