Page
Korrespondenzen.
583
290 Juden und nur 281 Christen, das Französische Gymnasium
113 Juden und 128 Christen, das Friedrichs-Gymnasium 202 Juden
und 315 Christen, das Sophien-Gymnasium 251 Juden und 331 Christen
und das Köllnijche Gymnasium 160 Juden und 218 Christen zählt.
Von den höheren Mädchenschulen hat die CharloLLenschule neben
357 Jüdinnen nur 359 Christinnen: an der Sophienschule sind die
entsprechenden Zahlen 324 und 372, an der Margaretenschule 292 und
349! Das findet die Antisemitenpresie sehr bedenklich und die
„Deutsche Tageszeitung" sowie die „Staatsbürger-Zeitung" als
hinreichend zur Begründung ihrer Forderung, daß besondere
höhere Lehranstalten für die jüdische Bevölkerung errichtet
werden müssen. Demgegenüber verweist die „Allg. Ztg. des Juden¬
tums" darauf, daß diese Blätter, um ihre Absonderungspläne zu
fördern, aus dem Schulkalender willkürlich jene Lehranstalten heraus-
gegrisfen haben, in denen, weil sich in jenen Stadtvierteln die jüdische
Bevölkerung zusammendrängt, der Prozentsatz der jüdischen Schüler
ein beträchtlicher sei. Auf die weiter auf Grund der Kalenderzahlen
aufgebauten antisemitischen Behauptungen, daß der jüdische Schüler,
wenn er auch sonst Vorzüge habe, anders denke und fühle wie der
christliche, z. B. der Literatur und Geschichte anders gegenüberstehe,
daß ferner die Arbeitsfreudigkeit der Lehrer darunter leide, wenn in
den überfüllten Klassen mehr als die Hälfte, ja in nicht wenigen
Fällen mehr als zwei Drittel ihrer Schüler jüdischer Abstammung
sind, bemerkt die „Allg. Ztg. des Judentums", daß die Intelligenz
und schnelle Auffassungsgabe der jüdischen Schüler und ihr hervor-
ragender Fleiß fast unbestritten seien. „Deshalb seufzt kein Lehrer,
mag er auch sonst im allgemeinen noch so antisemitisch gesinnt sein,
über den zu großen Prozentsatz jüdischer Schüler in seiner Klasse,
freut sich im Gegenteil hierüber, da ihm das Arbeiten und die Er¬
reichung des Pensums wesentlich erleichtert wird. Leistet der "be¬
treffende jüdische Schüler etwas — natürlich gibt es auch träge und
unbefähigte jüdische Schüler — so stehen die Leistungen in Deutsch
und Geschichte durchaus nicht hinter denen in anderen Fächern zurück,
wie jeder Gymnastaldirektor, der an seiner Anstalt einen erheblichen
Prozentsatz jüdischer Schüler hat, bestätigen wird."
Der Verein „Jüdische Arbeiterkolonie und Asyl in
Weißensee bei Berlin" hat seitens der zuständigen Minister die
Anerkennung als milde Stiftung erhalten. Dem Vereine steht hiernach
im gesetzlichen Umfang Befreiung von der preußischen Stempelsteuer,
der Erbschaftssteuer und den Gerichtsgebühren zu. Das' hat neben
dem moralischen auch einen materiellen Wert. Nunmehr können