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Lkütrülömigs Kutscher Asststckger jükfches Etrsbeus.
Dr scheint fwölfmal im Zshrr.
VLLl. AcrHr'g. Berlin. Juni und Juli 1902. "glr. 6/7.
Aas Toleranz-Keseh.
^Wenn irgend ein Bcstandtheil des deutschen Volkes Grund hat,
vaüI ein Gesetz zu erstreben, welches die Religionsfreiheit
verbürgt, so ist es der jüdische, der zwar nur ein Hundertstel der
Gesummtbevölkerung bildet, aber täglich die religiösen Bedrängnisse
einer Minderheit am eigenen Leibe empfindet. Die deutschen Bürger
jüdischen Glaubens konnten es deshalb nur freudig begrüßen,
daß eine andere, einflußreichere Minderheit in Deutschland sich
zu dem Entschluß aufraffte, einen größern und bessern Schuh der
Religionsfreiheit anzuregen, bei dem zunächst wohl nur eine Ver¬
besserung der Verhältniffe für die Bekenner der katholischen Religion
iu's Auge gefaßt war, aber auch für die Gcwiffensfreiheit Anders¬
gläubiger etwas geschehen mußte. Noch ist es unbekannt, wie sich
der Bundesraih schließlich zu dem Gesetzentwürfe stellen wird, der am
5. Juni d. I. in dritter Lesung bei namentlicher Abstimmung vom
deutschen Reichstage mit 163 gegen 60 Stimmen Annahme gefunden
hat, gegen den sich aber im Bundesrathe bereits gewichtige Stimmen,
u. a. die der sächsischen Regierung, erhoben haben. Das Scheitern