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Segen oder Finch, Glück oder Unglück, Heil oder Unheil,
Blüthe oder Verwesung, Leben oder Tod in seinem verbor«
genen, gehemmißvollen Scheoße birgt und tragt. Ein
ganzes, völliges Jahr mW seinen Stunden und Tagen,
mit seinem Winter und Frühlinge haben wir zurückgelegt,
und ach! um ein Kleines — und das, was uns jetzt
gegenwärtig ist, verwandelt sich in Vergangen«
heit; um ein Kleines — und das Nene hat die Ge«
stall des Alten angenommen; um eine« Augenblick —
und es ist abermals von unseren siebenzig Lebensminuten
eine dahin geschwunden, — der Enge! des letzten Athen!«
zuges zeigt sich winkend unserm Auge — die Stundenuhr
des Lebens ist abgelaufen und wird erst in einer andern
Welt von einer wohlthätigen Hand wieder aufgezogen. —
So schiull und unaufhaltsam fließt unsere Zeit dahin, und
wie in einem reißenden Strome ein Tropfen den andern
und e:nc Welle die andere fortwälze und forttreibt, also
wird ein Augenblick von dem andern, eine Stunde von
der andern, ein Tag, ein Monat, ein Jahr vom andern
fortgedrangt und unserm, oft danach spähenden Auge ent«
rückt und gewaltsam entführt, mit einer unbezwinglichen
Kraft» die keine Hand zu schwachen vermag. So sind
unsere Tage, wie der heilige Sänger klagt, gleich einem
schwindenden Schatten, unsere Jahre dahin wie ein Ge«
schwätz, ihr Gewebe schnell aufgelöst, ihr bindendes Band
zerschnitten — und wir fliegen dahin! Früh blühend und
wandelnd, Abends abgehauen und verwelkt. — So schnell
und mit Blitzes Eile entschwindet uns das Wichtigste und
Unersitzbarstc auf Erden, die Zeit, und nichts, nichts
kann die Fliehende zmückhalten, keine Rene, keine Eeuf-