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Bücherschau.
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Ehrengäste.
Heber die Zustände in dem antisemitischen Nordseebad Borkum
wird der „Frankfurter ZLg." berichtet: „Im Anschluß an den Bericht
im 5. Sonntagsblatt vom 27. August über die antisemitischen
Heldentaten gegen einen jüdischen Bilderhändler macht man uns
auf ein Bild in der Scherlschen „Woche" aufmerksam. Es zeigt das
sogenannte „schwarz-weiß-grüne Regiment von Borkum/
das heißt die zu antisemitischen Radauzwecken bestehende Organisation
halbwüchsiger Jungen „besserer" Kreise, die sich im Falle des insul¬
tierten Bilderhändlers besonders hervortat. Inmitten der großenteils
schon Ziemlich erwachsenen Büblein prangen einige höhere Staats¬
beamte, so der Staatssekretär Freiherr v. Richthosen, Eisenbahn-
direktionspräsident Kranold und andere als „Ehrenaaste". Nach
den Textbemerkungen der „Woche" bildet das Regiment eine
„Organisation zur körperlichen Kräftigung und vaterländischen Er¬
ziehung". Wir gratulieren zum Erfolg!" — Die Leipziger Zeitschrift
„Funken" schreibt über jene „Schwarz-weiß-Kompagnie", die sich so
vornehmer Protektion erfreut: „Da werden kindliche Gemüter fürs
ganze Leben vergiftet, und es wird systematisch eine Unduldsamkeit
gegen Andersgläubige groß gezogen. Doch es handelt sich ja nur
um Juden, die alle Lasten des Staates mittragen helfen dürfen und
müssen und zum Lohn dafür von unendlich vielen Rechten aus¬
geschlossen werden. Gut, seht ihr in oem Juden nur den Asiaten,
behandelt ihn als Fremden, laßt ihn nicht dienen, legt ihm nicht die.
Pflichten der germanischen Rasse im deutschen Lande auf. Das kann
man nachempfinden, das läßt sich verteidigen. Ihn aber als Staats¬
bürger zweiter oder noch besser fünfter Klasse behandeln, als weißen
Neger, ihn, dessen Rasse zu den besten der Welt gehört, aus dessen
Fleisch und Blut der Heiland der christlichen Welt hervorgegangen ist
oder sein soll, ist wider alle Kultur, ist Roheit und Ungerechtigkeit,
ist Faustrecht."
McherschKA-
Der Kampf der Juden um ihre Emanzipation in Bayern. Auf
Grund handschriftlichen Quellenmaterials von Dr. A. Eck¬
stein, Rabbiner. Fürth 1905. Verlag von Georg
Rosenberg.
Die heutige Zeit befindet sich in der Beurteilung des geschicht¬
lichen Werdens der sogenannten Emanzipation vielfach in dem