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3m deutschen Reich.
fängniß und wegen groben Unfugs (begangen an dem Hause
eines hiesigen Israeliten) zu 3 Tagen Haft verurtheilt."
23 Bamberg, 10. Juli. Der Kommissionär Rudolf Wunder¬
lich, welcher hier in mehreren antisemitischen Versammlungen den
Vorsitz führte, ist am 10. Juni d. I. wegen Betrugsversuchs zu
1 Monat Gefängniß verurtheilt worden. Der Staatsanwalt hatte
dem Angeklagten sogar 6 Monate Gefängniß und drei Jahre Ehr¬
verlust zugedacht. Wunderlich hat den Gerichtskostenvorschuß seiner
Mandantin in einer am Amtsgerichte Bayreuth anhängigen Proze߬
sache in seine eigene Tasche gesteckt und den Prozeß gründlich ver¬
fahren. Dafür machte er seiner Mandantin eine Rechnung von
65 Mk., wozu Vorschüsse k., in Summa 103 Mk. kommen.
K Rothenburg o/T., 1. Juli. Der hier erscheinende „Frän¬
kische Anzeiger" veröffentlichte nachstehende Erklärung: „Die Unter¬
zeichneten Viehhändler verpflichten sich, in den Ortschaften Stettberg und
Binzwangen, Bezirksamt Rothenburg o/T., weder selbst, noch durch Unter¬
händler irgend ein Stück Vieh zu kaufen oder kaufen zu lassen. Zuwider¬
handlungen werden mit einer Konventionalstrafe von 100 Mk. ge¬
ahndet. Rothenburg o/T., 11. Juni 1896. Max Fröhlich, Würz¬
burg. S. Wolf, Blaufelden.- Gebr. Goldschmidt, Uffenheim. Hirsch
Feldenheimer für Heister und Simon in Mainz. Gebrüder Beringer,
Bodenheim bei Mainz. Samuel Mann, Rothenburg. Gebrüder
Eisenmann, Laudenbach (Württemberg)." — Die „Münch. Neuest.
Nachr." haben dieses Vorgehen der vorgenannten jüdischen Handels¬
leute auf die Viehaufkäuse zurückgeführt, die der Raiffeisen-Ver¬
band durch seine Vertreter Jungwirth in Dittenheim und Lutz in
Heidenheim in den boykottirten Orten für die Ansbacher Armee-Kon¬
servenfabrik machen ließ. Antisemitische Blätter entrüsten sich in den
heftigsten Ausfällen über diesen „neuesten Kniff" und über den
„jüdischen Uebermuth." Das thun dieselben Blätter, die jahraus,
jahrein den Grundsatz predigen „Kauft nicht bei Juden" und die
ihre heiligsten Feste zum Anlaß nehmen die Juden geschäftlich zu
boykottiren.
X Tegernsee, 1. Juli. Erwünscht für unfern Ort ist die
möglichste Verbreitung einer Briefkasten-Notiz der „Tägl. Rundschau".
In derselben wird das „Hofhaus" in Schliersee mit den Worten
empfohlen: „Die Besitzerin ist Wittwe und evangelisch, die Töchter
katholisch. Judenrein, im Gegensatz zu dem entsetzlich ver-
judeten Tegernsee!" — Das genügt!
*** Stuttgart, 1. Juli. Dem Führer der hiesigen Antisemiten,