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Umschau.
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Jugend ein, sich am Abend im Lokale des antisemitischen Klubs
„Tinerimea Romana" zu versammeln, um über Maßregeln zu be¬
ruhen, welche gegen die „empörende Frechbeit" der Juden zu ergreifen
wären. Das Manifest erfüllte seinen Zweck umsomehr, als auch die
Kommissare und Agenten der Polizei für die Dertheilung desselben Sorge
trugen und es persönlich in den Straßen vertheilten. Die Folge war
ein Krawall, bei dem allerhand Ausschreitungen vorkamen und Lazare
selbst nur Mißhandlungen entging, weil die Behörden es doch für räthlich
hielten, gegen solche einen Bürger der französischen Republik zu schützen,
der, um die Lage seiner rumänischen Glaubensgenossen nicht noch zu
verschlimmern, das ungastliche Land schleunig verließ. Massenhaft wandern
die rumänischen Juden aus, weil das neue Gewcrbegesetz die nicht-
zünftigen Handwerker brotlos, das Landgesetz die jüdischen Bewohner
von Dorfjchaften obdachlos macht. Hoffentlich findet außerhalb Ru¬
mäniens ein Artikel des ,Berliner Tageblattes" Beherzigung, der die
europäischen Kapitalisten davor warnt, ihr Vermögen einem Staate
anzuvertrauen, der fleißige und geschäftskundige Elemente in dieser
Weise von sich stößt. Das Blatt begründet die Warnung vor neuen
rumänischen Anleihen mit folgenden treffenden Ausführungen: „Ge¬
rade jetzt macht sich in Rumänien ein Häuserkrach bemerkbar; er
wird sich verstärken, da man die Israeliten, die bisher Miethe oder
Pacht bezahlten, ihres Gewerbes beraubt hat. Damit hängt eine
Krise zusammen, unter der die Besitzer von Pfandbriefen
schwer leiden. Natürlich hat das auch auf Industrie und Handel
seine Wirkung, wenn man ihnen zahlreiche Kräfte entzieht. Kommt
dazu eine Mißernte, so sind die rumänischen Finanzen von
Neuem auf das Aergste erschüttert." A. L.