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gen über bestehende Gesetze einer Glaubensparthei, besonders im
Angesichte Europa's ausgesprochen, dürfen nicht falsch sein, und
wenn sie es sind, müssen sie gerügt werden, damit Laien sie
nicht als Wahrheit und Norm betrachten, und somit wollten wir
einen Jrrthum beleuchten und berichtigen, ohne der Person, die
die wir übrigens schätzen, zu nahe treten zu wollen.
Ueber den Berliner Israelitischen Kutturverein enthalt die
Wiener allgemeine Theaterzeitung Folgendes.: ״Ein solcher Ver-
ein besteht seit Kurzem in Berlin, Die Judenemancipation ist
von unserer Seite zwar reine Rechtssache, und wird und muß
als solche endlich siegen. Uber den Juden selbst liegt die Pflicht
ob, zugleich sich selber von Allem zu emancipiren, was der
Mehrzahl derselben noch immer mehr oder minder anklebt. Zu
einer solchen geselligen Reform, ohne welche die staatliche, nie
wahres und volles Leben erlangen kann, werden solche Israelitische
Kulturvereine Wesentliches beitragen können. Denn nur vereint
und nur, wenn die Tüchtigsten sich ihrer Glaubensgenossen brü-
derlich annehmen und nicht, wie so oft geschieht, die jüdische
Fahne verlassen, um dann, weder eins noch keins, auf Juden
und Christen zu schelten, nur dann wird dieses Ziel erreicht wer-
den, Ein drückender Hemmschuh dabei sind vielfach die jüdi-
scheu Religionslehrer selbst gewesen, und es darf daher als ein
sehr wichtiger Schritt des Berliner Kulturvereines bezeichnet wer-
den, daß derselbe jetzt als seine erste Preisfrage die Frage beant-
wertet wissen will: ״Was war, was ist und was soll der
Rabbiner sein?" Es wird eine aus Quellen-Studium her-
vorgegangene, die Quellen nachweisende wissenschaftliche Darstel-
lung verlangt, die Aufschluß giebt über Ursprung und Fortgang
der Rabbiner-Institution; über die religiöse Bedeutung der Rab-
binen und deren Stellung zu Gemeinde und Vorstand; über
ihre Amtsthätigkeit als Communalbeamte, Richter,(?) Geistliche,
Lehrer und Prediger; ihre Vorbildung, Qualisication, Erwählung,
Anstellung, Einkünfte und Gerechtsame; endlich ihre Wirksam-
keit und ihren Einfluß im Allgemeinen. In der geschichtlichen
Betrachtung sollen die verschiedenen Länder berücksichtigt werden.
Bei der neuern Zeit wird die Erörterung folgender Punkte er-
wartet: 1) Beruf und Stellung des jüdischen Theologen nach
allen Richtungen seiner Wirksamkeit*) auch in seiner Eigenschaft
Für diejenigen, welche diese Preisaufgabe zu lösen unterneh-
wen, würde besonders auch die Benutzung der zweckmäßigen, vom vor-