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Im deutschen Keich.
Zeiilchvift
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Erscheint xulölfmal im Znhrr.
IX. Jcrbr-g. Berlin, Februar 1903. Wr'. 2.
Rechtliche Stellung der Juden in Klt-Württemöerg?)
Von Rechtsanwalt vr. Wolf - Stuttgart.
älteste, uns bekannte Spur der Anwesenheit von Inden im
Lande Württemberg findet sich im Steuerbuch der Stadt
Stuttgart vom Jahre 1350, in welchem eine „Judengasse" aufgeführt
ist. Etwas Näheres über die Schicksale der Bewohner des Ghettos
der gräflich württembergischen Residenz ist nicht überliefert. Ganz
klein kann die Gemeinde nicht gewesen sein, da im Zinsbuch auch
einer Judenfchule Erwähnung getan wird. Aus der gleichen Zeit
etwa stammen einige historische Dokumente, welche Württemberg in
Verbindung mit Juden bringen. Kaiser Ludwig der-Bayer gebot in
einem Erlaß vom Jahre 1346, daß die Grafen Eberhard und.Ulrich
von Württemberg von allen Schulden befreit sein sollen, welche ihr
Vater bei den Juden in Schlettstadt gemacht hatte, und daß diese
Juden die Schuldurkunden an die Grafen herauszugeben haben. ' Noch
gründlicher verfuhr Kaiser Karl IV. im Jahre 1349, indem er die
genannten Grafen und alle ihre Untertanen sämtlicher Schulden ledig
sprach, die sie bis zum 1. April 1349 irgend bei Inden gemacht
hatten. Von dem letzterwähnten Erlaß sagt ein alter württem-
*) Vortrag des Verfassers in der Stuttgart-Loge.