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2. Beiblatt
der C.-V.-Ztg.
Nummer 41
Nummer 16
11. Oktober »
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BLÄTTER. DES BUNDES DEUTSCH-JÖDISC-HER TUGEND - BEILAGE DER. C.V.-ZE
Der Bund ha5 der „ScESe der Äugend“ die ^erpffSichfiung aufferiegfi, ESichfi«
HnlenarbeSS zu BcIsScn. En den Aussprachen, die in den worangegangenen
Hummern s2a22ge!?undan haben, haben sich Jlunge Menschen darum bemfiähß, zu
den aufgeworfenen Fragen AbschSücsscndes zu sagen, so gu2 es mSgOSch war-
!n Zukunft werden wir nun d!c t?cran5wor6S3chen Führer des Bundes an der
Spifise des B2aS5cs das TlforS nehmen Sassen. Ehre Ausführungen haben ideoEo»
gische Verbir.diich:cc38 für dEe Ein Bund BeuSscSa-JQdSscher Äugend zusammen-
geschiossene QemeSnschofS.
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Zu der heute gestellten Frage äussert sich im Folgenden ISruno Sommerfeld« der
zusammen mit Martin: Sobotker _ im Sozialamt des Bundes verantwortliche Arbeit leistet. Er
bemüht sich darum, für das soziale Programm, das der Bund in den nächsten Monaten zu ent¬
wickeln haben wird, die geistigen Grundlagen zu schaffen, ein Versuch, der von der nur auf das
Allgemeine und verschwommen Ideelle gerichteten Jugendbewegung bisher noch kaum unter¬
nommen worden ist. Seine Ausführungen geben die Richtung an, in der das soeben reorgani¬
sierte Sozialamt seine Tätigkeit entfalten wird.
I.
Hätte man die Vorkämpfer der deutschen
Jugendbewegung, etwa die Führer des „Wander¬
vogel“, nach den sozialen Aufgaben ihres
Bundes gefragt, so hätten sie die Achseln ge¬
zuckt. Befreiung des Einzelmenschen von jeder
Konvention war ihre Losung, eine darüber hin¬
ausgehende Zwecksetzung war ihnen fremd.
Und auch heute gibt es — freilich seltener —
Jugendführer, die in ihrer jugendbewegten
Haltung als. „ewige Wandervögel“ über der
geistigen Sinndeutung des Lebens die Fragen
praktischer Lebensgestaltung vergessen. Aber
im allgemeinen hat doch die Veränderung des
sozialen Wertbildes nach dem Kriege zugleich
die Zielsetzungen der Jugendbewegung ge¬
wandelt. Dem wirkungslos verhallten Protest
gegen die unwahrhaftige Lebensführung der
Alten folgte der Gestaltungswille zur realen
Eingliederung des einzelnen in die Ge¬
sellschaft. Die Bünde stellten sich festum-
n'ssene Aufgaben, wofür Politik, Kultur und
Wirtschaft die Arbeitsgebiete abgaben. Dem not¬
wendigen Abbruch folgte der Aufbau. .
II.
Unser Bund hat viel abzubrechen, bevor er
aufbauen kann. Wir müssen die uns von der
älteren Generation eingeimpften sozialen Wert¬
vorstellungen in uns austilgen, denn ein un¬
gewöhnliches Geschichtsereignis hat unser ge¬
sellschaftliches Dasein von Grund auf ver¬
ändert. Die sozialen Aufgaben des Bundes er¬
schöpfen sich nicht in der Kernfrage: Beruf,
vielmehr ist darunter die gesellschaftliche Er¬
neuerung (oder richtiger: Formung) der in
Deutschland verbleibenden Juden zu verstehen.
Absichtlich wmrde das Wort „jüdische Gemein¬
schaft“ vermieden, denn vorläufig beherrschen
noch die Gruppenbesonderungen das Feld, so-
dass wir höchstens von einer „Notgemein-
sebaft deutscher Juden“ sprechen
können.
Aus dieser Lage erwächst dem Bund eine
'Aufgabe von jüdisch-geschichtlichem Ausmass.
Unsere Menschen müssen so erzogen werden,
dass sich ihnen das äussere „So leben müssen“
in ein inneres „So leben wollen“ verwandelt.
Ein Typus jüdischer Menschen muss heran-
gobildot werden, dessen geistige Anschauung
und dessen Lebensstil der deulschjüdischen Ge¬
meinschaft eine einheitliche geistige Gestalt ver¬
leiht. Die Aelteren unter uns werden Ueber-
gangsgeneration sein und bleiben, ihre her¬
kömmlichen Anschauungen und Lebensgewohn¬
heiten werden nur schrittweise geändert werden
können. An unseren Jüngeren wird sich der
Erziehungsprozess voll auswirken.
III.
Die dringendste soziale Aufgabe ist die wirt¬
schaftliche Eingliederung unserer Menschen in
den deutschen Wirtschaftsraum. Nicht, dass der
Hund den berufenen jüdischen und amtlichen
Stellen die Arbeitsvermittlung abnehmen sollte,
öas darf er nicht einmal; aber die geistige und
praktische Schulung für den Berufswechsel, die
.Vorbereitung der Berufswahl, die gemeinsame
Ausübung des Berufs müssen in das Aufgaben¬
gebiet des Bundes einbezogen werden. Für das
Bestehen des Bundes ist es von der grössten
Bedeutung, dass seine Mitglieder ihren Platz im
Wirtschaftsleben ausfüllen. Die Untätigkeit, die
Versagung des elementarsten Rechtes: des
Rechtes auf Arbeit, lähmt geistig gerade die
Arbeitsfreudigsten, die Kräftigsten, die „Kerle“
■unter uns. Dieser Rückwirkung kann nur vor¬
übergehend durch intensive Arbeit im Bunde
begegnet werden. Allgemeine Richtlinien las-
* >on sich für solche Fälle nicht aufstellen, zu
v crscbieden ist Herkunft und Ausbildung der
berufslosen Aelteren in unserem Bunde. Viele
' 0n ihnen haben sang- und klanglos „umge-
schioliiei“. Keine Statistik führt sie, keine
Hachscharahstelle sah sie. Die Studienbank,
das Arzt- oder Gerichtszimmer wurde mit dem
Geschäftslokal, dem Fabrikplatz, der Reparatur¬
werkstatt, dem Gutshof vertauscht. Iin Ver¬
hältnis zu den zionistischen Bünden spielt die
Berufsumschichtung bei uns keine überragende
Rolle. Die meisten von uns haben noch ihren
Erwerb, und es wäre vom Standpunkt der Ge¬
samtheit wie des einzelnen aus unvernünftig,
einen festen Arbeitsplatz gegen eine unsichere
Chance zu tauschen. Abgesehen davon ist die
Devise „Berufsumschichtung“ vom Bund nicht
ohne Vorbehalt zu befolgen. Wie der Hechaluz
die Berufspolitik nach den Bedürfnissen des
palästinensischen Arbeitsmarktes ausrichtet, so
muss der Bund für die Berufszuführung seiner
Mitglieder die Gesetze des deutschen
Wirtschafts märkte6 zur Richtschnur
nehmen. . Die gegenwärtige berufsethische
Höherbewertung der landwirtschaftlichen und
handwerklichen Berufe darf nicht dazu führen,
dass die kaufmännischen Berufe — die
noch für lange Zeit das wirtschaftliche Rück¬
grat des deutschen Judentums bleiben wer¬
den — keinen Nachwuchs erhalten. Innerhalb
'dieser Grenzen ist vom Bund die Angleichung
an die Berufsstruktur der Umwelt anzustreben.
Die in letzter Zeit aufgeworfene Frage, ob die
sogenannte „Normalisierung“ der Berufe, vom
Jüdischen her gesehen, erstrebenswert ist, ist
zu bejahen. Es lässt sich kein Satz der
jüdischen Glaubenslehre anführen, der dagegen
spräche. Im Gegenteil, unsere jüdischen Sozial¬
gesetze haben auf ein beruflich normal struktu¬
riertes Volk Bezug.
Der Bund muss ßich dafür einsetzen, dass
alle, die Handwerker oder Facharbeiter werden
wollen, eine Vollausbildung erhalten.
Eine Vorbereitung nach Art der Hachscharah
ist im Hinblick auf den hochqualifizierten deut¬
schen Handwerker und Spezialarbeiter völlig
■unzureichend. Das jüdische Handwerk und die
Industrie ist für junge Kräfte noch aufnahme¬
fähig, da viele der jetzt in Ausbildung Befind¬
lichen Auswanderungsabsicht haben. Zu land¬
wirtschaftlicher oder gärtnerischer Ausbildung
kann nur in vereinzelten Fällen geraten werden.
Die Propagierung der Umschichtung für diese
Berufe verbietet sich aus gesetzlichen und tat¬
sächlichen Gründen. Eine Gruppe des Bundes
von. über ‘20 Jungen und Mädchen schichtet
gegenwärtig im Land werk Neuendorf
um. Sie haben die feste Absicht, sich in
Deutschland landwirtschaftlich oder gärtnerisch
zu betätigen. Der Bund müsste mit dieser
Pioniertruppe den Versuch einer Genosscn-
schaftssiedlung auf jüdischem Grundbesitz
wagen. Der Versuch der älteren Generation,
die Siedlung Gross-Gaglow bei Kottbus, ist ge¬
glückt. Die Siedler einzeln anzusetzen, empfiehlt
eich nicht. Gemeinsam können sie eher die ge¬
waltige körperliche und geistige Belastungs¬
probe, die die Umstellung bedeutet, ertragen.
Auf sich gestellt, verliert der einzelne leicht
die Kraft zum Durchhalten und den Zusammen¬
hang mit der Gemeinschaft. Der Bund müsste
darüber hinaus in Verbindung mit den zustän¬
digen Stellen das Landjahr und den freiwilligen
'Arbeitsdienst durchzuführen versuchen. Im Zu¬
sammenhang mit dem Gesetz zum Austausch
von Arbeitsplätzen erscheint diese Aufgabe be¬
sonders dringlich. Irgendwo muss ein Abfluss
für die aus dem (Erwerbsprozess ausgeschalteten,
jungen Menschen gefunden werden. Daran ist
die = nicht jüdische wie die jüdische Allgemein¬
heit in gleicher Weise interessiert.
IV.
Unsere Jüngeren haben es leichter als wir.
Sie brauchen keine berufliche Umstellung vor¬
zunehmen. Dass die Berufswahl unter Ge¬
sichtspunkten erfolgt, die den Erfordernissen
der Gesamtheit wie der Neigung und Anlage
des einzelnen Rechnung tragen, ist die schwerste
Sozialaufgabe des Bundes. .Wir müssen dafür
sorgen, dass die Bündischen in ihren Beruf
hineinwachsen. Unsere Jungen und Mädchen
müssen frühzeitig mit Stoff und Werkzeug ver¬
traut werden. Dabei soll nicht die eigenbröt¬
lerische Art der Bastelei gewählt, sondern durch
Herstellung und Reparatur von Gebrauchs¬
gegenständen die handwerkliche Fähigkeit ge¬
weckt werden. In München ist vom Bund mit
Erfolg eine Schreinerwerkstatt in Betrieb ge¬
nommen worden, Mitglieder der Danziger Orts¬
gruppe haben ihr Jugendheim selbsttätig ein-,
gerichtet. In Berlin arbeiten unsere Menschen
mit Feuereifer in den „Vorlehrekursen“ mit.
Die Ortsgruppe Köln richtet jetzt eine Schreiner¬
und Schneiderwerkstatt ein. In diesen Werk¬
stätten können Unbemittelten Gebrauchsgegen¬
stände hergestellt oder repariert werden, da¬
durch wird ein Stück praktischer Sozialarbeit
in Angriff genommen. Darüber hinaus werden
die Jungen und Mädel schon während ihrer
Schulzeit für einen körperlichen Beruf vor¬
bereitet. Diese Erziehungsarbeit darf nicht da¬
durch um ihre Früchte gebracht werden, dass
die Eltern ihre Kinder aus berufsfremden Be¬
weggründen in irgendeinen Beruf stecken. Der
Zufall, die Protektion, die unüberlegte Ent¬
scheidung müssen zugunsten einer planmässigen
Berufszuführung ausgcschaltet werden. Zu
diesem Zwecke wird das Sozialamt des Blindes
eitie Kartei zusannnenstellen, aus der sich er¬
gibt, wann ein Mitglied die Schule verlässt.
Soziale Arbeit und Jugendbewegung — das
ist eine in Fragestellung und Zielsetzung gleich
schwierige Aufgabe. Nicht nur, dass die Struk¬
tur der sozialen Verhältnisse und damit die
Voraussetzungen der praktischen Arbeit sich
fortlaufend und mitunter — wie im vergange¬
nen Jahr — grundlegend verändern: auch die
Problematik als solche ist noch kaum endgültig
festgestellt. Bislang schien es immer so, als
ob soziale Arbeit lediglich als soziale Fürsorge
im althergebrachten Sinne aufzufassen sei. Und
so gab es nicht unbeträchtliche Stimmen inner¬
halb der Jugendbewegung, die meinten, man
müsse so etwas wie Arbeitsschaffung, Wohl¬
fahrtsunterstützung, Sammlungen und ähnliche
Aktionen veranstalten. Aber herausgekommen
ist bei diesen Dingen herzlich wenig, und das
konnte wohl nicht anders sein, weil schon die
Aufgabe falsch gestellt war. All das wird von
berufeneren Stellen geleistet. Hier hat der
Bund nur als eine Organisation von vielen mit¬
zuhelfen. Die besondere Aufgabe des Bundes
liegt auf einem anderen Gebiet.
Früher hiess: sozial handeln und denken,
wirtschaftliche Niveauunterschiede, wo sie be¬
standen, auszugleichen und so das Verhältnis
der einzelnen jungen Menschen zueinander in
eine Harmonie zu bringen. Heute sind wir alle
mehr oder minder auf eine niedere soziale
Stufe gerückt. (Hierbei taucht das Problem auf,
ob wir Juden eine eigentliche „Proletarisierung“
durchmachen, was im allgemeinen angenommen
wird und trotzdem einer ernsthaften Unter¬
suchung erst unterzogen werden müsste!) Die
Niveauunterschiede zwischen den Menschen
sind in sozialer Hinsicht verwischt und ver¬
schwommen und damit illusorisch. Es gilt viel¬
mehr, erst einmal eine Harmonie in jeden einzel¬
nen zu bringen, der an sich erfahren musste, wie
Beruf und Berufung den Zusammenhang mit¬
einander verloren, und der dieses Auseinander¬
wann es den Beruf verliert oder wechselt usw.
Es werden Elternabende veranstaltet werden,
an denen Berufsberater und sonstige Sozial¬
arbeiter sowie unsere Gruppenführer praktische
Vorschläge für die Berufswahl machen sollen.
Der Bund muss die Menschen zu einer Sozial¬
gesinnung erziehen, die sie den Beruf nicht
als blosse Erwerbsquelle betrachten lässt. Dm-
Beruf muss für den einzelnen wie für die Ge¬
samtheit Wertmesser für die gesellschaftliche
Nützlichkeit des Berufstätigen sein. So ge¬
sehen, ist die geistige und körperliche Berufs¬
vorbereitung ein Herzstück unserer bündischen
Erziehung.
V.
Die vorstellenden Ausführungen sollten nu r
einen Ausschnitt aus dem sozialen Aufgaben¬
gebiet des Bundes bringen. Der Lösung dieser
Aufgaben sind Grenzen gesetzt, die wir nichi
überschreiten können. Dieser Tatsache muss
man eingedenk sein, um nicht politische und
wirtschaftliche mit geistigen Gegebenheiten zu.
vermengen. Unsere Auffassung vom Wesen de?
Judentums und der geschichtlichen Sinnhaftig-
keit unserer deutschjüdischen Existenz bleibt
geistig auch dann begründet, wenn uns die
wirtschaftliche Eingliederung misslingen sollte.
In diesem Sinne kann auch der Auswanderer
der deutschjüdischen Idee treu bleiben. Wir.
die wir hier bleiben wollen, werden mit der
ganzen Einsatzbereitschaft der Jugend die so¬
zialen Aufgaben zu bewältigen versuchen. An
der Art der Lösung wird sich zeigen, ob d^-
Bund aus seiner geistigen Selbstgenügsamk^ '
heraustritt und gestaltend in die Wirkiichk'v'.
des deutschen Judentums eingreift.
fallen von Wollen und Können nicht leicht ver¬
winden kann.. Die seelische Verkrampfung, di*»
aus solchen Erlebnissen oftmals folgt, muss der
Bund verhindern. Hier ist seine eigentliche
Aufgabe. Es gilt, den Wert der Arbeit in ein
richtiges Verhältnis zum Leben zu bringen, und
dem einzelnen zu sagen, dass der Inhalt seiner
Arbeit nicht mehr letztes Lebensziel, sondern
nur als Arbeit an sich in einen grösseren Zu¬
sammenhang zu stellen ist. Das Problem der
Freizeit ist nicht mehr nebensächlich. Nach
der Arbeit will man sich nicht nur erfrischen
und erholen, sondern hier wird für manchem
erst das Leben beginnen. Seine Interessen also
auf Gebiete zu ziehen, die eine ganze lange
Linie aufweisen, mit deren Beschäftigung eine
Aufgabe für die Zukunft, ein sittlicher Lebens¬
zweck und eine Lebensbefriedigung hervor¬
bricht, das sind Gesichtspunkte, die wir heute
für die Erziehungsarbeit des Bundes beachten
müssen. Aus eigenen Erfahrungen haben wir
gelernt, dass die Berufsumschichtung ein seeli¬
sches Experiment ist, das nur bei manchen, ja
sicher bei den wenigsten gelingen wird, wenn
wir nicht beizeiten unser Augenmerk auf diese
abstrakten, aber leider lebenswahren und wirk¬
lichen Fragen richten. Die Beschäftigung und
das Leben mit Dingen ausserhalb der Brot¬
erwerbsarbeit kann sogar insoweit sozial
schöpferisch werden; als vielleicht der eine
oder andere auf einen Gedanken kommen mag,
was man wohl für einen Beruf sich noch selbst
schaffen und ausbauen könnte, ohne in die so
ausgetretenen Bahnen der wenigen und sehr
gezählten Berufsmöglichkeiten zu geraten.
Dies alles sind lediglich nur Andeutungen.
Wie sie auszugestalten sind, dazu sollen
Gruppenleiter und Aeltere ihr Bestes geben.
Hier liegt die wahrhaft soziale Aufgabe zur
Bewältigung unseres heutigen jüdischen Schick¬
sals.
Von einer anderen Seite, von 'der so oft ausgesprochenen Forderung nach sinnvoller
Lebensgestaltung her nähert sich liOnny Stroh iaberg (Berlin) den sozialen Fragen. Die
Ergebnisse, zu denen sie kommt, bringt sie in Zusammenhang mit der Frage der Mädchen¬
erziehung, die damit auf dem Forum des Bundes wohl zum ersten Mal mit vollem Nachdruck
zur Diskussion gestellt wird.
ürziebung zu mensdaSSeber BewSbrung
Der Bund, die Gemeinschaft einer Gene¬
ration, die den Willen zu einer deutschjüdischen
Zukunft aus neuem, eigenem Erleben in sich
trägt, wird die Kraft seiner Idee vor den Fragen
der Wirklichkeit am stärksten unter Beweis zu
stellen haben. Er ist Bildungsstätte, er vollbringt
ein Erziehungswerk, aber er wird letztlich ver¬
sagen, wenn er nicht in die soziale und wirt¬
schaftliche Not dieser Zeit hinein ein entschei¬
dendes Wort zu sprechen vermag, wenn er nicht
seine geistige Arbeit ausrichtet an den Not¬
wendigkeiten des praktischen Lebens. Kurzum:
seine Aufgaben erschöpfen sich nicht darin, durch
Heimabend und Fahrt das Zusammengehörig¬
keitsgefühl und den Gemeinschaftssinn zu stär¬
ken, das Allgemeinwissen und das Wissen um
jüdische Dinge zu mehren; sondern die grosse,
entscheidende Aufgabe lautet: die Jungens und
Mädels, die er umfasst, müssen zu vollwertigen
Menschen erzogen werden, die ihren Platz "im
*
Die Beiträge zu der Aussprache über die sozialen Fragen der Bundesarbeit haben sich im
wesentlichen mit der erzieherischen und seelischen Seite des Problems befasst. Wir bringen zu¬
nächst eine Aeusserung von KrSka IJhvenstaimn (Berlin), die die soziale Aufgabe des
Bundes auf dem Gebiet der Freizeitgestaltung für entscheidend hält.
Leben neben der Arbeite