Seite
Im deutschen Reich.
50 t-
gung der gewühlten Schätzer lag in den Händen der ganzen
Versammlung. Diejenigen Inden, welche mit im Vorschläge
zu dem Schätzeramte und in der Verlosung gewesen, mußten
durch Handgelöbnis versprechen, den verpflichteten Schätzern
nötigenfalls beizustehen. Den neuen Schätzern ward es zur
Pflicht gemacht, die Untergelderheber bei der zu verfertigenden
Anlage mit zu Rate zu ziehen, selbst aber dabei „ohne An¬
sehen der Person und ohne Leidenschaft zu verfahren, einen
jeden nach seinem Vermögen und Gewerbe in einen verhältnis¬
mäßigen richtigen Anschlag zu bringen, keinen vor dem andern
weder zu beschwehren noch zu begünstigen, sondern die mög¬
lichste Genauigkeit dabei zu beobachten". Begründete Be¬
schwerden über vorschriftswidriges Benehmen sollten schwer
geahndet werden. Die jüdischen Gelderheber waren verbun¬
den und angewiesen, den Schätzern die von ihnen verlangten
Nachrichten und Erläuterungen „ohne Zurückhaltung" mitzu¬
teilen.
Airs der Mitte der Versammlung wurden dann noch
folgende Personen gewählt: 1. Ein Hauptrechnungsführer,
2 . ein Talmnd-Tora-Rechnungsführer, 3. ein Jerusalems-Geld-
Rechnungsführer und 4. 14 Untergelderheber. Die von der
althessischen Judenschaft gezahlten Steuern — Schutzgeld,
S i l b e r g e l d , Kraut-und Lotgeld, F e d e r l a p p e n -
gelb, K r e i s b e i tr a g s g e l d e r, Pferde - und M aul-
tiergeld — dürften demnächst in einer besonderen Studie
veröffentlicht werden. Es würde hier zu weit führen, die
Umstände alle zu schildern, welche die Erlangung eines Schutz¬
briefes bedingten. Doch muß versichert werden, daß die
Landesbehörden und der Landesherr selten mit großer Härte
vorgingen und oft Gnade vor Recht walten ließen, selbst
wenn es an dem nervas rerunr mangelte.
Auch die Eigenart der Besteuerung nach Klassen und
Mannschaften zu schildern, bedingt einen besonderen Artikel.
Diese Steuerveranlagung ist in dem heute noch im Regierungs¬
bezirk Kassel geltenden Judengesetz von 1833 gebräuchlich.
Da Zahlen beweisen, seien folgende Rechnungen mit-
geteilt: Die Landtagsrechnung 1711—1714 hatte eine Ein¬
nahme von 7584 Taler 10 Alb. 5VZ Heller und eine Aus¬
gabe von 7169 Taler 13 Alb. 3 3 / 10 Heller. — Der Landtag
1733—36 hatte 14 358 Taler 16 Alb. und 6 Heller Ausgabe.