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Korrespondenzen.
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Strafkammer zu l 1 /, Jahren Gefängniß verurtheilt. Göbler hat das
Vertrauen seiner antisemitischen Gesinnungsgenossen, die ihn zum
Kassirer verschiedener Vereine gewählt hatten, in schnödester Weise mi߬
braucht.
H Koschmin, 10. Juli. Der Verlauf des von dem hier neu¬
gegründeten deutschen Schützenvereins veranstalteten ersten Königs¬
schießens legte ein erfreuliches Zeugniß für das gute Einvernehmen
ab, welches hier zwischen den Deutschen der verschiedenen Bekenntnisse
herrscht. Bei dem Königsschmause toastete der Schützenkönig Levy
auf unseren Kaiser, Amtsrichter Dufft auf den Schützenkönig, Bürger¬
meister Jahnke auf das deutsche Vaterland, Amtsrichter Schenk auf
den Vorstand, Rechtsanwalt Kantorowicz auf die Damen. Die Musik
stellte die Krotoschiner Regimentskapelle. Der Schützenkönig verachtete
auf die ihm zustehende Geldprämie zu Gunsten des Fahnenfonds.
X Schalke i. W.) 1 . Juli. Zur Einweihung des Kpffhäuser-
Denkmals entsandte der hiesige 300 Mitglieder zählende Krieger¬
und Landwehr-Verein als Delegirten ein jüdisches Mitglied, den
langjährigen ersten Vereinskassirer Heinrich Spiegel. Auch der
Krieger-Verein in unserem Nachbarort Gelsenkirchen hat einen
Juden, den Viehhändler Sally Haase, zu der Denkmalseinweihung
entsendet.
(*) Saarbrücken, 1 . Juli. Das Organ des Freiherrn von
Stumm, die „Neue Saarbrücker Ztg." hatte bei Besprechung des be¬
kannten Kaiser-Telegramms geschrieben, Stöcker sei thatsächlich zu
Grunde gegangen, und hatte für diesen Untergang Gründe angegeben,
welche den sonst wohl nicht sehr empfindlichen ehemaligen Hofprediger
veranlaßten, eine Privatbeleidigungsklage anzustrengen. Auch gegen
den Freiherrn von Stumm-Halberg hat Stöcker bei dem hiesigen
Amtsgericht eine Beleidigungsklage eingereicht.
0 Hannover, 1. Juli. Ter Vorstand der israelitischen Er¬
ziehungs-Anstalt zu Ahlem beschloß die vielseitig gewünschte Ver¬
größerung der Anstalt durch Erbauung eines weiteren Jnstituts-
gebäudes, um dem vorhandenen Raummangel abzuhelfen.
c? Norderney, 1. Juli. Dem weiteren Aufschwung unseres
herrlichen Nordseebades wird es sicher höchst förderlich sein, daß
sich neuerdings auch das Nordseebad Amrum als ein „deutsch-
nationales^ in antisemitischen Blättern empfehlen läßt. Dieselben
schreiben: Was diesen Badeort gerade für erholungsbedürftige Deutsche
vor vielen anderen auszeichnet, ist die Thatsache, daß hier das
deutsche Element durchaus ausschlaggebend ist. Hier ist alles echt
deutsch, Badedirektion, Badekommifsar (Herr v. Bismarck), Inspektor