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Jahresbericht.
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werden: es ist dringend erforderlich, daß vor allem unsere Glaubens¬
genossen selbst dessen inne werden, daß sich die Interessen des Juden¬
tums nicht trennen von denjenigen des Vaterlandes und einer wahrhaft
freiheitlichen Weltanschauung und daß, wer glaubt, es könne unter
ugend welchen Umständen richtig sein, dem Antisemitismus nicht ent¬
gegenzutreten, sicherlich die wahren Interessen vaterländischer Kultur
außer Acht läßt. Unsere Glaubensgenossen mit diesen Grundsätzen
immer mehr zu erfüllen, sie mit dem Gedanken zu durchdringen, daß,
wer ein guter Jute ist, auch ein guter Deutscher sein wird, ist die
wichtigste, aber auch dankbarste Aufgabe unseres Vereins: mögen auch
diejenigen Glaubensgenossen, welche uns noch fern geblieben sind, auf
dem neutralen Boden unseres Vereins sich zusammensinden, welcher
politischen Parleiftellung sie auch sonst immer angehörerr mögen.
In unserer Brust sind unseres Schicksals Sterne.
Iaßresöerichl,
erstattet durch Herrn Rechtsanwalt I)r. M. Horwitz in der ordentlichen
Mitglieder-Versammlung am 22 . Februar 1904.
üblich, will ich Ihnen einen kurzen Ueberblick über die
ÄEL Entwickelung und die Tätigkeit unseres Vereins im Jahre 1903
geben, indem ich voraussetze, daß die Mitteilungen, welche in
unseren Versammlungen und unserer Zeitschrift im Laufe des Jahres
erfolgt sind. Sie im Wesentlichen hinreichend unterrichtet haben
und es daher genügen wird, wenn ich aus der Fülle des vorliegenden
Materials überall nur Beispiele herausgreise, aus welchen Sie
selbst Ihre weiteren Schlüsse ziehen können. Wenn ich mit der
Entwickelung unseres Vereins den Bericht beginnen will, so liegt
mir zunächst, wie leider in jeder ordentlichen Versammlung und
wie das bei einem so großen Vereine unausbleiblich ist, die Pflicht
ob, einer Reihe verstorbener Mitglieder zu gedenken, deren Verlust
uns harte Wunden geschlagen hat. . . J ; ''.
Zch nenne unter denen, die im letzten Jahre uns entrissen
worden sind, Herrn Rabbiner vr. Blrmenthal-Ratibor, Herrn Carlo
Levi in Rom, der uns schätzbare Beiträge für die Zeitschrift ge¬
liefert hat, Justizrat Siegumnd Meyer in Berlin, Vorsitzenden des
Vorstandes unserer Gemeinde, Herrn Geheimrat Prof. vr. Lazarus
m Meran, zu dessen Lobe in dieser Versammlung kein Wort. zu