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Auf neuen wegen zu alten Fielen.
Von Justizrat Dr. Julius Brodnitz,
Vorsitzender des Central-DereinS deutscher »juatsbürger indischen Glaubens.
Wenn in heutiger Zeit eine neue Wochenschrift erscheint,
so bedarf dies schon aus wirtschaftlichen Gründen einer
Rechtfertigung. Mit großem Bedenken und nicht ohne Sorge
hat sich der Vorstand des Central-Verems deutscher Staats¬
bürger jüdischen Glaubens entschlossen, seine alte, bewährte,
und, wie wir wohl sagen können, hoch geschätzte Monatsschrift
in eins Wochenschrift nmzuwandeln.
Als wir kurz nach der Gründung unseres Vereins unsere
Monatsschrift gründeten, waren wir eine kleine Schar, aller¬
dings unter der Führung zweier Männer, wie es Maximilian
Horwitz war und Engen Fuchs zu unserer Freude noch ist, zweier
Männer, deren Name an der Spitze unserer ersten Nummer zu
nennen, nns ein innerstes Bedürfnis ist. Damals bestand
engste Fühlung zwischen dein Vorstände und den Mitgliedern.
Damals galt es auch zunächst nur den Gri'm-dungsgedanken
unseres E. V. zu verkünden und zu verbreiten.
Ans der kleinen Schar ist die größte Vereinigung deutscher
Juden geworden. Unsere Ansgaben find leider in einer Weife
gewachsen und wachsen fast dauernd dergestalt, daß wir, wenn
wir unsere Ausgaben erfüllen wollen, mit einer Monatsschrift
nicht mehr airskommen können. Eine Monatsschrift hinkt den
Ereignissen immer nach. Das bietet in gewisser Hinsicht einen
Vorteil. Mancherlei wird am Ende des Monats anders be¬
trachtet, als es vielleicht am Anfang des Monats erscheint.
Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, soll diesem
Gedanken Rechnung getragen werden und 'unsere alte Monats¬
schrift „Im deutschen Reich" als eins Zeitschrift wieder- auf-
leben, welche die uns berührenden Dinge von hoher Warte zu
betrachten sucht.
Im Tageskampf dürfen wir aber nicht nachhinken, wir
müssen ein Organ besitzen, welches die dauernde Fühlung in
allen Fragen unserer Arbeit nicht bloß mit unfern Ver¬
trauensmännern, sondern mit der gesamten Mitgliedschaft, s.
mit dem gesamten deutschen Judentum und — mit unfern
Gegnern sichert.
Diese Erwägungen machen die Wochenschrift zu eurer abso¬
luten Notwendigkeit. ''
W a s w o l l s n w ir nicht? Wir wollen nicht dis Hrcht-ll-
der jüdischen Familienbläkter vermehren. Ngch.-diMx Mch,-..
tung wird den Bedürfnissen unserer Glaubensgenossen, ans
welchem religiösen oder jüdisch-politischem Standpunkts sie
stehen mögen, von zahlreichen, zum Teil sehr wertvollen
Zeitungen und Zeitschriften genügt. Wir wollen und können
nach der ganzen Art der Einstellung unserer Bereinsarbeit
nicht ein neues Familienblatt herausbrirrgen.
Waswollen w i r ? Wir wollen eine Wochenschrift, dis
ausschließlich unserer Idee und unserer Arbeit dient, die unsere
große Zahl von Freunden dauernd über alle uns interessieren¬
den Ereignisse informiert, zu diesen Ereignissen selbst Stellung
nimmt und unfern Freunden Gelegenheit gibt, zu den Er¬
eignissen so schnell Stellung zu nehmen, daß ihr Ruf nicht un-
gehört verhallt und nicht zu spat kommt!
Nicht leichten Herzens haben wir unS entschlossen, dis ehr¬
würdige Bezeichnung unserer alten Monatsschrift „Im
deutschen Reich" aufzugeben. Wir hoffen, wie schon gesagt,
diesen Namen, an dem wir Netteren jedenfalls — der Name
mag glücklich gewühlt sein oder nicht — pietätvoll hängen,
noch für eine neue Monatsschrift erhalten zu können. Für
'unsere Wochenschrift war es angebracht, einen neuen Namen
zu wählen. Wenn wir unsere Wochenschrift die „C. D.-
Zeitung" nennen, so dürfen wir das in gerechtem Stolze
tun. E. B. i st einPro g r a m m ! Unser E. D. ist die Stelle,
an der sich alle deutschen Juden sammeln, die gute Deutschs
und gute Juden sind. Wir haben vor Jahrzehnten unfern.
Verein gegründet, um unsere Glaubensgenossen, wie es in
unserer alten Satzung heißt, in unbeirrter Pflege deutscher Ge¬
sinnung zu vereinen. Wir sind diesem Programm treu ge¬
blieben und werden ihm treu bleiben. Das ist der E. B.-
Gedanke! Wir bleiben ebenso treu dem Glauben unserer
Väter? Wir kämpfen für die Rechte der deutschen Juden nicht
bloß rationalistisch eingestellt, den Finger aus die Verfassung
gerichtet, sondern deutsches Judentum ist für uns ein lebens¬
volles und deshalb ein lebenschafsendes Gebilde! Wir lehne»
es ab, uns daraus untersuchen zu lassen, wieviel Tropfen
jüdischen und wieviel Tropfen deutschen Blutes in uns sind.
Es gibt an uns und in uns keine Faser und keinen Bluts¬
tropfen, der nicht gleichzeitig jüdisch und deutsch ist! Wir
deutsche Juden fühlen nns mit Recht nicht als künstliches Ge¬
bilde gedanklicher Arbeit, wir deutsche Juden leben viele Jahr-
Hunderte auf deutschem Boden und haben in uns das Gefühl
der Sicherheit, das nur ans voller Bodenständigkeit erwächst.
„Um Deutschtum und Judentum" hat Eugen Fuchs dis
Sammlung seiner Reden und Aufsätze genannt. Diests Wort
bedeutet unser Programm. Wir haben es über unsere
Wochenschrift gesetzt und werden es in Ehren halten!
Als wir Alten in emsiger Arbeit voll Begeisterung ohne
große» Verwaltungsapparat die gesamte BerrinstStigkeit er-
^ hdiastvst, >Ha-AMKinte mancher von uns von dem Tage, an
./.welche wir unsere Arbeit werden niederlegen können, weil
nnsertv Ausgabe gelöst ist. Wir damaligen Jungen sind schon
M'gAvor'dekl, Die Begeisterung für unsere Sache und der
Optimismus, der jedem guten Juden eigen, ist — so schwer
es auch manchmal gewesen sein mag — von uns nicht ge-
- wichen, aber niemand von uns glaubt noch daran, daß er den
Tag erleben wird, an dein unsere Arbeit als getan angesehen
werden kann. Als gute deutsche Inden wollen wir darüber
nicht weichlich klagen. Wir glauben an den Sieg unserer Sache
als einer moralischen Notwendigkeit.
Darum weiter frisch an die Arbeit!