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K.C.-Blätter
Bezugspreis halbjährlich
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lag und das K. C.-Büro.
Zeitschrift des Kartell-
Convents d. Verbindungen
deutscher Studenten
jüdischen Glaubens
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den Verlag und das E-
Büro. Preis 1.— Mark für
die einfach gespaltene Zeile
nach Rudolf Mosse Zeilen-
messer Nr. 15
„Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum
Zweck den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer
Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte,
Kultur- und Rechtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Bolksteil bilden,
jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden ein¬
zutreten. — Der K. C. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der deutschen Iudenfrage außerhalb Deutschlands
ab. — Zu politischen und religiösen Londerbestrebungen innerhalb des Judentums nehmen die Verbindungen
im K. C. keine Stellung, soweit dies nicht durch Absatz 1 und 2 bedingt ift.-
23. Jahrgang
Heft Nr. 2
Februar 1933
Nachdruck unserer Aufsätze, mit
Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützten,
unter Quellenangabe gestattet.
^nhüfl * Samuel Münz sViadrina-Breslau) zum Gedenken S. 37 — Nachruf am Grabe von Kbr. Nlünz
^ ’ S. 33 — Gruß an Hugo Ehrlich S. 3b — Baruch de Spinoza S. 3b Eine neue biblische
Geschichte 2.45 — Soziale Umgestaltung aus dem Geiste jüd. Religion und deutschen Aechlsdenkens 2.47
Der Studentenvater und Hüter der wissenschaftlichen Freiheit Professor E. H. Becker 4- S. -'»0 — Offenes
Bekenntnis zum Dritten Reich «.52 ----- Der Kvsener S. E. kündigt den A. D. W.-Bertrag S. 5^ - Es
stimmt! S. 53 — Ein bewegtes Leben S. 53 -- Auslese der Studierenden? S. 53 — Die Freiburger Stu¬
dentenschaft wieder in der D. St. S. 54 — Um die Roftocker Verfassung S. 54 — Der erste Skiabfahrts-
lauf der Verbindung im K. C. Licaria am Hirschberg S. 54 — Bücher- und Blätterschau S. ">*» - Hilfskasse
2. 57 — Adressenveränderungen S. 57 — Personalnachrichten S 53 — Verbandsnachrichten S. 53 u. 5i>
Verzeichnis der im Jahre W32 erschienenen K.C.-Blätter S. 60
Samuel Münz (Viadrina-Breslau) zum Gedenken
Am 18 . Dezember traf uns die schier
unsägliche Traüerkunde, dag unser
Bundesbruder Münz, unser lieber
Freund Olli, seine Augen zum ewigen
Schlummer geschlossen habe! Olli tot I
Verstummt für immer sein Mund! —
Mir, der ich längere Zeit nicht in
Breslau gewesen war und keine Ah¬
nung von seiner Erkrankung hatte,
wollte es nicht in den Sinn. Das
furchtbare Wort „zu spät": anklagend
erhob es feine Stimme und immer
wieder erstand die quälende Frage,
warum hat man in den letzten Jahren
so wenig voneinander gewußt, von¬
einander gehabt! Kurze Meilen nur
trennten uns, und in uns beiden lebte
doch dringend der Wunsch, im Gespräch
mit dem Jugendgenossen die Erinne¬
rung an vergangene Zeiten farbenfroh
aufleben zu lassen, aber das Schicksal,
das in den letzten Jahren ja jedem
von uns ein gerüttelt Mag von Leid
bescherte, zwang uns, eigene Wege zu
gehen, und so trat allmählich in den
Hintergrund, was einmal Lebensin¬
halt gewesen war. Aber nun, da die
Todesjchatten sich herabsenkten aus
meinen alten Freund, steigt aus dem
Schacht der Erinnerung in Frische und
Klarheit das Bild dieses prächtigen
Menschen, wird mir zum schmerzlichen
Bewugtsein, was ich, was wir alle an
ihm verloren haben. Unser l. Bundes¬
bruder Hausdorf hat ja an dem Sarge
des Heimgegangenen in ergreifender
Weise zum Ausdruck gebracht, welche
Empfindungen in uns als Viadrinen
und K. C.ern dieser Tod auslöste: die
Treue, die Münz unsren Aufgaben vor
bald fünf Jahrzehnten gelobte, er hat
sie gehalten bis zum letzten Atemzuge:
immer war er bereit, ihnen Wort und
Arm zu leihen. Seiner Begeisterung
konnten die Jahre keinen Abbruch tun:
sie klingen mir noch im Ohr. seine zün¬
denden Worte, mit denen er beim letz¬
ten Stiftungsfest-Convent in Breslau
uns in seinen Bann zwang! Wenn er
mit der Jugend zusammen kam, da
ward lebendig in ungebrochener Frische
sein Frohsinn, sein Humor, die ihm