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Korrespondenzen.
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^ München, 5. Febiuar. Daß die rumänische Gesetzgebung
selbst in Rumänien geborene Juden nicht als Rumänen anerkennt,
beweist nachstehender haarsträubende Fall, welcher der „Münchener
Allgem. Ztg." aus Bukarest berichtet wird: „Ein rumänischer Jude
wurde wegen eines Delikts bestraft und, da er als Fremder
betrachtet wurde, nach Abbüßung seiner Strafe des Landes
verwiesen. Er wurde über die ungarische Grenze gebracht, doch
brachten die dortigen Behörden den arbeits- und mittellosen Menschen
per Schub nach Rumänien zurück, wo er wegen „unerlaubter" Rück¬
kehr sofort wieder eingesperrt und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt
wurde. Nach Abbüßung dieser Strafe wurde der Jude über die
bulgarische Grenze abgeschafft, doch auch die Bulgaren schickten ihn
mit Zwangspaß zurück. Daraus wieder Emsperrung und Aburteilung
und demnächst Abschaffung, diesmal nach Serbien. Aber auch dort
wurde der Jude mit Dank abgelehnt und nach Rumänien zurück-
erpediert. Hier wiederum Emsperrung, Aburteilung und Landes¬
verweisung, aber mit keinem besseren Erfolge. Dieser Vorgang hat
sich bis jetzt vier- bis fünfmal wiederholt, und der arme Teufel, der
so Zwischen Gefängnis, Ausweisung und zwangsweisem Rücktransport
hin- und hergondelt, wurde mit immer härteren Strafen belegt, Zuletzt
am 30. Januar, wo ihn das Tribunal wegen verbotener Rückkehr zu
fünf Monaten Gefängnis verurteilte."
O Schweinfrrrt, 1. Februar. Vor der hiesigen Strafkammer
kam am 28. v. Mts. ein sogenannter Fleischbesudelungsprozeß,
der eine ganze Ortschaft in Feindschaft und Erbitterung brachte,
zur nochmaligen Verhandlung. Der Bäckermeister Johann Schmid
in Nordheim v/Rhön hatte anfangs August 1901 öffentlich verbreitet,
er sei vor ca. 5—6 Jahren nachts zwischen 10 und 11 Uhr in die
Behausung des israelitischen Metzgers Aron Baum gekommen und
habe beim Eintritt in das Schlachthaus gesehen, wie Aron Baum
gegen das Hinterteil eines frisch geschlachteten Stückes Vieh uriniert
habe. Das Viehstück fei auf Querhölzern am Boden gelegen. Schmid
bezog gleichwohl nach dem geschilderten Vorgang Fleisch von Aron Baum
weiter, bis beide wegen eines Tauschgeschäftes in Differenzen kamen.
Als im Herbst 1899 der jüdische Metzger Jakob Frank beschuldigt wurde,
ein geschlachtetes Geißchen in gleicher Weise verunreinigt zu haben, aber
von der Strafkammer freigesprochen wurde, veröffentlichte die Re¬
daktion der „Neuen Bayer. Landesztg." eine Broschüre, die besagt,
daß die jüdische Glaubenslehre — der Talmud -- verschreibe, das
Fleisch für Christen zu besudeln. Alo diese Schrift auch dem Schmid in
die Hände kam, war für ihn das bisherige Dunkel des Rätsels gelöst. Er