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״Meine Ul׳r, pflegte Ma imon zu sagen, hat das
Schicksal der Menschen. So wie diese kur; vor dem Tode
am weisesten sind, so pflegt auch meine Uhr am richtigsten
zu gehen, ehe sie ablaust."
Einem Manne, den Maimon sehr schätzte, gab
er öfters Manuscripte zu lesen. Dieser sagte ihm einst
im Scherz: Ich habe Ihr Manuscript abgeschrieben, und
werde es nun unter meinem Namen drucken laff!׳n.
״Möchten Eie es doch thun," versetzte Maimon, ״Sie
sollen sehen, ich widerlege cs unter meinem Namen."
Aphorismen und Einfalle.
Ninon betete: Mein Gott, mache mich zu einem recht-
schaffnen Manne, aber nie zu einem rechtschaffnen Weibe.
Das war nun freilich nicht viel vernünftiger, als hatte sie
nicht ein schönes Weib, sondern ein schöner Mann seyn
wollen. Noch seltsamer aber ist die Bitte so vieler Eltern
an den Pädagogen: Mache ans meinem Sohne ein bra«
ves Weib, nur ums Himmclswillen keinen Mann!
Frauenzimmer sind eben sowohl großer Thaten fähig'
als Männer, nur daß beim Manne das Große Kraft-
Äußerung ist, beim Weibe Kraftansirengung,
daß Heroismus das Wesen des großen Mannes und
das Sonntagskleid des großen Weibes ist.
Ein alter Philosoph nannte das Wort: das Weib,
>.ü׳°d die That den Mann. Vortrefflich, lieber Plato! man