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daß die Bestimmungen, welche das Edict vom 11, Marz 1812
für die Regulirung der kirchlichen und Gemeindeangelegenheiten
in Aussicht stellt, ins Leben treten.*) Die Mittheilung, welche
ihm auf seine Frage gemacht wurde, daß am hiesigen Ort in
der Synagoge gepredigt werde, nahm der König sehr wohlgefällig
auf und erwähnte mit Anerkennung, daß in den großern
Gemeinden schon früher wie auch jetzt Männer von
״gefeierten Namen" unter den jüdischen Glaubens-
genossen seiner Staaten lebten, huldvoll entlassen,
nahmen die Deputirten die Ueberzeugung mit sich, daß unter ei-
nem solchen Könige mit klarem Geistesblick und gemüthlichem
Wohlwollen man frohen Glaubens und Vertrauens leben dürfe,
wie er sie selbst dazu ermahnte. Die Juden Schlesiens wie der
ganzen Monarchie werden diese Huld zu würdigen wissen und
sich eifrigst bestreben, daß immer Erfreulicheres unter ihnen dem
durchdringenden Blick ihres erhabenen Monarchen sich zeige.
(S. Leipz. Allgem. Zeitung.)
Prag, 15. Aug. (Pr. St. Zeit.) Die Normal-Verordnung
für die Israeliten in Böhmen vom Jahre 1797 hat durch eine
neuerliche Entschließung Sr. Majestät des-Kaisers mehrere
Aknderungen erfahren, die ein neuer Beweis der Humanität unserer
Regierung sind. Zuvörderst die Kultur der Israeliten berücksich-
tigend, wird angeordnet, daß die Jugend da, wo keine vorschrifts-
mäßig organisirten jüdischen Schulen bestehen, zum Besuche der
christlichen Schulen anzuhalten sei. In Absicht auf den SidU
glonsunterricht sei es vor Allem nöthig, zu diesem Behufs voll-
kommen geeignete Rabbiner zu bilden, und es ist darüber ein ge-
nau motivirter Bericht der Landes-Behörde verlangt, ob nicht
eine ähnliche mosaisch-theologische Lehranstalt, wie sie in Padua
besteht, auch für Böhmen zu errichten Ware, worüber die Vor-
stcher der jüdischen Gemeinden zu vernehmen seien. Der Gehalt
für die Rabbiner sei von nun art nach Maßgabe der Seelen, die
jeder in seinem Sprengel hat, und nach den Orts-Verhältnissen
des Rabbinats zu bemessen , Und der höchsten Hofbehörde zur
Bestätigung vorzulegen u* s. w. Die bürgerlichen Verhältnisse
*) §. 39. dieses Edikts: Die nothigen Bestimmungen wegen des
Unterrichts der Juden werden Vorbehalten, und es sollen bei der Er-
wägung derselben, Männer des jüdischen Glaubensbekenntnisses, die
wegen ihrer Kenntnisse und Rechtschaffenheit das öffentliche -Vertrauen
genießen, zugezogen und mit ihrem Gutachten vernommen werden. D. H.