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Im deutschen Reich.
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mitischen Politikern so oft beteuerten ntonarchischen Ge¬
sinnung charakteristisch ist. Das Antisemitenblatt richtete
an den Monarchen eine förmliche Strafpredigt, die mit;
„W i r verstehen unfern Kaiser nicht!" über¬
schrieben war und mit den Worten schloß: „Wir ßoffen
auf Erklärungen, die unsere ernsten Befürchtungen als
grundlos hinstellen. Schwindel hat das Judentum schon oft
betrieben, um sich bemerkbar zu machen, hoffentlich auch in
diesen: Falle. Die genügende Aufklärung m u ß s ch n e l l
k o m men, d a m i t wieder v o l l e s V e r t r a ue n u n d
B e r st ä n d n i s z wischen de nt ganzen Volk c u n d
1 einem K aiser h e r r scheu kann." Auf dieses antise-
nntische Ultimatum ist bisher keine Antwort erfolgt; und wird
wohl nie eine erfolgen, denn in den maßgebenden Kreisen
ist man sicher davon überzeugt, daß diese Dreistigkeit nicht,
auf „Männerstolz vor Königsthronen", sondern nur auf eine ver¬
zweifelte Angst vor einer etwaigen „neuen Aera" zurückzuführen
ist. Wenn die „Deutsch-Sozialen Blätter" einfließen ließen,
es sei wohl nur ein „I u d e n s ch winde l", daß die Mahnung
des Kaisers an die preußischen Kommandobehörden, bei der
W a h l von Offizieren künftig auf die K on -
f e s s i o n keine R ü ck s i ch tue h nt e n z n l a s s e n , den
Zweck habe, den Juden den Eintritt in das. Offizierkorps zu er-
möglichen, war dies eine Unterstellung, die nirgends Glauben
gefunden hat, weil die ersten Mitteilungen über den angeb¬
lichen kaiserlichen Erlaß in den „Deutsch-Sozialen Blättern"
und in einigen wenig judenfreundlichen Blättern, wie z. B.
in der „Märkischen Volkszeitung", zu finden waren. Als
dann die agrarische „Deutsche Tageszeitung" und eine ganze
Reihe konservativer Blätter den Erlaß dahin auszulegen ver¬
suchten, es sei ebenso selbstverständlich, daß alle christ¬
lichen Bekenntnisse bei der Wahl zum Offizier gleichbedeutend
seien, als daß ferner nach wie vor geprüft werden müsse,
ob sich der Bewerber seiner ganzen Persönlichkeit
nach zum Offiziere eigne, äußerte sich zwar die katholische
„Germania" zustimmend, aber sie wurde sofort von einem
andern Zentrumsblatt widerlegt. Der „Bayerische Courier" er
klärte nämlich, da man protestantische und katholische Offiziere
schon seither im Heere gehabt habe, könne der Erlaß
n it r den eine n Z w e ck h n b e u , d e n I u de n den