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des* hündischen Jtu
Leben — in einem schweren Leisen jetzt un'd
hier — ausfüllen können. Nicht nur wissen
sollen sie, nicht nur jüdisch fühlen und denken,
sondern sie sollen dies alles in einen neuen,
harmonischen Einklang bringen mit den äusseren
Verhältnissen, mit Beruf und Familie, um sinn¬
voll leben zu können.
Mit welchen Gegebenheiten und Aufgaben
haben wir zu rechnen? Aus der Berufspolitik
ist im jüdischen Lebensraum Umschichtungs¬
politik geworden; ihr Ziel ist im wesentlichen
die Normalisierung der Berufsverteilung unter
den deutschen Juden. Die „Umschichtung“, zu¬
nächst ein Schlagwort, das ein soziales Programm
nur unvollkommen bezeichnete, hat sich bald als
ein vordringlich seelisches Problem erwiesen.
Der. Umgeschichtclc musste nicht nur von heute
auf morgen eine andere, ungewohnte Arbeit er¬
lernen. Er stand nicht nur vor einem neuen
Aufgabenkreis, nein, mehr, eine innere Wand¬
lung von'Grund auf war von ihm gefordert.
Werte, die ihm bis eben noch als die höchsten
galten, wurden umgestossen und zunichte ge¬
macht. Für verlorene Werte aber müssen neue
gesetzt werden, damit nicht plötzlich eine Leere
entsteht. Streben und Hingebung, die einer ge¬
liebten Arbeit galten, dürfen nicht kurzerhand
verschüttet werden. Und hier muss die soziale
Arbeit des Bundes einsetzen. Der Bund muss
seinen Menschen helfen, diese Krisen zu über¬
winden, er muss ihnen helfen, neue Werte zu
finden, sich über ursprüngliche Anlagen und Nei¬
gungen hinwegzusetzen und so zu jeder Arbeit
fähig zu sein. Er muss für seine Menschen eine
neue Sinngebung der Arbeit und des Arbeitens
finden und lebendig machen. Das Verhältnis
von Beruflichem und Menschlichem hat sich ver¬
schoben. Der Beruf erfährt seine sittliche Recht¬
fertigung nicht von der Berufung her, son¬
dern von der Bewährung. Dass es so ist,
lehrt ein Blick in die Wirklichkeit.
Für den aufstrebenden jungen jüdischen
Menschen gibt es keine oder nur verschwindend
geringe Möglichkeiten zum Vorwärtskommen.
Der Weg zum sozialen Aufstieg ist ihm ver¬
sperrt. Seine Anlagen kann er normaler¬
weise kaum jemals dem geliebten Berufe
nutzbar machen. Sein beruflicher Wille
ist nicht frei. Aber an die Stelle der
alten, individualistischen Wertsetzung ist ein
neues Ethos getreten: einen Platz, gleich¬
viel welchen, im sozialen Raum zu halten und
auszufüllen. Wir mögen den wahren Sinn des
Lebens in unserer Freizeit finden, in der wir
den Dingen unserer Neigung nachgehen; aber
wir dürfen nicht hier allein Rückhalt und Stütze
suchen, sondern auch in der Arbeit selbst. Hier
liegt die erzieherische Aufgabe des Bundes. Er
muss der Arbeit einen neuen Wert geben, der in
sich selber ruht. Das Wertbewusstsein des
a r beiten den jungen Menschen muss ge¬
stärkt, dex. Jüngere zu Erkenntnis dieser
Wertordnung erzogen werden: zur Arbeit, die
man nicht um der Arbeit, sondern um des
Arbeitens willen tut; er muss zu der Einsicht
geführt werden, dass jeder Beruf Befriedigung
geben kann durch die Art, in der man ihn
ausübt.
Allerdings ist durch .diese Erwägung das
Problem der B e r u f s w a b 1 keineswegs voll
gelöst. Bei der Entscheidung zu einem Beruf
kann der Bund nur eine beratende und er¬
ziehende Stimme haben, aber auch hier hat er
Pflichten. Die Erziehung zum Beruf muss ebenso
auf die Zukunft des einzelnen wie auf das
Schicksal der Gesamtheit Rücksicht nehmen.
Aber wie die Entscheidung im Einzelfall auch
getroffen werden möge, immer muss Klarheit
darüber geschaffen werden, dass jede Arbeit
einen ganzen Menschen, seine Kraft und seinen
Einsatz fordert.
Das Erziehungswerk des Bundes, wenn es
seinen Sinn erfüllen soll, muss also hinein-
reichen in das Gebiet der sozialen Frage. Längst
greift der Bund in seiner Arbeit weiter als
Jugendbewegung es je getan hat. Nicht einem
Zeitabschnitt jugendlichen Lebens prägt er die
Gestalt, sondern er bestimmt die Lebens¬
haltung einer werdenden Generation im deut¬
schen Judentum in grossen und kleinen Dingen,
'in der Weite und in der Enge. Von der Be¬
wältigung der sozialen Problematik, die heute
die deutschen Juden erschüttert, wird schliess¬
lich die Zukunft jüdischen Lebens und Lehrcns
in ihrer ganzen Breite abhängig sein. Verlegt
: man den Schwerpunkt der Lebensführung vom
Beruf in die Freizeit, so wird die jüdische
Familie und damit die jüdische Frau
eine neue Bedeutung erhalten. Und auch hier¬
mit wird eine neue erzieherische und zugleich
soziale Frage aufgeworfen, die in ihrer Eigen¬
art bis heute im Bund noch kaum mit genügen¬
der Klarheit erkannt wird: die Frage nach der
Stellung des Mädchens und der Frau zur beruf¬
lichen Arbeit.
Es ist vollkommen richtig, dass die Frau
heute ihren Beruf mit der gleichen Intensität
ausfüllen muss wie der Mann. Und sie soll das
auch! Sie soll es mit der gleichen Konzen¬
tration und mit dem gleichen starken Willen
tun. Aber eines darf doch nicht übersehen
werden. Für den Mann steht der Beruf im
Lebenszentrum, für die Frau stellt er mehr an
der Peripherie, er bleibt für sie ein Zwischen¬
stadium. Für die Frau lag der Sinn des Berufes
fast stets in der Bewährung, die neue Problem¬
stellung ist hier also im Grunde die alte. Das
wird oft vergessen, es wird nicht gesehen, weil
man die Besonderheit der Mädels¬
erziehung schlechthin im Bunde noch nicht
sieht. Gewiss, man muss die Mädchen für den
Beruf erziehen, den sie oft sehr lange, manch¬
mal sogar ein ganzes Leben hindurch ausfüllen
müssen. Aber sie müssen zugleich — und das
macht ihr Leben schwer und reich in einem —
ein weibliches Leben führen. Ich meine das in
der ganzen, kaum auszuschüpfenden Tiefe
dieser Worte. Kann der Bund auch hier
Erziehungsarbeit leisten? Eines Tages wird
diese Aufgabe ihre volle Dringlichkeit ent¬
falten. Ihre Lösung wird nicht leicht sein, denn
es ist eine unbeantwortete Frage, wie hün¬
disches und weibliches Menschentum zu ver¬
einigen sei. Es bedarf da einer sehr geschick-
; ten Hand, um einen Weg zu zeigen, wenn man
das Prinzip der Koedukation nicht aufgeben
will.
Die soziale Aufgabe des Bundes ist viel-
, gestaitig. Ihre Erfüllung ist schwer. Doch
. muss sie gelingen, wenn der Bund sich klar ist
.über eins: dass er nicht nur Rückhalt und
. Stütze ist, sondern Wegweiser. Aber auch
. Wegweiser nicht allein, sondern Wegbereiter
. für Menschen, die noch im Werden sind und
die sich einst als Männer und Frauen vor einem
schweren Leben zu bewähren haben.
Der Bund geht einen religiösen Weg. Als
wir auf der Berliner Arbeitstagung vor wenigen
Wochen zusammensassen und von dem Leben
sprachen, das wir uns bauen wollen, da wurde
es deutlich wie noch kaum jemals zuvor, dass
wir es in jüdischer Religiosität gestalten müss¬
ten. Alles Suchen, das uns bewegt, gilt zuletzt
dem Ziel, unser Dasein auf dieser Erde und
in dieser Zeit unter eine jüdische Entscheidung
zu stellen. Und auf der „Seite der Jugend“
konnten wir niederschreiben, dass eines Tages
die Erfüllung einer religiösen Mindestforderung
die Rechtfertigung zum Leben im Bunde geben
werde.
1 Die neue Bundesleitung hat in dieser Rich-
• tung den ersten Schritt getan. Sie hat den
siebenten Tag des Sukkotl'estes, Simchat Tora,
, zum „Tag der hündischen Jugend“ erklärt, mit
der ausdrücklichen Verpflichtung für alle Glie¬
der des Rundes, bei ihren Feiern dem religiö¬
sen Charakter des Tages Rechnung zu
tragen. Mit'diesem Versuch sind der jüdischen
Jugendbewegung Deutschlands neue Wege ge¬
wiesen. Zum ersten Male wird damit der Ver-
Ein Aachener
erzählt vom Ferienheim
Wohl die stärkste Einwirkungsmöglichkeit
auf junge Menschen gewährt die Erziehung
an einer unter den gleichen Lebensbedingungen
. stehenden Gemeinschaft. Die jüdische Jugend
sieht ihre Umwelt vom Geineinschaftsgedanken
erfasst, und so macht sich auch innerhalb des
jüdischen Jugendlcbens eine immer wachsende
such gewagt, aus der Wirklichkeit
des Daseins zu einer eigenständigen, rf ._
ligiösen Gestaltung vorzustossen: aus
Lebensformen der hündischen Weil jüdisches
Traditionsgut lebendig zu machen. Bisher
ist alle jüdische Erneuerung früh daran
gescheitert, dass sie altes Herkommen ; u
.die Gegenwart iibertniu. ohne dass Brauch,
tum und reale Lebmislorm zueinander j. ; . u
den. Der „Tag der hündischen .lugend“ i ; ,t
den Menschen gemäss, die ihn feierten, und.
darum war er eine erbte Festlichkeit.
Wo also Simchat Tora Menschen des Bundes
feiernd zusammentraten, da formte sich ilme ;i
aus dem Wissen um die BundPsgcmemM-Hft
ein religiöses Erlebnis, Freude rauschte üh- T
ihre Gesichter. Gesetzesfreude in dieser
nach Ernst und Bemühung ein AufMirk />a
neuem Lehen. Und wenn nach dem Ki<idu rh
in die laute und besinnliche Fröhlichkeit hinein
ein ernstes Wort fiel, so konnten wir
schweigend sitzen und ihm narhdeukon um!
den Herzschlag lauschen, der uns verband.
Kurt Juliu.-, Riegecr.
Sehnsucht nach Gemeinsamkeit und Gemein¬
schaftserziehung bemerkbar. Aber die äusseren
.Möglichkeiten, wirkliche Gemeinschaft der du-
. gend zu pflegen, sind, heute naturgemäß
. gering.
In die Not, die hier besteht, ist ein Licht-
. strahl gefallen. Eine Hoffnung, an die wir nicht
zu glauben wagten, ist verwirklicht worden.
Inmitten der westfälischen Wälder, bei Herve.J-
Dorsten, ist das Ferienheim „Haus Berta“ ent¬
standen, das wir Aachener ein paar wunderbar?
.Sommerwochen hindurch besuchen durften. Ge¬
stiftet von Menschen, die um die Not der
jüdischen Jugend wissen, erhalten von dem
RjF, geleitet von Führern, die aus der Jugend¬
bewegung kommen, wurde das „Haus Berta“ zu
einem idealen Ferienaufenthalt.
Wer einmal dieses Haus besucht, vielleicht nur,
li!!!llll!l!;i!!([|[|)!lll[!t!l!l!!l]l!!!ll!lll!lli!l!;il!l!i!l!li!ill]!ll|]|j|||l|ll!i;i!ll!||!li!l!ll!l!tl|][lllllll||t[|tl!l|]l!lll!l!lli||l^
Ein Vierzehnfciliriger findet zum /londP/von Korst Brand
vom
(Fortsetzung und Schluss aus der vorigen „Seite der
Jugend“.)
Vier ’Wochen waren vergangen. Günther
hatte nichts Sonderliches erlebt. Er befreundete
sich näher mit Michael. Dieser machte keinen
Versuch, seinen Freund für den „Bund“ zu ge¬
winnen.
Herbert Hallner, jener Junge, der Michael
am ersten Tag über den Zionismus aufgeklärt
hatte, lud diesen eines Tages ein, dem Heim¬
nachmittag des zionistischen Bundes beizu¬
wohnen. Günther interessierte sich dafür und
sagte zu.
Die meisten Räume des jüdischen Jugend¬
heimes waren von zionistischen Bünden, einer
vom Bund Deutsch-Jüdischer Jugend, besetzt.
Daher musste Günther lange suchen, bis er sich
endlich zurechtfand. Er betrat einen schönen,
hochwandigen Raum. Eine Anzahl Jungen und
Mädel sassen auf Zeitungspapier auf dem Fuss-
boden. Herbert Hallner sprang auf. „Schalorii,
Chawer!“ begrüsste er ihn. Ein grösserer Junge,
scheinbar der Führer, erhob sich, reichte ihm
die Hand. „Sei willkommen!‘ redete er ihn
an. Und sie setzten sich wieder. Man unter¬
hielt 6ich über die Zustände in Palästina. Es
war aber keine rechte Ordnung in der Unter¬
haltung. Jeder sprach möglichst laut, um in
dem Wirrwarr von Stimmen gehört zu werden.
Manchmal, wenn einer etwas besonders Inter¬
essantes berichtete, war es schon still; aber die
darauffolgende Diskussion . . .
Zum Schluss sang man mehrere hebräische
Lieder, und die Heiinstunde w*ar zu Ende. Her¬
bert fragte Günther, wie ee ihm gefallen habe.
„Nicht gut,“ versetzte Günther,, „ich. werde nicht •
mehr kommen. Es war ein zu grosses Durch¬
einander.“ — „Mein lieber Günther, das kannst
du noch gar. nicht beurteilen. Aber — du wirst
es bald bereuen. Doch —Herbert ärgerte
sich — „einer mehr oder weniger: ist wurscht.
Geh, wohin du willst, Schalom!" Er blieb
stehen, während Günther weiterging. . !
Arnold Sander, ein Mitschüler Günthers,
führte die Gruppe in dem zionistischen Bund,
dem Herbert Hallner angehörle, Ara folgenden
Sonntag begab er sich zu Günther, mit ihm
über den Zionismus zu sprechen.
„Sag* mal“, begann er weitausbolend, „wie
gefällt es dir bis jetzt in unserer Schule?“ —
„Gut. Aber die Schüler sind so furchtbar un¬
einig unter sich.“ — „Du hast recht — doch das
ist nicht zu verhindern.“ — „Ach doch. Die
Lehrer — in ihrer Macht stünde es.“ — „Die
Lehrer sind doch deutsch gesinnt.“ — „Na,
gerade deshalb! Ich glaube, dass die meisten
meiner Kameraden Kinder deutscher Juden
sind — und doch sind sie bei den Zionisten.“ —
„Na, sie haben kein anderes Ideal.“ — „Ach, sie
sind doch geworben worden. Und: Ist es denn
kein Ideal, für Deutschland und für die Ehre der
jüdischen Gemeinschaft zu kämpfen?“ — „Da
magst du ja recht haben. Aber für Deutsch¬
land und Deutschtum zu kämpfen ist nur ein
Ideal für Deutsche, nicht für, Juden.“ — „Für
Juden, die Deutsche sind, — doch!“ — „Ich bin
Zionist“, sagte Arnold, stolz, herausfordernd.
• Günther schwieg. Der andere aber begann nün
• mit aller Kraft seiner Ueberzeugung zu
. sprechen. Er beschrieb ihm anschaulich und
eindringlich, wie die Juden zu allen Zeiten ver¬
folgt und gehetzt worden seien. In den
schillerndsten Farben malte er ihm das heutige
Heilige Land. Auf verlockendste Weise schilderte
er das Leben dort. Er redete sich selbst in Be¬
geisterung!
Günther-hatte sich erhoben und maS3 das
Zimmer mit langen Schritten. Ein schwerer
Kampf tobte in seinem Inneren: Da kam ein
Junge gelaufen, den er fa9t nicht kannte, um ihn
für eine - Idee zu werben, die an sich nicht un¬
vernünftig war. Er war .uneins mit sich selbst.
„Arnold“, sagte er, „warum kommst du eigent¬
lich zu mir?“ Dei> Gefragte lächelte • leicht.
•„GüntheT, du musst Zionist sein, du musst mit
■uns für die-Zukunft des jüdischen Volkes kämp-
• fen.“ — „Ach, ja“, sagte träumerisch der andere,
:„Arnold, ich werde, ich will es tun/ Ich werde
meine ganze Kraft.für. mein Judentum einsetzen.
Aber ich komme nicht zu euch. Ich liebe
Deutschland . . .
■ *
Als Arnold Günther verlassen hatte, schritt
dieser noch lange im Zimmer auf und ab. Ein
heisses, ihm unbekanntes Sehnen hielt ihn be¬
fangen. Er hatte einmal das Buch Koholet
Übersetzt gelesen: da stand der Satz: „Eitelkeit
der Eitelkeiten, alles ist eitel.“ Daran erinnerte
er sich jetzt. War denn der Begriff Vaterland,
war das Judentum, die Religion, war das alles
eitel? Nein, — die Religion, die konnte auf
keinen Fall eitel sein. Sonst hätte der weise
Salomo doch dieses Buch gar nicht geschrieben.
Und — was noch einleuchtender war — Mose
hätte das Fiihreramt doch sicher abgelehnt. Er
war doch weiser als Salomo! Sollte er —
Günther — demnach nur für sein Judentum
leben, kämpfen, sterben? Oder gab es doch so
etwas: Vaterland? Ja, auch das musste es
geben — alle grossen Männer lieben ja das
Vaterland — auch Mose und Salomo.
Und die Juden? Wie stand es mit ihnen?
Deutschland war das Vaterland der deutschen
• Juden! Unzweifelhaft! Aber Palästina? Un-
.zweifelhaft: Auch es war das Vaterland der —
Juden. Nicht der deutschen, französischen oder
‘Japanischen Juden, sondern aller Juden. Deutsch¬
land war für ihn folglich ein zweites Vaterland.
'Ach ja ... es war so furchtbar schwer, darüber
'zu entscheiden. Und doch: Kr liebte dieses
deutsche Land mit seinem ganzen Herzen, un¬
aussprechlich . . .
*
Als Günther am anderen Tage Michael traf,
:erzählte er ihm die Begebenheiten der beiden
■vergangenen Tage. „Es war ganz gut“, sagte
•Michael, „dass du erst etwas, anderes gesehen
.hast. Aber, nun — kommst du in den ,Bund‘?“
— „Natürlich, Michael! Es ist etwas ganz Selt¬
sames, was niieh bewegt: Einmal könnte ich für
Deutschland durchs Feuer gehen, dann wieder
• fühle ich mich'wie berufen, der jüdischen Ge¬
meinschaft zu dienen ... Und ich will ihr
.dienen! Als Deutscher für das Judentum, als
.Jude für das Deutschtum!“ — „Günther“, sagte
nun Michael freudig erregt, „so wie du fanden
viele zu uns. Du wirst zu uns kommen und ein
feiner Junge werden, einer, der weiss, wa 9 er
will. Komm’, schlag’ ein.“ Und beide, Günther
und Michael, gaben sich die Hände,
um es in ein paar Stunden zu besichtigen, de 1,
wird bald mitgerissen von der Lebendigkeit all
der vielen jungen Menschen, die da ungohcmml,
frei und glücklich sich austoben können und der
Natur so nahe kommen, wie vielleicht noch nie
in der Enge der Städten und Strassen, in denen
sie wohnen.
Das Leben im Heim wird durch immer neue
Ereignisse, durch Fahrten, Spiele und !• er¬
stunden in einer dauernden erwarlungsfreudigeti
Stimmung erhalten. Den ganzen Tag über sind
die Jungens und Mädels draussen im Freien.
Die abwechslungsreiche Landschaft lockt zu Ge¬
ländespielen, zu beschaulichen Stunden, die mau
im dichten Wald verträumt, zur lebhaften A r *
beitsgemeinschaft mitten in der üppigen Jimdo
oder zur Singerast heim Sinken der Däm¬
merung. Das Leben, das wir da führten, war
.vielgestaltig wie die Natur, in der wir diese
.schönen Tage verbrachten. Und manch einer
.halte sich in diesen Ferienwochen eine Haltung
,und Disziplin erworben, die ihm vor seinem
Aufenthalt im Ferienheim noch fremd wa>-
■Hans Abraham, der jugendliche Leiter J'" 1
.Heims, erhält die Ordnung in mustergültiger
.Weise aufrecht. Allen, auch dem kleinsten
Pimpf, ist er ein Freund, zu dem man mit
seinen kleinen und kleinsten Nöten gehen kann
und bei dem man sicher Hilfe findet. Norbert
.Kronenberg versteht es, den Sportbetrieb frisch
.und verständnisvoll auszugestalten. Aber be¬
sonders lieben, wir „Onkel Leo“ aus Gelsen-
.kirchen, dem wir uns ebenso wie dein Stifter
■des Geländes, Herrn Goldschmidt, in auf*
.richtigem Dank für die verlebten schönen
.Stunden verbunden fiihleu.
Als wir das „llaus Berta“ verliesscn, da
wussten wir stärker als vorher, dass das
• Schöne für uns bereit ist, wenn wir bereit sin
für das Schöne, wo wir es finden. Paul Hü 5,1 ! 1
Die Geschäftsstelle ries Bundes I)outsch-Jüdt s ‘^ ( r
Jugend befindet sich seit dem t. Oktober Berlin ' ; ’
Taucntzienstrassc iha (.Telephon: B -1 Bavaria *>-
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