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larr's, so hat auch bis schlesische Ritterschaft •;feinen Unterschied
zwischen Christen und Juden gemacht. Bei dem von derselben
v ranstalteten glanzenden Balle waren die jüdischen Rittergutsbe-
sitzer nicht anders als die höchsten Adelsfamilien betheiligt: sie
erschienen in der ihnen zustehenden Stande-Uniform und führten
die ihnen am. nächsten verwandten Damen (Frauen, Töchter und
Schwestern) ein. ; So waren denn die Juden bis in die höchsten
Sphären der bürgerlichen Gesellschaft hinaus vollständig in die
Gesammtheit ausgenommen und für die engherzige zünftige Un-
duldsamkeit der Kaufmannschaft bereits Hinlänglich entschädigt,
als ihnen noch vom Könige selbst eine Gnade zu Theil wurde,
die ihnen den Becher der Freude bis zum Ueberströmen füllte.
Die jüdischen Gemeinden der Provinz Schlesien, über 60 an der
Zahl, mit mehr als 50,000 Seelen, hatten nämlich in dankba-
rer Erinnerung an die Segnungen, welche ihnen unter dem preu-
ßischen Scepter entsprossen, ihrem Landesvater zur Säcularfeier
Schlesiens den Ausdruck ihres besondern Dankes darzubringen.
Sie bevollmächtigten nach den drei Regierungsbezirken der Pro-
vinz und zugleich nach der oben, erwähnten Doppelten Geltung
der jüdischen Gemeinden in Preußen drei Deputate:, und zwar
zwei Gemeindevorsteher und einen Rabbiner, eine Dankadresse
an den König zu richten. Auf die hierzu nachgesuchte Aller-
höchste Erlaubnis ordnete der König an, daß die gedachten
drei Deputirten sowohl am Empfang I. I. M. M.
.als auch an der bald darauf gehaltenen großen Cour
auf dem königlichen Schlosse Theil nehmen sollten.
So sahen sich die Juden in ihren Deputirten zum ersten Male
zu einer Auszeichnung gelangt, die ihnen deutlicher, als irgend
ein geschriebenes Gesetz es vermöchte, ihre nicht mehr ferne völ-
lige bürgerliche Gleichstellung verkündete. Auch findet diese
Hoffnung in den huldvollen Aeußerungen des Königs gegen die
Deputirten (siehe oben. Seite 139) ihre schönste Begründung.
Denn was allein noch den preußischen Juden zur völligen Gleich-
stellung fehlt, die Zulassung zu Staatsamtern und die besondere
Ueberwachung ihrer kirchlichen Verhältnisse von Seiten des Staa-
tes: Beides hat der König in den gnädigsten Ausdrücken in
nahe Aussicht gestellt. Die erwähntem Deputirten wurden auch
dem Prinzen von Preußen vorgestellt und vernahmen auch
aus dem Munde dieses erhabenen Erben der Tugenden der Hohen-
Zollern dm Ausdruck der wärmsten Theclnahme an dem socialen
und kirchlichen Fortschritte der jüdischen Unterthanen Preußens.
(Leipz. Allg. Zeitung.) : ב•■.■:. __ -