Seite
mm.--.
£T •'.-
• Si -APRII^-
",-19.34
|| BlÄTTE R. DES Bü NP ES D EUTSCH -JÜDISCHER. JUGEND-BEILAGE,DER. C.V.-ZEITUNG
ptilseliofi SdliyS©
Ein® Aüssprsspto Iot ^/SeifbcI ^05i^ss^|ds3iG5s5?op Ju^fonsl**
ZLlfred Foblcm '(BposIsü):
Die Notwendigkeit besonderer jüdischer.
Schulen in Deutschland ist heute, unzweifelhaft
gegeben: sie bedarf auch in ^diesen Spalten
keiner besonderen Erörterung. . Was aber , not-
tut, ist eine Klärung, in welchem Geiste heute
Erziehungsarbeit in. einer solchen Schule ge.-
leistet werden,soll. Hieran mitzuwirken, ist in.
erster Linie Aufgabe derer,, die vom pädagogi¬
schen oder wissenschaftlichen Standpunkt .aus.
mit Schuldinge.ii befasst - sind. Es wäre aber
verfehlt, wollte- man den Kreis der hierzu Legi-
timierten auf diejenigen beschränken, die' von'
Berufs wegen dazu Stellung nehmen müssen..
Den innerjüdiijchen Richtungen. , gebührt hier
durchaus das Wort. Wie die Erfahrung gezeigt
hat, ist die Auseinandersetzung über Schul¬
fragen innerhalb der jüdischen Richtungen und
sogar in ihnen selbst in vollem Gange.
Wenn nun hier, die Jugend selbst einmal das
Wort nimmt, so • deshalb, weil sie, gemäss den
Prinzipien moderner Pädagogik, aus einem
Objekt der Gemeinschaftserziehung immer mehr
zu einem Träger der Erziehungsgemeinschaft
geworden ist, was sich nicht allein in der Um¬
gestaltung des eigentlichen Schullebens, sondern
in viel entscheidenderem Masse in der Ge¬
staltung des Lebens ausserhalb der Schule, in
der ..Freizeit“, auswirkt. Insbesondere kann die
in einem Bunde bestimmter Weltanschuung
organisierte Jugend' nicht darauf verzichten, an
demjenigen Lebensbezirk eines, jungen Men¬
schen gestaltend mitzuwirken, der zwar ausser*
halb der eigentlichen Bundesarboit liegt, aber
doch einen für jeden jungen Menschen nach
Dauer und Intensität des ‘Einflusses hoch-
bedeojsamen Lebensraum umfasst.
Zur Diskussion stehen dabei allenthalben die
von der „Reichsvertretung der deutschen
Juden“ vor kurzem herausgegebenen „Richt-
/./ n i e n zur Aufstellung von- Lehrplänen. für
jüdische Volksschulen“. Was hier von führen¬
der Seite innerhalb des deutschen Judentums
zuslandegebracht • worden ist,, bedeutet gewiss
mehr als eine bloss zur Diskussion anregende
Formulierung; denn dazu verraten diese Richt¬
linien eine viel zu tiefe Durchdringung der ein¬
zelnen Stoffgebiete, wie' es nach der Persönlich¬
keit ihrer Autoren und hach der Art ihrer Vor¬
bereitung auch nicht'anders zu erwarten stand.
Aber als eine letzte und endgültige Formulie¬
rung können sie nicht gelten; hierzu fehlt ihnen
jene letzte Klarheit, ohne die an ein so heikles
und schwerwiegendes Unternehmen, wie es die
Gestaltung unserer Erziehungsarbeit unter den
heutigen Umständen darstellte, nicht heran¬
gegangen-werden kann.
Man. wird sich gewiss gerade in den Kreisen
unserer Jugend nur freuen können über die
in den ,a 11 g e in e i n e n Zielen“ zum Aus¬
druck gelangte Festlegung der’ Synthese zwi¬
schen Deutschtum und Judentum. Denn anders
wird das Wort von der „gleichmässigen Ent¬
wicklung des deutschen und des jüdischen Ur-
erlebnisse-s“ nicht gedeutet, werden können,
wenn ich mir auch unter einem „Urerlebnis“
°ifen gestanden nichts Rechtes vorstellen kann-
Dass aber ein Zweifel an einer solchen Aus--
kgung überhaupt auftaucht, spricht nicht für
die Eindeutigkeit der Richtlinien, wenn sie
diese Synthese wirklich, zum Ausdruck bringen
wollten. Ein solcher Zweifel muss aber in be-
8 onderem Masse entstehen, wenn man unter den
^gemeinen Zielen Formulierungen' findet von
v'lem sich selbst begreifenden jüdischen Geist“
u od von „dem Jüdischen, das in den Mittelpunkt
a }’ Rr dafür in Betracht kömmenden Unter»
richtsfächer zu stellen ist“. Wird nicht der erste
Grundsatz, der nur mit wenigen Worten an-
h p aeutet ist, durch diese reines Natioaaljuden-
Urn proklamierenden Sentenzen, dio im fol¬
gen noch dazu besonders liebevoll ausgeführt
s uid, aufgehoben und in sein Gegenteil verkehrt?
Weiterhin wird es von uns gewiss begrüsst
werden, wenn als Grundhaltung jeglicher
T'terziehung die „jüdisch - religiöse“ be¬
lehnet wird. Was aber soll man dann sagen,
^enn im gleichen Satz davon gesprochen wird,
nss lebendiges Verständnis für die Ewigkeits¬
werte der jüdischen Religion und für das
mdische Leben der Gegenwart, insbesondere -
br das Aufbauwerk in Palästina, im Kinde ge¬
deckt und gepflegt werden sollen? Ohne uns
u eh nur de3 geringsten Angriffes gegen das
eLstinawerk schuldig machen zu wollen,
•I? an doch lediglich konstatiert werden, dass
! c:er Aufbau nach dem Willen seiner Träger
s . na .N 0 ua 1 o r vor sich geht. Es taucht
rcit nicht nur der Gegensatz zwischen
»’ eutsch-jüdisch“ und '„national 4 -
^ a i s c h“ auf, sondern, • was in diesem Zu-
-^nhango interessiert, die absolut 'vor-
cuegartigo Betrachtungsweise eines reli¬
giösen und nationalen Judentums.
Man kann einem Kinde Vergangenheit
und Zukunft nicht anders ausmaien als
das. Leben in der G e g e n w a r t. Es muss auch
ferner füglich bezweifelt werden, ob „ganz be¬
sonders auch Erlernung des . Neuhebräischen“
absolute Notwendigkeit zum Verständnis der
Ewigkeitswerte jüdischer Religion bedeutet.
Was soll man sich darunter vorstellen, v/enn im.
biblischen und jüdischen Geschichtsunterricht
„eine Konzentration von jüdischer' Geschichte
und Hebräisch“ anzustreben ist? Oder was be¬
deutet schliesslich,: dass „neben dem deutschen
auch das jüdische Heimaterlebnis in
den -heimatkundlichen Gesamtanschauungs¬
unterricht“ einbezogen werden mu£ 3 ? Verbirgt
sich nicht hinter „dem Vertrautwerden mit
allem Jüdischen ... der weiteren Umgebung,
durch das eine bewusste Erkenntnis des Juden- *
turas vorbereitet werden : soll“, die Durch¬
dringung der deutsch-jüdischen Schule mit
national-jüdischem Geiste? Sollte dies nicht •
beabsichtigt sein, so möchten wir diese Formu¬
lierung nicht; war- es aber Absicht, so möchten,
wir nicht solche. Richtlinien.. Fern von jeder
irgendwie gearteten Intoleranz können wir die
Erziehung in deutsch-jüdischen Schulen doch
nur so gestalten, dass .sie junge Menschen in
einem Geiste berangebildet, für den wir, als
für deutsche Menschen selbstverständlich, nur
die Synthese von Deutschtum und Judentum,
letzteres gestaltet auf religiöser Grundlage, be¬
anspruchen können. Sollte dies die Tendenz
dieser Richtlinien sein, dann muss sie mit grösse¬
rer Eindeutigkeit als bisher auch ln ihnen zum
Ausdruck kommen. Und so können wir unser
Einverständnis mit den Richtlinien der Reichs¬
vertretung auch nur davon abhängig machen,
dass an Stelle bisher beliebter vieldeutiger
Formulierungen die klare Richtlinie deutsch¬
jüdischer Jugenderziehung-gesetzt wird! .
§ 3 ok©S iFlVÜdOBWgg . *
Es. hiesse weit über das Ziel geschossen und
der Arbeit eher geschadet als genützt, wenn
man unser Werk damit begönne, in die kürz¬
lich vom Erziehungsausschuss der Reichsver-
treturig der deutschen Juden herausgegebenen
Richtlinien Gedanken hineinzulesen, die den
Verfassern gewiss nicht vorgeschwebt haben.
Alfred Fabian hat schon festgestellt, dass der
Ausgangspunkt der in den Richtlinien nieder¬
gelegten Forderungen durchaus unserem Wunsch
nach einer gesunden und würdigen Synthese
entspricht. Dass das Jüdische in den
Mittelpunkt aller in Betracht kommenden Unter¬
richtsfächer gestellt werden soll, ist eine For¬
derung, die jedem Schulfacbmann, soweit er
nicht Gegner der christlichen oder jüdischen
Schule überhaupt ist, völlig einleuchtet. Man
kann überhaupt nur dann ein sog. Sonder¬
schulwerk wie das.. evangelische, katholische
oder jüdische begründen, wenn man die Welt¬
anschauung, in der man. die Kinder erzogen
wissen will, in den Mittelpunkt des Unterrichts
stellt. Diese weltanschauliche Grundlage ist
für die jüdischen Schulen im Judentum ge¬
geben. Nur so ist dieser Satz zu verstehen.
Wir alle, dio wir auf deutschjüdischem
Standpunkt stehen, lehnen mehr denn je eine
politische Nationalisierung des Judentums ab;
anderseits kann selbst ein bewusster Deutsch¬
jude heute nicht an den Erfolgen" wie auch an
den Misserfolgen dea Palästinaauibaues
vorübergehen. Es bleibt unsere Aufgabe, den
politischen und kulturellen Zionismus, soweit
er schädigend auf die Entwicklung des moder¬
nen Judentums einwirkt oder einwirken könnte,
abzulehnen t und in einer geeigneten, würdigen
Weise zu bekämpfen. Dass aber die Tatsache
des Palästinaaufbaus in einer jüdischen Schule
behandelt werden muss, damit die Kinder eine
in unserem Sinne richtige Vorstollung von dem
Wert und Unwert der Arbeit erhalten, erscheint
mir nicht zuletzt vom erzieherischen Standpunkt
aus selbstverständlich.
Ganz und gar unverständlich Ist mir,
weshalb eine Konzentration von jüdischer
Geschichte und Hebräiech vom
deutschjüdischen Standpunkt aus nicht gefördert
werden sollte. Wenn man nämlich davon aus¬
geht, dass die Kenntnis der hebräischen Sprache
den jungen Menschen befähigen soll, über die
ÄE33 dop Arfsoly icüü QoteÜB.
Es war unsere erste Kundgebung in
Hindenburg; sie ist gelungen Wohl¬
diszipliniert, mit Gesang, in einheitlicher
Kluft, marschierte unsere Jungmannschaft
auf. ’ln ihren Gesichtern Begeisterung: Be¬
reitschaft! Ueber 80 Jungen und Mädel, die
stärkste Gruppe Oberschlesiens. Der Chor sang
vierstimmig „Ma towu“ und unterstrich das dem
Abend zugedachte Gepräge: Feier, Besinnung,
Bereitschaft! Alfred Böhm begrüß3te: Wir
veranstalten keine Diskussion, sondern eine
Kundgebung.
Döutcch-jüdißcbe Jugend sei bereit!
Beug* nicht die Schulter, trage das Leid!
Du Jude, auf deutscher Erde sei stark!
Bereitschaft! dringe dir tief ins Mark.
Das war der Grundgedanke des' mit eindring¬
lichem Pathos vorgetregenen Sprechchores, aus¬
lautend in die Forderung und unseren Gruss:
Bereitschaft! Rechtsanwalt Dr. Weber. (Rati-
bor) sürach Über Schicksal und Weg der deut¬
schen ‘Juden. Für uns -kommt nur der deutsch-
jüdische Weg in Frage. »Wir werden ihn gehen,
weil wir. ihn aus innerem Zwang gehen müssen!
Der war' überfüllt. Eltern und Freunde
waren erschienen. Eltern, ihr könnt -Vertrauen
zu uns haben! Plicht auf ouro Rinder, ihren Mut
er vor einer Ueberschätzung des Erreichten
warnen zu müssen. Am 1. Februar veranstalte¬
ten wir eine grössere Kundgebung mit dem
Motto „Unser deutscher und jüdischer Weg“, zu
der wir auch die zionistische Ortsgruppe, die
Vizo und den Bar-Kochba einluden. Der Abend
wurde durch -Einmarsch, Gesänge and Gedicht¬
vorträge unseres „Ringes“ umrahmt. Redner
waren Dr. J. Jakobowitz (Beuthen) und
Rechtsanwalt Dr. Böhm (Hindenburg), die all¬
gemein grossen Anldang fanden. Ein Mozart¬
abend war als Einführung zur „Figaro“-Auf-
führung des Kulturbundes gedacht. Sanitätsrat
Dr. Blumenfeld I hatte den Vortrag übernom¬
men, umrahmt von Darbietungen von Ober-
karitor Cohn, Rose Simenauer,,Dr. Im¬
merwahr, Fräulein Lehner und Dr,
Markus. Wir hörten ferner Vorträge von Dr.
Willy Cohn (Breslau), Dr. Ludwig Freund
Quellen und Schriften des Judentums in sein
Wesen einzudringen (und nur über die Quellen
ist ein. Eindringen in das Wesen des Judentums
gewährleistet !) & dann mus9 sogar eine solch©
Konzentration im Interesse der jüdischen Er¬
ziehung und insbesondere der Weckung dea
religiösen Erlebnisses gefordert werden. Richtig
ist, dass die Erlernung des Neuhebräischen als
sogenannte „neuere Fremdsprache“ niemals im
Mittelpunkt der Arbeit einer jüdischen Schule
stehen darf.
„Neben dem deutschen auch das jüdisch©
Heimaterlebnis . . .“ Hier scheint mir
ein bedauerlicher Irrtum Platz gegriffen zu
haben. Es handelt sich für das Kind um das
Erlebnis seiner geistigen und eeellschen Heimat,
in unserem Fälle auf deutschem und auf jüdi¬
schem . Gebiet. Wie auf deutschem Gebiet
historisch bedeutsame StätW zum Heimat-
erlebnis beitragen, so auch au! jüdischem. Das
Geiuejndehaus, däo jüdische Schulgebäude,
jüdisch© Institutionen ( all das trägt zum jüdi¬
schen Heimaterlebnis des Kindes bei. Nur so
ist jener Begriff pädagogisch zu verstehen.
Entschieden muss aber gegen die Unter-
eteilüng Front gemacht werden, als' ob jüdische
Pädagogen sich dazu hergebon wollten, etwa
durch eine Hintertür, andere als die so deutlich
zum Ausdruck, gebrachten Inhalte in die jü¬
dische Schule hineinzuschmuggeln. Im Grund©
genommen wird es von der deutschjüdischen
Jugend selbst abhängen, ob sie der jüdischen
Erziehung in Deutschland eine Wendung gibt,
die ihrer Auffassung vom Wesen des Juden¬
tums entspricht. Immer aber wird die jüdische
Erziehung, von wem sie auch ausgehen möge,
orientiert sein müssen am'Wesen des Juden¬
tums, so wie es uns in der jüdischen Geschichte,
die unsere Geschichte ist, und in den
hebräisch geschriebenen jüdischen Quellen ver¬
bürgt ist. Alles andere ist ein© Verkennung
des wahren Wesens. Ein starkes deutsches
Judentum ist, wenn es sein Leben im deutschen
1 Raum weiterführea will, ohne innig© Versen¬
kung in sein© Werte, so wie sie die jüdische
Schule fordert, einfach zum Hinvegetieren ver¬
dammt. Deshalb soll man aus den gutgemeinten
und in der Formulierung durchaus treffenden
„Richtlinien“ das Positive herauslesen und es
zur Weiterarbeit benutzen; die negative Kritik
aber überlass© die deutsch-jüdische Jugend
denen, die niemals alle werden.
Zur. '■
GßSQHffiafcgl
und ihr© Kraft. Wir werden es schaffen! Jugend,
komme zu uns! Bereitschaft!
In Uebereinstimmung mit den anderen ober¬
schlesischen Ortsgruppen hatte der Landesver¬
bandsleiter Dr. I m m e r w a h r im Oktober 1933
die Umbildung der G1 e i w i t z e r C.-V.-Jugend
in eine autonome deutsch-jüdische Jugend vor¬
genommen und di© Leitung der Ortsgruppe Ernst
R a w a k übertragen. Die Gruppen veranstalten
Heime und Fahrten, der Fachkreis,, in einzelne
Aemter unterteilt, Kurse, Vortrags-, Aussprache«
und gesellige Abende in grösserem Rahmen.
An den Freitagabenden kommen wir zu einer
religiösen Feier zusammen. Turnen und Sport
treiben wir innerhalb der Sportgruppo. des
' R. j.F. Nach der Lehnitzer Tagung gab es um
der einheitlichen Gestaltung des Bundes willen
einige Aenöerungen. Unser© Arbeit wurde tat¬
kräftig v/eitergeführt. Neben Kursen (Sanitäts-
kursus, biologische Probleme; „Der politische
Mensch“; Musikkursus); hatten wir einen Vor¬
tragsabend von Rechtsanwalt Dr. Ernst Kohn
über- „Jüdische Klänge in der deutschen Dich¬
tung“, wobei er Schöpfungen einzelner .Dichter
mit tiefem Verständnis vortrug. Kurt Sch warz
erstattete einen Bericht über die Lehnitzer ■ Ta¬
gung, ■ zu dom unser ■ Ortsgruppenführer
E, Rawak Stellung nahm. Eei allor freudigen
Eojahung der einheitlichen- Organisation glaubte
Bezug ia Gross - Berliü frei
Haus durch die Versand¬
etelle der Staatsquellen Fachingen und Niederselters,
Berlin SW 11, Sohöneberger-Str. 16a. TeL: B2 Lütz. 5204.
(Berlin) und besprachen die Themen später in
eigenem Kreis. Am 25. Februar nahmen wir an
der Gedenkfeier des R. j. F. anlässlich. des
Heldengedenktages teil. Vor kurzem konnten wir
in unserem neuhergerichteten Heim die gesamte
Führerschaft des oberschlesischen Landesver¬
bandes zu einer Landesverbandstagung auf¬
nehmen.
. Der „Bund“ setzte seine Werbeaktion- in
Oberschlesien mit einer Kundgebung, in
Beuthen fort. Der Saal war dicht gefüllt,
als unsere hündische Jugend zum ersten Mal©
in Oberschlesien gemeinsam mit dem ^schwar¬
zen Fähnlein“ einmarschierte. Nach kurzen
Ausführungen Franz Rosenthals ergriff
Heinz Kellermann (Berlin) das Wort, ln
begeisternden Worten legte er den Sinn unserer
Arbeit dar. Die Aufgabe der deutsch-jüdischen
Jugend, die unlösbar mit ihrer deutschen Hei¬
mat verbunden ist, besteht darin, eine neue,
disziplinierte, wahre Emanzipation zu er¬
kämpfen. _________
Pommern — IDatrazIg —
Ein ßoBsoIboricSifr ' I
Die C.-V.-Ortsgruppe Danzig fordert . den
„Bund“ zu einem Vortrag über „Zukunftsfragen
des deutschen Judentums“ auf.. Auf dem etwas
verlängerten Hinweg liegt Pommern, der
Rückweg gibt Gelegenheit, auch mit unseren
ostpreussischen Freunden einmal per¬
sönlich wichtige Fragen zu besprechen. Nur
noch wenige Tage stehen zur Organisierung
kleinerer Veranstaltungen zur Verfügung;, es
wird schon klappen ...
Stettin. Neue Aufgaben rufen: mit den
Menschen dort draussen, die für uns, für den
Bund auf Vorposten stehen, dio innere Ver¬
bindung herzustellen, von der Arbeit zu
sprechen, die seelischen Halt gibt, vom gemein¬
samen Ringen um Neuordnung, die Lebensraum
und Existenz sichern soll.
Empfang am Bahnhof. Man hat sich sooo
lange nicht gesehen. „Was macht ,der Bulei*
und was macht ,d i e Bulei 4 ? • Warum - hören
wir so wenig?“ „Du hast recht, wir kennen
die' Schwierigkeiten und wir sind auch auf
die inzwischen' geleistete Arbeit anderer Lan¬
desverbände neugierig. Aber wir wollen euch
beweisen, dass Pommern vorbildlich arbeitet! 4 '
Durch ein Gewirr von Gängen, Treppen ins
Heim. Helle, freundliche Räume. Aber noch
ist nicht alles fertig; das sicht man nicht. Be¬
geisterung und ein bisschen Neid müssen frei¬
mütig bekennen, dass wir in Berlin, an diesen
Räumen gemessen, nichts Repräsentatives. ent-
gegensusetzen haben.
Im grösseren Kreise sprechen wir von der
Arbeit des Bundes. Oberschlesien und
Nordmark, Mitteldeutschland und Pom morn ver¬
bindet ein Gemeinsames: der Bund. Man kennt
sie' nicht alle persönlich, weder Führer noch
Gruppe, aber man weios: es ist dieselbe Idee,
die wir vertreten, derselbe Gruss, dasselbe
Symbol, dieselbe Not. Lange wird gerade von
dieser Not gesprochen, von der drückenden
Arbeitslosigkeit, dem schwierigen . Existenz¬
kampf des gerade in Pommern erfreulich
starken jüdischen • Handwerkerstammes und
dem oft verständnislosen Verhalten jüdischer
Arbeitgeber. „Jahrelang bin ich auf See ge¬
fahren, habe sämtliche fünf Erdteile gesehen,
und trotzdem -komme ich nicht weiter.“ Kein
Einzelfall. Jeder trägt seine Serge. Und doch:
sie wollen in Deutschland ihre Existenz
neu aufbauen, junge arbeitslose Angestellte,
Handwerker, der frühere Rechtsanwalt» Men-
.sehen unseres „Bundes“.
Es geht auch um die ideologische Ge¬
staltung. Die Jüngerenführer fordern Klarheit
der Liiiie. Wir wollen uns vor Formulierungen
hüten, wo erst die Entwicklung Entscheidungen
heranreifen lässt. Unser Bekenntnis zu Deutsch¬
tum und Judentum ict die uns eigentümliche