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Im deutschen Reich. ' "
ihrer Studien draußen inr Leben stets dem Antisemitismus
entgegenzutreten wüßten.. Die alten Herren des K.-C. seien
überall, sehr oft in leitender Stellung, tätig, wo es gelte,
den Antisemitismus zu bekämpfen. Herr Or. Weil-Metz
wies darauf hin, daß der Zusammenschluß der jüdischen Stu¬
denten bei den jetzigen Verhältnissen eine Notwendigkeit und
durch die Ehre geboten sei. Der K.-C. gebe gern seine Exklu¬
sivität aus, wenn die jetzt nur auf dem Papier stehende
Gleichberechtigung endlich in die Tat umgesetzt und wenn
vor allem jüdische Akademiker in alle studentischen Korpo¬
rationen anstandslos ausgenommen würden. Herr Rabbiner
Dr. K a l i s cher - Bonn sprach im Namen der Gäste seine
Sympathie für die Bestrebungen des K.-C. aus. Wenn man
heute sagen könne, daß die studentischen Korporationen sich
allmählich ihres Antisemitismus zu schämen begännen, so sei
dies nicht zum wenigsten das Verdienst der K.-C-Verbindungen.
Seitens der Ortsgruppe Cöln des Centralvereins deutscher
Staatsbürger jüdischen Glaubens, überbrachte das Vorstands¬
mitglied, Herr Rechtsanwalt vr. Heinrich Frank, Grüße
und Glückwünsche. Er habe sich über die große Begeisterung
gefreut, die bei den Mitgliedern des K.-C. herrsche, und
dies umsomehr, als der C e n tr al-Be r e i n und K.-C.
dasselbe Ziel verfolgten: die Gleichberech¬
tigung der deutschen Juden. Aus den Reihen des
K.-C. entständen dem Central-Verein wackere Mitkämpfer, die
bereits aus dem kleinen, aber wichtigen Posten an den Uni¬
versitäten tätig gewesen seien und so mit reicher Erfahrung
sich auf dem Wirkungsfeld des Central-Vereins, dem öffent¬
lichen Leben, betätigen können. Der Central-Verein bringe
deshalb dem K.-C. seine größte Sympathie entgegen. Nach
diesen- Reden voll Liefen Ernstes kam auch die studentische
Fröhlichkeit nicht zu kurz, so daß der Kommers in jeder
Beziehung einen erfreulichen Verlaus nahm. Den Abschluß des
Kartelltages bildete ein Rheinausflug nach Rolandseck.
4c Snröen, 2. August. Wie der „Ostfriesischen Ztg. aus
Borkum berichtet wird, stoßen dort die antisemitischen Kund¬
gebungen jetzt aus energischen Widerstand. Als kürzlich ein
Badegast das „Borkum-Lied" verlangte, weigerte sich der
Leiter der Musikkapelle, es zu spielen, worauf die antisemitischen
Gäste im Saale mit den nichtantisemitischen heftig aneinander