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Korrespondenzen,
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drei Koffer entwendet worden und die Diebe wahrschein¬
lich nach Düsseldorf gereist seien. Als in derselben Nacht
der Reisende Arndt mit drei Musterkoffern auf dem Haupt¬
bahnhofe eintraf, wurde er verhaftet und trotz vorgewiesener
Legitimationen die Nacht über festgehalteil und am folgenden
Morgen dem Amtsrichter vorgeführt, der feine Freilassung
verfügte. Als Arndt auf der .Bahnhofswache seine Legi¬
timationen vorzeigte, hatte sich der wachhabende Polizei-
fergeant Karl Töpfer geäußert: „Das ist ja alles Juden-
schmus!" Auf Grund dieser Aeußerung hatte "Arndt Be¬
leidigungsklage angestrengt, die am 7. August vor dein
Schöffengericht mit der Verurteilung des Töpfer mit 10 M.
Geldstrafe endete. Der polizeiliche Mißgriff wegen Festnahme
des Reisenden unterliegt noch der gerichtlichen Untersuchung."
— 23ottn, 1 . August. (Verspätet eingegangen.) Vom 20.
bis 28. Juni fand in B o n n die diesjährige Tagung der im
K. C. (K artell - Co n v e n t) vereinigten Tendenz-
Verbindungen deutscher Studenten j ü d i s ch en
Glaubens st a t t. Sämtliche K.-C.-Korporationen in Bres¬
lau, Heidelberg, Berlin, München, Freiburg, Darmstadt,
hatten Vertreter entsandt. Zahlreiche alte Herren des K.-C.
aus allen Gegenden Deutschlands hatten sich eingefunden.
Das Präsidium des K.-C.-Tages lag in Händen der Bonner
R h e n o - S i l e s i a. Diese hatte aus Anlaß des Verbands¬
tages am 27. Juni in der Beethovenhalle einen F e st k o m -
mers veranstaltet, zu dem außer vielen K.-C.er (über 100),
zahlreiche Mitglieder der Bonner und Kölner jüdischen Ge¬
meinden erschienen. Nach den Begrußuugsworten des ersten
Chargierten, Herrn stud. med. A r o n, gedachte Herr
Dr. Kurt Wolfs- Cotn unseres Kaisers. Er schilderte den¬
selben als einen Friedensfürsten, der alle im gleicher Weise
beschütze, und zu dem auch wir Juden in großer Verehrung
und Liebe ständen. Herr Dr. M ainzer, einer der Gründer
des K.-C., führte in längerer Rede aus, wie der K.-C. einen
Zusammenschluß deutsch-vaterländisch gesinnter Studenten
jüdischen Glaubends darstelle, die nach dem Prinzip der Selbst¬
hilfe die völlige Gleichberechtigung der deutsche!: Juden herbei¬
zuführen suchten.. Ohne zu den politischen oder religiösen
Fragen innerhalb des Judentums Stellung zu nehmen, er¬
ziehe der K.-C. seine Mitglieder so, daß sie auch nach Abschluß