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Der ״Könnt" theilt Folgendes als Curiosum mit: ״Im
Frankfurter Journal wird eine Israelitische Gastwirthschaft
angekündigt. — Also sogar Nachtlager und Stiefelknecht nach
den Konfessionen. Und das soll zur Ausgleichung, zur Eman-
cipation führen?"
Danundie meisten Euriosa in den Annoncen solcher Art doch,
wie natürlich, weil sie die Mehrzahl der Bevölkerung ausmachen,
von Christen herrühren, so mag auch wohl einmal so etwas von
einem Israeliten kommen. Der uns unbekannte gute Mann ist
wahrscheinlich ein Speisewirth und zeigt wohl den strenggläubigem
Israeliten an, daß sie bei ihm nicht allein nach jüdisch-religiöser
Vorschrift zubereitete Speisen bekommen, sondern zugleich zu ih-
rer bessern Bequemlichkeit deshalb, .auch logiren können, und daß
er also eine Gastwirthschaft ״für Israeliten" habe. Ob die
altgläubigen Israeliten gewisse Speisen ja oder nicht essen, und
mitunter einmal ein Einzelner, dieser Bequemlichkeit wegen, bei
einem Israeliten logirt, das ist bloß ihre Sache und kann dm
Staat nicht kümmern, noch weniger die Emancipation verhin-
dern; und daß der Staat wirklich nicht die mindeste Rücksicht
auf solche Dinge nimmt, beweiset doch, daß, ungeachtet eine so
sehr große Anzahl Israeliten die Speise- und andern Religions-
gesetze jetzt Übertritt, sie dennoch in den meisten deutschen Lan-
dem noch nicht völlig emancipirt, ja in einigen sogar noch
Schutzjuden geblieben sind.
, (Nachträglich.) ״Oeffentliche Blätter enthalten ein Schreiben
aus Mastricht " heißt es in der Preuß. Allgem. Staats-Zeit,
״nach welchen Se. Majestät der König (Wilhelm) der
Niederlande der nicht bemittelten und nicht zahlreichen dortigen
Israelitischen Gemeinde ein Geschenk mit einem öffentlichen
Platze, 2000 Fl. an Werth, und 6400 Fl. baar gemacht, um
die projektirte (nun bereits vollendete) Synagoge vollenden zu
können. Die Gemeinde sandte 2 Deputirte, den Posthalter
Kauffmann und den Forstmeister Bloemendal, aus
ihrer Mitte nach dem Haag,*) um Sr. Majestät für diesen
hohen Akt Königlicher Gnade ihren tiefen Dank abzustatün.
Se. Majestät nahm diese huldvoll auf und antwortete ihnen
u. A.: ״Ich hoffe; daß Ihre Gemeinde, welche sich immer
Bis jetzt hat noch keine d e u t s ch e Iftaelitengemeinde aus
ihrer Mitte einen Posthalter oder gar einen Forstmeister als
Deputaten schicken können. D. H.