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BLÄTTER DES BUNDES DEUTSCH-JÜDISCH Fl?. JUGEND - BEHAGE DER. CV.-ZEITUN
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Die Bindung, mit der ein Bund seine
Menschen erlasst, ist, wenn er seinen Sinn er¬
füllt, in tieferen Schichten begründet, als im
Organisatorischen allein. Dieses ist Schale, Form
der gelebten Idee, und ein Zusammenschluss
von Menschen, der sich auf nur menschliche
Beziehungen, wie die der Kameradschaftlich¬
keit, beruft, wird niemals die innere Kraft zur
Gegenwartsgestaltung aufzubringen vermögen.
Daher der geistige Kampf jeder Jugendbewe¬
gung um ihr innerstes Gesetz, um den tragen¬
den Sinn ihres Zusammenschlusses, um ihre
Ideologie. Daher aber auch die oft engstirnige
Verbissenheit, mit der man sich an Formulie¬
rungen klammert, die einer Gruppe das einzig
denkbare Lebensprinzip ihrer Arbeit darzu-
eieilen scheinen. Beides ist der Ausdruck des
Lebenswillens einer hündischen Gemeinschaft,
hier ins Schöpferische, dort ins Unfruchtbare
gewandt, und die wirklichen Kraftquellen ihres
Daseins beginnen erst da zu versiegen, wo diese
innere Bewegung zum Stillstand gelangt.
Der Weg unseres Bundes durch die sechs
Monate seines Bestehens ist ein einziges Suchen
gewesen. Kaum dass der grosse Wurf geglückt
war, die zahlreichen Gruppen der deutsch-jüdi¬
schen Jugend in die Gemeinschaft des Bundes
zu führen, begann auch schon der Kampf um
'die besondere Prägung, die seiner Arbeit ge¬
geben werden sollte. Es war die Stärke des
einheitlichen Wollens, das den Bund in seinem
Lehnitzer Anfang auf die buchstäbliche Fest¬
legung seiner Ziele verzichten liess. An der
stärkeren Wirklichkeit der Zeit wäre ein ver¬
frühter Versuch gescheitert, oder das Werk des
Bundes wäre an der Starrheit formulierter
Sätze auseinandergebrochen. Was den Bund ins
Leben rief und am Leben erhielt, war die leben¬
dige Kraft jener Idee, zu der sich alle seine
Menschen freudig bekannten, die Idee eines zu¬
tiefst jüdischen Daseins, das sich dem heimat¬
lichen Lande innig verbunden wusste.
Die Fragen aber, die sich in dieser Zeit
immer erneut ganz unabweislich auftun, sind zu
brennend, als dass wir sie mit dem stärkeren
Bekenntnis zu unserem Deutschjudentum be-
(mhwichtigen könnten. So ist es nur natürlich,
wenn im Bunde die Forderung nach festumrisse-
nen ideologischen Grundlagen, etwa in der
Form schriftlich nieöergelegtcr programma¬
tischer Richtlinien, im Wachsen begriffen ist.
Sie entspringt einer wirklichen Notwendigkeit.
Der Sinn dessen, was der Bund heute bereits
im deutschen Judentum bedeutet, liegt weilnin
gerade in der Ueberwindung einer Zersplitlc-
r.ms, an der sich früher der willensmassige
Einsatz der jungen Generation verzettelte.
Freilich, auch der Bund hält daran fest, dass die
wesentliche Erziehungseinbeit die Gruppe ist,
und dass sie daher auch geistig eine Einheit
und ein Eigenes darstellen muss. Aber_ er
fordert, dass nicht Sonderkleologien in seiner
Mitte sich auftun. Den einzelnen Gruppen ist
cs überlassen, sich eigene geistige Wege zu
suchen. Aber der Bund verlangt, dass diese
Wege unmittelbar in das Zentrum seiner Ziele
führen. Es wäre die wesentliche Aufgabe der
Richtlinien, die eines Tages kommen werden,
diese Ziele in grösster Wirklichkeitsnähe und
mit einheitlichem Geltungsanspruch für dio
'Arbeit der Gruppen lestzulegen. Denn hün¬
dische Gemeinschaft bedeutet Bindung in
eigenstem Sinn, nicht. Selbstaufgabe, sondern .
Einordnung. In dem Verzicht^ auf letzte Indi¬
vidualität zugunsten der Gemeinschaft, der man
zugehört, enthüllt sich der Rhythmus unserer
Generation.
Die Gemeinschaft jedoch, in der wir stehen,
und der unsere Arbeit gilt, reicht über die
Grenzen des Bundes hinaus, sie ist das deutsche
Judentum in seiner 'Gesamtheit. Einem Bund
Deutsch-Jüdischer Jugend,, dessen Wirken, von
dem Willen zu Deutschland eindeutig bestimmt
ist, muss es aufgegeben sein, alle jene Menschen
zu formen, die ihre Zukunft aus innerster Ve*.-
pflichtung in diesem Lande suchen werden,
weil auch ihr Judentum sie zum deutschen Hei-
materlebnis führt. Richtlinien dieses unseres
Bundes werden also mehr als das Statut des
geistigen Lebens in unseren eigenen Reihen be¬
deuten, denn sie werden morgen das Bekennt¬
nis der jüdischen Gemeinde Deutschlands sein.
In der Erkenntnis der normativen Kraft seines
Wollens und in tiefster Verantwortung um die
Zukunft des deutschen Judentums hat der^Bun
noch eben in dem „Berliner Abkommen“ mit
dem Roichsbund jüdischer Frontsoldaten sich
bereiterklärt, die geistige Schulung auch der m
den Sportgruppen dieser Organisation zusam-
fnengefassten jungen Menschen in die Hand zu
nehmen. Damit ist von der Seite der älteren
Generation, die uns ihre Jugend anvertraut, un¬
missverständlich anerkannt worden, dass die bei
uns geleistete Arbeit eigentliche Zukunftgestal¬
tung ist. Die Richtlinien des Bundes werden
daher auch ausserhalb unserer Reihen geistige
Verbindlichkeit entfalten.
Ein Weiteres ist damit schou gesagt, und
doch muss es immer wieder mit grösster Klar¬
heit hervorgehoben werden, damit die Versuche
jener, die uns aus mehr oder weniger durch¬
sichtigen Gründen mieszuversteben pflegen, an
der Deutlichkeit unserer Sprache Schiffbruch
leiden. Wenn wir uns Richtlinien geben wer¬
den, so werden sie nichts als den Eigenwillen
unserer hündischen Gemeinschaft repräsen¬
tieren. Keine Instanz innerhalb des deutschen
Judentums, keine öffentliche oder private In¬
stitution oder Organisation, hat die Be¬
fugnis oder die Möglichkeit, mit irgend¬
welcher Massgeblichkeit einzugreifen. In
dem „Berliner Abkommen“ mit dem RjF haben
wir zum Ausdruck gebracht, dass der Bund die
volle geistige und ideologische Autonomie be¬
ansprucht und aufrechterhält. Unsere Zusam¬
menarbeit mit dem RjF ist vorerst noch auf das
sportliche Gebiet beschränkt, und so, wie wir
nach wie vor organisatorisch völlig von den
Sportgruppen des RjF geschieden sind, bleiben
wir auch geistig frei. Diese Unabhängigkeit
des Bundes von den jüdischen Grossorganisa-
tionen, wie sie in dem „Berliner Abkommen“ nie¬
dergelegt und neu bestätigt ist, stellt einen
wesentlichen Bestandteil seiner inneren Hal¬
tung dar. Sie ist unveräusserlich schlechthin.
Auch dies muss noch einmal unmissverständ¬
lich ausgesprochen werden, schon weil uns
einige Zuschriften unserer Menschen aus dem
Reich zu zeigen scheinen, dass es nicht jedem
gegeben ist, die absolut klare Fassung des
„Berliner Abkommens“ richtig zu lesen. Auch
von einer bestimmten anderen Seite her ist ver¬
sucht worden, die im Bund zusammengeschlos¬
sene deutsch - jüdische Jugend für sich und die
eigene Organisation zu reklamieren! Wir leh¬
nen es mit allem Nachdruck ab, als Gefolgschaft
irgendeiner jüdischen Organisation angesehen
zu werden. In Lehnitz ist der Bund in Unab¬
hängigkeit von den Erwachsenenverbänden ent¬
standen. Es war der C.-V., der in weitsichtiger
Erkenntnis, dass die neuen Dings von denen,
die sie in ihrer vollen Schwere zu tragen haben,
in geistiger Selbständigkeit gemeistert werden
müssen, d.ie Möglichkeit zu dieser Autonomio
gegeben bat. Der historische Verzicht des C.-V.
auf eigene Jugendgruppen — der Ausgangs¬
punkt einer Linie, in die nun auch der RjF ein-
geschwenkt ist ~ wird in unseren Reihen nicht
vergessen werden. Wir sind autonom, aber
wenn wir einem Teil der deutsch-jüdischen Er¬
wachsenenbewegung sowohl erkenntnis- und wil-
lensmässig als auch menschlich nahe verbunden
sind, dann in erster Linie dem C.-V. — und wir
Jugend
Jung sein, heisst: glauben
An die eigene Kraft und den eigenen Mut,
An das eigene strömende heisse Blut —
Jugend ist Glaube.
Jung sein, heisst: hoffen
Auf der ungestümen Wünsche Stillung,
Auf des ewigen leuchtenden Ziels Erfül¬
lung —
Jugend ist Hoffnung.
Jung sein, heisst: siegen
Ueber die Welt und das eigene Brennen,
Jung sein, heisst: lachend sterben können—
Jugend ist Sieg! -
Lissy Rothschild.
gen dies unbeschadet dessen, was ich oben nie-
srsebrieb, denn ein solches Bekenntnis hat
nen anderen Klang, wenn w i r es aussprechen
id wir die Hand reichen.
Richtlinien des Bundes also, obwohl ihreOol-
mgskraft die Gesamtheit der deutsch-jüdischen
eneration wird umfassen müssen, werden in-
erhalb des Bundes ausgeformt werden und
emnach in ihrer Entwicklungsgeschichte von
er besonderen inneren Problematik dieser Ge¬
ieinschaft abhängig sein. Wenn sich heute ein
■arker Wille zu diesen Richtlinien bemerkbar
mcht, so bedeutet das zunächst, dass die Fragen
er äusseren Organisation des Bundes ihrer end-
ültmen Lösung nahe sind, und dass sich die
iedanken nun um so stärker auf die innere
Gestaltung richten. Aber es bedeutet auch,
ass der Bund sich noch in einem frühen
♦„dium seiner Suche befindet. Seine Linie
IMJEnKa
steht unverrückbar fest. Aber die konkreten
Ausformungen seines tiefsten Wesens sind noch
nicht erbracht. Sie müssen reifen. Wenn ein¬
mal die Geschichte unseres Bundes geschrieben
wird, so wird der Entstehung der Richtlinien
ein besonders interessantes Kapitel gewidmet
sein. Denn es ist ja durchaus nicht die Un¬
tätigkeit oder Kraftlosigkeit der Bundesleitung,
die die Entstehung der Richtlinien bis heute
verhindert hat. Im Gegenteil! In vielen Näch¬
ten haben hier die verantwortlichen Menschen
zusammengesessen und die Probleme diskutiert,
die über der Zukunft des deutschen Judentums
stehen. Aber es ist nichts damit getan, es würde
der deutsch-jüdischen Sendung des Bundes und
dem Willen seiner Glieder nicht entsprechen,
wenn sein ideologisches Programm nicht mehr
als eine Häufung von Schlagworten enthielte.
Ja, fein verfrühter Versuch wäre verhängnis¬
voll, er würde den Glauben an den Bund zer¬
stören und durch die notwendige Unschärfe
seiner Formulierungen den Gruppenseparatis-
mus wiederbeleben, den zu zerstören der Bund
berufen wurde und berufen ist Mit Füllworten
aber wie: der Bund setze sich ein für ein
„religiöses, geistiges und geschichtliches Juden¬
tum“, mit so umfassenden Redewendungen,
dass sie alles und also nichts bedeuten, wird
der Eindruck eines Kompromisses erweckt und
keine Klarheit geschaffen. Die Ziele der Bun¬
desarbeit, der geistigen und materiellen, müssen
in letzter Konkretheit aus den Richtlinien er¬
sichtlich werden. Ü3nn erst erfüllen sie ihren
Zweck.
Die Arbeit, die noch bevorsteht, ist schwer.
Und dennoch werden die Richtlinien nun nicht
mehr lange auf sich warten lassen. Sie werden
kommen, wenn sie ans dem Geist des Bundes
und der Menschen, die in ihm ihr jüdisches
Leben führen, gewachsen sind — denn« gewalt¬
sam anfertigen kann man sie nicht. Sie wären
keine. Darum werden alle Bestrebungen die
nachdrückliche Förderung des Bundes erfahren,
die das organische Wachstum des hündischen
Ideengutes fördern können. Die alte unzerstör¬
bare Form geistigen Werdens in der Jugend¬
bewegung ist di e Aussprache. Der Kreis
der Verantwortlichen, diese persön¬
liche Schöpfung Heinz Kellermanns, soll,
hier anknüpfend, eine wirklich verantwortliche
Arbeit an den ideologischen Fragen des Bun¬
des verrichten. Auch die „Seite der Ju-
g e n d“, der wir heute ein neues Gesicht ge¬
geben haben, soll die wirkliche Nähe zum Lebert
des Bundes finden, sein Ausdruck "werden. Bis
jetzt hat der Bund ein eigentliches Forum in
der Oeffentlichkeit nicht gehabt. Hier kann
und soll es zur Entstehung kommen, wenn alle
mitarbeiten. Die „Seite der Jugend“ ist dm
geistige Repräsentation des Bundes vor d^
Aussenwelt. Dass auch sie Richtlinien-Arbcit
lut, ist die Pflicht, die wir ihr auferlegen.
Der Bund ist in Bewegung. Nirgends wird
es klarer als hier, in der Frage der Richtlinien.
Nirgends aber auch enthüllt sich deutlicher,
dass in ihm das lebendige Leben pulsiert. Schon
sind wir so weit, dass es der Werbung nicht
mehr bedarf — schon wiegt das realpolitische
Gewicht unserer Idee unter der jungen jüdi¬
schen Generation «o stark, dass sic keiner pro¬
grammatischen Rechtfertigung mehr bedarf. Noch
vor sechs Monaten konnten wir dreissig Or f s-
gruppen zählen, heute sind es schon über hun¬
dert. Aber nicht dio Zahl entscheidet, sondern
die innere Kraft. Die aber werden wir nicht
aus Richtlinien gewinnen, sondern wir haben
sie und werden also nach dem Bilde unser.-:.
Wollene in zäher Arbeit die Zukunft gestalten,
Martin Sobotkcr.
P@r ,ßwN<$ ,s , dio
dfoutech- jSdiiscbs
Die C.-V.-Zeitung batte in ihrer Nr. 27 unter
dieser Ueberschrift über das Abkommen zwischen
dem Bund Deutsch-Jüdischer Jugend und dem
Reichsbund jüdischer Frontsoldaten berichtet.
Die Leitung des Verbandes der jüdischen Jugend¬
vereine Deutschlands hat hierzu die folgende
Erklärung abgegeben:
„Der Artikel über das Abkommen des
Bundes deutsch-jüdischer Jugend mit dem
Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten ..Der
„Bund“, die deutsch-jüdische Jugendbewe¬
gung“ in Nr. 27 der C.-V.-Zeitung vom 5. Juli
hat'den unrichtigen Eindruck erweckt, als ob
der Bund deutsch-jüdischer Jugend die einzige
deutsch-jüdische Jugendbewegung sei. per
Ausschliesslichkeitsanspruch, der in dieser Ver¬
öffentlichung zum Ausdruck kommt, ist unbe¬
rechtigt.
Wir sind in unserer Erziehungsarbeit, au
deren Gestaltung übrigens führendo Persön¬
lichkeiten des C.-V. aktiv iciluchinen, unmittel¬
bar an der Wirklichkeit des deutsch-jüdischen
Lebens ausgerichtet. Unsere Erziehungs¬
arbeit stellt die Tausende junger jüdischer
Menschen, dio sich in unserem Verband zu-
sammengeschlossen haben, in das deutsch¬
jüdische Leben hinein und verbindet sie zu¬
gleich dem Aufbauwerk in Erez Israel als einer
für die Zukunft der jüdischen Gemeinschaft
entscheidenden Wirklichkeit Diese Verbin¬
dung gilt auch für diejenigen unserer Men¬
schen, die ihre persönliche Zukunft in Deutsch¬
land aufbouen wollen.
Der Ausschliesslichkeitsanspruch des Bundes
deutsch-jüdischer Jugend ist deshalb unberech¬
tigt, weil auch für uns die aktive Gestaltung
des Lebens der Juden in Deutschland im
Mittelpunkt unserer Arbeit steht. Die Ver¬
antwortung für die Zukunft der jüdischen Ge¬
meinschaft lässt uns diese gesamtjüdische Hal¬
tung gerade für die nichtzionistische Jugend
als'einzig angemessen erscheinen.“
Hierzu schreibt Kcico:
Es wird in unsern Tagen so oft von dem
Weg in die Wirklichkeit gesprochen und ge¬
schrieben. Weit öfter sollte man von der
Pflicht sprechen, die uns gebietet, sich in der
Wirklichkeit zu bewähren, auszuharren, weiter
zu arbeiten, neu aufzubauen. .Welcher Art ist
aber die Wirklichkeit, die wir zu bestehen
haben? Kein Wort gegen die Abgekämpften,
Müden, die, ausserstandc. hier weiter zu wirken,
schweren Herzens ihre alte Heimat, ihr bis¬
heriges Wirkuugsleld aufgeben, um sich fern
in Palästina eine neue Heimat zu erarbeiten.
Kein Wort auch gegen diejenigen, denen aus
innerer, ernst gewonnener Erkenntnis heraus
Palästina als das wahre Heimatland erscheint.
Wir würdigen ihre Beweggründe und haben
JcügGüidbGWGguiAio
Verständnis, nicht Hass, für ihre Handlungs¬
weise. Auch die vielen deutschen Juden, die
sich ehrlich einen neuen Weg bahneü, sich
mit den Geschehnissen ausoinanderzusefzen
suchen, empfinden wir als Mitstreiter beim Neu¬
bau des deutschen Judentums. Entschieden
aber wenden wir im? gegen jene Kreise. di<\
unfähig wirklich Stellung zu dem Neuen zu
nehmen, einfach aus Mangel an Haltung nicht
die Kraft zur Entscheidung finden. Sie schamm
nach beiden Seiten: Von wo wird uns Hilfe
kommen? Da aber Hilfe nur durch klare Em-
scheidung herbeigerufen wird, so »schauen sie
vergeblich und — entscheiden sich schliesslich
für beides, ja, erheben ihre Unentschiedenheit
zur G ruppenanschauuog.
Das deutsche Judentum hat in seinem Kern
niemals den Weg der Konjunktur beschriften.
Es hat — nicht immer ganz klar — aber in
seinen besten Köpfen durchaus folgerichtig die
Aufgaben erkannt, die die echte Wirklichkeit
ihm stellte und ist sogleich an die Lösung ge¬
gangen. Wenn aber die ältere Generation an
manchen Bruchstellen des Dammes versagt hat,
die' Jugend ist entschlossen, den Blick ;r-f
Deutschland gerichtet, das deutsche Judentum
stärker denn zuvor uufzubauon. Der Weg in •- -s
Wirklichkeit für den deutschen Juden bedou*'.:
Aufbau seiner geistigen und nmicriclmn.
Existenz hier im Lande seiner Väter und ec: irr
Wahl, bedeutet den Versuch, trotz aller Schwie¬
rigkeiten furchtlos und treu zu bleiben. Dre
ist kein Heroismus, sondern Pflicht, geboren
nicht zuletzt aus dem Bewusstsein, dass überall,
wo Juden wohnen, sie zu derselben Arbeit ver¬
pflichtet sind, mit dem ewigen Ziel des Juden¬
tums, die Gola zur Heimat zu gestalten. First
wenn überall Gola zur Heimat geworden
dann kann jenes Zeitalter hereinbrechen, ‘ k:
das dio Weisen das Kommen des Measias vor¬
ausgesagt haben. Inzwischen aber beirrt ca
ganz einfach arbeiten, jeder an dem Platze, in.
dem Lande, das ihm durch Schicksal Heimat
wurde.
Für den Juden, der so judentumsverbunden
'denkt, gibt es kein Schwanken, kein geistiger.
Schielen. Er sieht die ungeheuren Schwierig¬
keiten, die neu vor ihm auflauchendcn Frager
genau, so ernst und verantwortungsbewusst wie
sein Nebenmensch, er fragt sich oft: ist es auch
richtig?, aber da er sich entschieden hat, kt
ihm im Grunde sein Weg vorgezcichnct. Dieser
Weg ist für den deutschen Juden der Wog m
Deutschland, aber er ist zugleich ein Weg in*
Judentum. Diese Teschuwa ist wie jede echte
Umkehr auch ein Schritt voran. Und so streben
wir zu einer bisher nicht gekannten jüdischen