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Korrespondenzen.
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„Stand" eintreten, nach Behauptung der „Handelswacht"
„minderwertiges Material"! Das mögen sich die
e h e m a l i g e n Vo ! kssch ü l er in den Reihen des
deutsch-nationalen Verbandes m erke n. Den Ver¬
band zu stärken, antisemitische Parteisteuern für die Wahl des
Herrn Schack zu zahlen und Volksfeinde antisemitischer Couleur
in den Reichstag zu wählen, dazu sind sie gut genug, —>
ihre Führer aber betrachten sie im Grunde ihres Herzens
als „minderwertiges Material", weil sie eben nur die Volks¬
schule besucht haben. Nur die hurrapatriotisch gesinnten ein¬
jährig-freiwilligen Bourgeoissöhnchen, die es- zum Reserve¬
leutnant gebracht haben, sind Qualitäts-Mitglieder der deutsch-
nationalen „Standes"-Organisation."
— Wegen Verteilung v o n P ü ck l e r - F l ü g b l ä t -
tern hatten sich am 10. August der Schneider Robert Richter
und der Privatier Richard Giese vor der ersten Ferienstraf¬
kammer des Landgerichts I zu verantworten. Beide waren
beschuldigt, in einer, den öffentlichen Frieden gefährdenden
Weise verschiedene Klassen der Bevölkerung zur Begehung
von Gewalttätigkeiten angereizt zu haben. Bald nach dem
Erlaß des Redeverbots gegen Pückler wurden Flugblätter
verbreitet, die mit Hetzereien gespickt waren. Zwei dieser
Flugblätter mit der Ueberschrift „Kauft nicht bei Juden!"
und „Die verfaulte Gesellschaft" tauchten im November v.
I. in Berlin auf. Der Inhalt beider Flugblätter veranlaßte
die Staatsanwaltschaft, die Beschlagnahme anzuordnen. Die
Kriminalpolizei ermittelte, daß die Angeklagten die Verbreiter
dieser Flugblätter waren. In der Verhandlung wurde wäh¬
rend der Verlesung Wege n G e f ä h r düng der S t a a t s -
sichert) eit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Der Staats¬
anwalt beantragte gegen Richter drei Monate Gefängnis,
gegen Giese 100 Mark Geldstrafe. Das Gericht erkannte
gegen beide Angeklagte auf je 50 Mark Geldstrafe eventuell
10 Tage Gefängnis.
— Wie die „Post" berichtet, soll im Mai nächsten Jahres
in den prächtigen Kursaal-Anlagen in Cannstatt bei Stutt¬
gart, gegenüber der „Auerbach-Linde" ein Denkmal für
Berthold Auerbach ausgestellt werden, das aus einer
überlebensgroßen Erzbüste des Dichters bestehen und sich auf
einem Sockel aus schwarzwäldischcm Granit erheben soll. Die