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2. Jahrgang
April 1915
Nissan-Ijar 5675
Heft 4.
Als Jude im Felde.
Von Harry Levy, Berlin 1 ).
Wer einmal einen größeren Marsch gemacht, der weiß esr
Für jeden kommt früher oder später der Moment der Ermüdung,
wo man zusammenzubrechen droht, wo selbst krampfhafter Wille
Einen nicht mehr aufrecht hält. Doch die Erschöpfung ist nur
scheinbar. Ist dieser kritische Punkt erst einmal überstanden,
marschiert man fast ohne Beschwerde noch die doppelte, die
dreifache Strecke. Ähnlich geht es wohl mit seelischen Stra-
pazen, und nicht zuletzt auch mit dem Krieg. Solch Moment
scheinbarer Kriegsmüdigkeit gilt es im Augenblick für uns zu
überwinden. In solcher Lage nimmt man wohl jedes erfrischende
Wort gern und dankbar entgegen, aus wessen Munde es auch
kommen mag. Einem Kriegsteilnehmer aber steht noch ein
weiterer Entschuldigungsgrund zur Verfügung, wenn er zur
Feder greift. Man sendet jetzt von Zeit zu Zeit kleine Schriften
ins Feld, die den Soldaten anspornen und ermuntern, ihm helfen
י ) Der Verfasser war als Kriegsfreiwilliger an den berühmten
Stürmen der Berliner Jungmannschaft in Dixmuiden beteiligt. Von
schwerer Krankheit genesen, sendet er uns in diesem Aufsatz einen
warm empfundenen Ausdruck einzelner Erlebnisse. Dafür sei ihm auch
an dieser Stelle unser Dank ausgesprochen. Die Ked.
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